Pferdegesundheit
Pferdegesundheit
1. Allergie bei Pferden
Allergien auf dem Vormarsch?
Allergien nehmen in erschreckendem Ausmaße stetig zu.
Eine Zunahme der allergischen Erkrankungen finden wir in allen Unterkategorien: bei den Atemwegsallergien, bei den Haut- und Schleimhautallergien sowie bei den Nahrungsmittelallergien, aber auch bei den Arzneimittelallergien;
kurzum: bei sämtlichen Allergieformen.
Wie erkennt man eine Allergie?
Oft ein schwieriges Unterfangen: nicht jede allergische Reaktion stellt eine Sofortreaktion dar. Eine Sofortreaktion tritt beispielsweise bei einem allergischen Schock auf, der direkt nach der Verabreichung bestimmter Medikamente erfolgt, wenn das Pferd auf bestimmte Arzneimittel oder auch Hilfs- und Begleitstoffe allergisch reagiert. Es kommt zu einer Dosis unabhängigen Antigen-Antikörper-Reaktion durch den Kontakt mit bestimmten Arzneimitteln bzw. darin enthaltenen Stoffen. Diese Sofortreaktion kann sich beispielsweise bei leichteren Formen in Nesselfieber, jedoch auch in Bronchospasmen und anaphylaktischem Schock mit sofortiger Todesfolge äußern. Glücklicherweise ist der anaphylaktische Schock relativ selten zu beobachten; allergische Reaktionen in Form von Urticaria (Nesselfieber) treten jedoch nicht selten auf. Eine Sofortreaktion erleben wir ebenso, wenn der Patient Weidegang auf einer Weide mit Kontaktallergenen erhält: morgens sieht das betreffende Pferd noch kerngesund aus und abends - beispielsweise nach dem Kontakt mit dem häufigen Allergen Brennessel als Kontaktallergen - weist das Pferd - in diesem Falle - meist an den Extremitäten und am Unterbauch große Quaddeln auf. Eine Sofortreaktion erfolgt auch bei dem „Allergen" Insektenstiche: gerade dieses Jahr nach dem milden und frostfreien Winter treffe ich häufig auf Pferde mit Nesselfieber (Urticaria/Quaddelbildung) am gesamten Körper. Meist sind Bremsen hierfür verantwortlich.
Schwieriger wird das Erkennen einer Allergie beim Thema Futtermittel: Reaktionen treten bei Nahrungsmittelallergien selten sofort nach der Verfütterung der allergenen Futtermittel auf und die Symptome können so verschieden sein, dass wir sie nicht unbedingt mit einer Allergie in Zusammenhang bringen. Hier wird die Diagnose also eher schwierig.
Auch wird Headshaking nicht unbedingt mit einer allergischen Reaktion in Zusammenhang gesetzt, obwohl es meiner Meinung nach (diese Meinung wird von Fachleuten teils geteilt, teils ist sie umstritten) eine allergische Reaktion darstellt. Bei manchen Haut- und Schleimhauterkrankungen ist die Diagnose schwierig und auch langwierig; auch für Atemwegsallergien gilt dies zum Teil.
Die verschiedenen allergischen Erkrankungen
Atemwegsallergien:
Atemwegsallergien äußern sich in chronischer, meist im späteren Verlauf obstruktiver Bronchitis; am Ende steht bei nicht erfolgreicher Therapie die Dämpfigkeit, das Lungenemphysem.
Entstehungsgründe:
Atemwegsallergien können entstehen aus der Verfütterung mit schimmeligem, staubigem Rauh- und Kraftfutter. In erster Linie ist qualitativ minderwertiges Heu und Stroh der Auslöser für eine stetige Aufnahme von Schimmelpilzsporen, jedoch können diese ebenso gut in Silage, Heulage und in Kraftfutter (Müsli, Getreide) vorhanden sein.
Gefördert wird die Erkrankung durch schlechte Licht- und Luftverhältnisse sowie mangelnde freie Bewegung, starker Ammoniakbelastung im Stall sowie eine hohe Infektionsbelastung bzw. eine geschwächte Abwehr des Pferdes.
Aus einer akuten Atemwegserkrankung entsteht bei nicht erfolgreicher Therapie eine chronisch-allergische Atemwegserkrankung.
Auch Impfungen können verantwortlich sein, welche dem abwehrgeschwächten bzw. bereits erkranktem Pferd injiziert werden, da ein mangelndes Abwehrsystem keine Antikörper entwickeln kann.
Eine allergische Atemwegserkrankung erfolgt meist über einen längeren Zeitraum mit für das Pferd ungünstigen Bedingungen, eine Sensibilisierung tritt über Monate hinweg ein, ohne dass der Besitzer diese bemerken muss (nicht immer ist Husten vorhanden).
Auch wird bei Husten mit unterdrückenden Mitteln „gearbeitet", obwohl gerade das Husten eine wichtige Methode darstellt, Fremdkörper aus den Luftwegen zu entfernen. Produzierter Schleim und Staub wird abgehustet. Diese Unterdrückung sensibilisiert das Pferd umso mehr und macht es in der Folge anfänglich für die Übertragung von Bakterien, Viren und Pilzen sowie zahlreiche allergische Reaktionen von Schleimhäuten der Atemwegsorgane auf eindringende Allergene (beispielsweise Schimmelpilzsporen).
Vermeidung:
Impfungen ausschließlich am gesunden Pferd mit einem gut funktionierenden Abwehr- und Immunsystem; was in der Lage ist, Antikörper auszubilden.
Diese Antikörperbildung funktioniert bei geschwächten Pferden nicht!
Bei akuten Atemwegserkrankungen eine Lösung des Schleims und nicht Unterdrückung von Symptomen herbeiführen; keine Selbstmedikationen mit oft eher negativ wirkenden Eigenmedikationen durchführen. Zeit und Geduld zur Ausheilung aufbringen; Schonung über mehrere Wochen; Stärkung des Immunsystems auf natürliche Weise, durch beispielsweise Vitamin C-Pulver. Keine Unterdrückungsmedikamente, keine ggf. allergische Erkrankungen begünstigende Pflanzen- und Kräutermischungen bzw. Hustensäfte mit allergenverdächtigen Substanzen verabreichen.
Grundsätzliches zur Vorbeugung:
Nur erstklassige Futtermittel füttern; Staub- und Schimmelpilzsporen dürfen weder Bestandteile von Heu, Stroh noch von Kraftfuttermitteln sein.
Dem Pferd viel frische Luft und freie Bewegung gönnen; keine dunklen muffigen und schlecht gemisteten Pferdeställe mit nur stundenweisem Weideaufenthalt: tägliches Misten, Licht, Luft und viel freie Bewegung sind unabdingbar. Möglichst an die Natur angelehnte Bedingungen schaffen, hiermit wird das Immunsystem bestmöglich trainiert! Schutz vor Nässe und Wind bei Weidehaltung! Infektionsbelastung durch neue Pferde so gering wie möglich halten!
Haut- und Schleimhautallergien:
Hierzu zählen die Sonnenallergie (UV-Licht), die Kontaktallergie, das Sommerekzem, die Urticaria (Nesselfieber, Nesselsucht, Quaddelbildung/Ausschlag), die allergische Konjunktivitis (Bindehautentzündung), die allergische Alopezie (Haarausfall), die Kontaktallergie und Headshaking.
Verursacht durch beispielsweise das „Ozonloch", durch hohe Insektenpopulation infolge zu milder Winter, durch Allergene in der Luft und durch eine stetig aggressivere Umwelt werden die zunehmenden Haut- und Schleimhautallergien.
Da die gesamten Haut- und Schleimhautallergien in einem sehr engen Zusammenhang mit unseren heutigen Umweltbedingungen stehen, ist Vorsorge sowie auch Therapie schwierig und häufig nur begrenzt möglich bzw. unter erschwerten Bedingungen praktizierbar.
Als prophylaktische Maßnahmen wären zu nennen, den Pferden grundsätzlich einen Rückzugsort vor Insekten, UV-Licht, in der Luft zirkulierenden Allergenen (z. B. Sporen) zu bieten. Beim Headshaking und bei der allergischen Konjunktuvitis sowie auch beim Sommerekzem und Kontaktallergien/Alopezie am Kopf ist der Schutz durch eine UV-beständige Fliegenschutzmaske anzuraten.
Darüber hinaus sollten wir unseren Weidebestand von bekannten Allergenen befreien: Bei einem Pferd mit einer Kontaktallergie auf Brennesseln versagt die erfolgversprechendste Therapie, wenn das Pferd immer wieder mit auf der Weide befindlichen Brennesseln in Kontakt kommt.
Insektenschutz mit Verstand: Oftmals werden Insektizide eingesetzt, welche selbst Allergenauslöser sind; gerade manche ätherischen Öle sind als Allergenauslöser bekannt!
Die Umweltbedingungen grundsätzlich können wir selbstverständlich nicht ändern:
Wir können aber versuchen, sie für unser Pferd so erträglich wie möglich zu machen und individuelle Maßnahmen zum Schutze des Pferdes zu ergreifen. Ein Pferd mit UV-Licht/Sonnenallergie muss demnach bei Sonnenlicht im Stall verbleiben; diesen Stallaufenthalt können wir jedoch so angenehm wie möglich für unser Pferd gestalten: mit Platzangebot, Rauhfutterangebot und Artgenossen. Gerade bei den allergischen Erkrankungen, welche durch unsere Umwelt ausgelöst werden, können wir ausschließlich die Bedingungen für das betroffene Pferd bestmöglich gestalten!
Futtermittelallergien:
Futtermittelallergien entstehen aus Allergenen, welche im Futter vorkommen. Bedenkt man, dass sich das Steppentier Pferd früher ausschließlich von Steppengras, wildwachsenden Kräutern und Pflanzen ernährte, so sind Futtermittelallergien in unserer heutigen Pferdeernährung vorprogrammiert.
Unsere Pferde werden heute zum großen Teil krank gefüttert (Thema des nächsten Monats) durch Fabrikfuttermittel, Konzentrate, Zusätze, Ergänzungsfuttermittel, synthetisch aufbereitete und konservierte Futtermittel, durch Erhitzung des Futters und denaturierte Futtermittel. Pferde haben seit Jahrhunderten durch die Nahrungsaufnahme von Kräutern, Pflanzen und Rohfasern überlebt und sich weiter entwickelt. Sie haben sich heute mit Mahlzeiten auseinander zu setzen, welche mit ihrem natürlichen Futter nur noch annähernd - wenn überhaupt - übereinstimmen.
Jedes Futtermittel, jeder Bestandteil eines Futtermittels, jeder Stoff und jeder Zusatzstoff kann zum Allergen werden. Die allergischen Reaktionen beruhen überwiegend auch bzw. zusätzlich auf eine erhöhte Eiweißzufuhr durch das Futter.
Das Fatale an Futtermittelallergien ist, dass die Symptomatik selten mit einer Allergie in Zusammenhang gebracht werden. Symptome sind beispielsweise immer wieder kehrende Koliken, Durchfall, Kotwasser, Magenprobleme/Erkrankungen sowie Hautreaktionen. Wer denkt schon bei Kolik an eine allergische Reaktion? Oder auch bei Durchfall und Kotwasser?
Bei den Nahrungsmittelallergien ist die Therapie recht schlicht: Es gibt zwei Möglichkeiten: Das Allergen ist bekannt; dann wird es umgehend aus der Fütterung entfernt. Oder aber es wird eine Ausschlussdiät über mehrere Wochen durchgeführt. Das heißt, je nach zur Zeit praktizierter Fütterung wird diese ganz umgestellt bzw. auch nur verdächtige Teile der praktizierten Fütterung über einige Wochen abgesetzt.
Verursacher bzw. Allergen werden in jedem Fall aufgespürt, wenn der Pferdehalter sich konsequent an die Therapieanweisungen bzw. Anweisungen bezüglich der Fütterung hält. Der Zeitraum hängt in großem Maße von der Vielfalt der zur Zeit gefütterten Futtermittel ab; wird sich aber in der Regel über mehrere Wochen/Monate erstrecken; da das Allergen erst einmal eine Zeit aus der Futterkrippe verschwunden sein muss, um die Symptomatik rückläufig werden zu lassen bzw. feststellen zu können, dass keine negativen Symptome, wie beispielsweise im mehrwöchigen Abstand auftretende Koliken, mehr auftreten.
Arzneimittelallergien:
Treten innerhalb von wenigen Tagen nach der Verabreichung des Allergens auf bzw. auch gleich nach Injektion. Arzneimittelallergien zeigen sich in ganz verschiedenen Symptomen und auch verschiedenen Schweregraden. Letal wirken diese bei einem anaphylaktischem Schock: Das Pferd verstirbt innerhalb von Minuten nach der Injektion.
Meist äußern sich diese jedoch in Hautreaktionen, wie beispielsweise Nesselfieber, Ausschlägen, Ekzemen und Symptomen der Haut.
Jedoch kommen auch Bronchospasmen, Kotwasser, Durchfälle, Magen- und Darmprobleme vor und können auf eine Arzneimittelallergie zurückführbar sein.
Arzneimittelallergien treten auch nach lokaler Anwendung auf. Besonders empfindlich reagieren oft Füchse und Schimmel.
Einen Schutz gibt es nicht, da bei erstmals injizierten bzw. zu verabreichenden oder lokal aufgetragenen Medikamenten keine Erfahrungen bestehen, wie das Pferd ggf. reagieren könnte.
Das Wort „Arzneimittelallergien" ist lediglich ein sogenannter Oberbegriff, Allergien entstehen häufig auch bei Pflegemitteln und Produkten, welche nicht unter den Begriff „Arzneimittel" fallen!
Allgemein gilt:
Ein hoher Eiweißgehalt im Futter, das heißt ein Überangebot an Eiweiß, wird mitverantwortlich gemacht für das Entstehen einer allergischen Reaktion, da es dieser „Tür und Tor" öffnet!
Da unsere Pferde grundsätzlich zu Protein reich ernährt werden; könnte dieser Umstand mit dazu beitragen, dass Allergien stetig zunehmen.
Besuchen Sie uns auf unserer Seite:
http://www.tierheilkundezentrum.de
Tierheilpraktikerin Claudia Nehls
33014 Bad Driburg-Dringenberg
2. Ataxie (griechisch = Unordnung)
Unter Ataxie versteht man durch Nervenschäden unterschiedlicher Ursache hervorgerufene Störungen im Bewegungsablauf und Körperhaltung des Pferdes. Die Auslöser können Verletzungen, Infektionen, Fütterungsfehler, Vergiftungen oder auch Parasitenbefall sein.
Krankheitsanzeichen
Leidet das Pferd an Ataxie, kann es sein, dass das Pferd einen gewissen Zeitraum nicht reitbar ist, in ganz schlimmen Fällen kann es unreitbar bleiben. Viele Ataxien machen sich anfangs kaum bemerkbar und sind von einer leichten Lahmheit kaum zu unterscheiden. Aber auch ein plötzliches und starkes Auftreten, z.B. nach einer Verletzung der Halswirbelsäule, ist bei diesem Krankheitsbild möglich.
Betroffene Pferde erkennt man am unsicheren, abgehackten Gang, der ein wenig dem Stechschritt beim Militär ähnelt. Die Vorderbeine machen eine gestreckte, ruckartige Bewegung nach vorne. Bei einem starken Auftreten der Ataxie schwankt das Pferd dabei. Die Symptome verstärken sich beim Strecken und Abwinkeln des Halses sowie beim Wenden und Rückwärtslaufen. Leidet das Pferd bereits über einen längeren Zeitraum, verstärken sich die Symptome. Die bodenweite Stellung im Stand (weit gespreizte Beine) ist ein weiteres Anzeichen. Das Pferd steht sehr unsicher und kann sogar, wenn ihm der sichere Stand genommen wird, stürzen. Pferde, die an Ataxie leiden, haben außerdem recht häufig einen Huf, der kürzer ist als die Anderen, da die Hufspitze über den Boden schleift.
Desweiteren zeigen sich im Verlauf der Krankheit Einschränkungen bei den Reflexen. Wo ein gesundes Pferd auf Berührung der Halsseite mit deutlichem Zucken reagiert, reagieren Ataxie-Pferde stark verzögert bzw. gar nicht.
Überlassen Sie die Diagnose immer dem Tierarzt!
Man unterscheidet bei Pferden drei unterschiedliche Formen der Ataxie:
1. Spinale Ataxie (am häufigsten auftretend)
Ursachen
Sie tritt durch die Schädigung sensibler Rückenmarksbahnen auf, bei denen das Rücken- oder Halsmark gequetscht wird. Das hat Auswirkungen auf die Nervenbahnen im Wirbelkanal und zieht diese in Mitleidenschaft. Betroffene Pferde sind sehr schmerzempfindlich im Halsbereich. Bewegungen des Halses, insbesondere zur Seite meiden sie. Bei einer verletzungsbedingten Ataxie kann es zu plötzlichen Lähmungserscheinungen an allen vier Beinen kommen.
Ältere Pferde können durch eine Arthrose der Halswirbelgelenke an spinaler Ataxie Leiden. Die Arthrose läßt die Gelenke anschwellen, dabei werden die Nervenbahnen gequetscht. Diese Form der Ataxie tritt langsam und schleichend auf. Auch Spätfolgen aus Verletzungen in Form von kleinen Rissen in der Knochensubstanz können zur Ataxie führen. Hier reicht schon früheres Festliegen des Pferdes oder ein Rangordnungskampf. Selbst ein Bluterguss oder eine Gelenkgalle, die Druck auf den Wirbelkanal ausübt, kann zu spinalen Ataxie führen.
Eine Ursache kann auch die unsachgemäße Fütterung beim Jungtier sein. Bei der Aufzuckt wird zu energie- und eiweißreiches Futter verwendet, was ein zu schnelles Wachstum des Körpers zur Folge hat. Die Weichteile wachsen nicht im gleichen Tempo mit und sind anfällig für die später die Ataxie auslösenden Quetschungen.
Diagnose
Die Durchführung einer Röntgenkontrastdarstellung (Myelographie), bei der ein spezielles Kontrastmittel in den Wirbelkanal injiziert und der entsprechende Wirbelabschnitt geröntgt wird, ist für die sichere Diagnose der spinalen Ataxie notwendig. Hierbei werden die entzündlichen Verwachsungen und raumfordernde Wachstumsprozesse innerhalb des Wirbelkanals sichtbar. Die heutigen bildgebenden Techniken, wie zum Beispiel auch die Kernspinresonanztomographie, ermöglichen dem Tierarzt eine relativ genaue Einschätzung der Heilungschancen.
Behandlung
Eine Behandlung erfolgt meistens mit Hilfe abschwellender und entzündungshemmender Medikamente, um den mechanischen Druck auf den Wirbelkanal zu minimieren. Eine Operation wird nötig, wenn die Ursache in einer Veränderung der Knochenstruktur liegt und die Wirbelgelenke immobilisiert werden müssen.
Parallel dazu sollte ein Bewegungstraining stattfinden, um die Muskulatur aufzubauen. Dies kann durch die Gabe muskelaufbauender Präparate unterstützt werden. Akupunktur kann zu einer Erleichterung für das Pferd führen.
Behandlungsdauer
Eine vollständige Heilung der spinalen Ataxie ist relativ unwahrscheinlich. Die Behandlungsdauer kann durchaus bis zu 18 Monate dauern.
Prävention
Durch die richtige Fütterung und ausreichend Bewegung kann hier im gewissen Maße vorgebeugt werden.
2. Zerebrale Ataxie
Hier befinden sich die Schädigungen vorwiegend im Großhirn (=Cerebrum), Zwischen- oder Mittelhirn.
3. Zerebellare Ataxie
Hier befinden sich die Schädigungen im Kleinhirn (= Cerebellum)
Ursachen
Zerebrale und zerebellare Ataxien werden durch schwere Virusinfektionen wie etwa beim Equinen Herpes-Virus EHV-1 hervorgerufen. Eine Borrelioseinfektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi kann das Nervensystem soweit schädigen, dass sich eine Ataxie zeigt, da hierbei neben dem Gehirn auch das Rückenmark angegriffen wird. Parasitenbefall ist ebenfalls ein Auslöser dieser Art der Ataxie. Strongyliden überwinden hierbei die Blut-Hirn-Schranke und setzen sich im Gehirn fest. Weitere Ursachen der zerebralen und zerebellaren Ataxie können auch schwere Kopfverletzungen mit offenen Frakturen des Schädels oder auch die Folgeerscheinung einer Vergiftung sein.
Diagnose
Hierbei ist eine Computer- oder Kernspinresonanztomographie nötig, da eine Myelographie nur in den seltensten Fällen weiterhilft. Auch durch Blutuntersuchungen kann die Ursachenfindung erleichtert werden.
Behandlung
Die auslösende Erkrankung wird therapiert. Eine vollständige Heilung ist hier möglich.
3. Bindehautentzündung
Ursache:
Ein Fremdkörper (Blütenstaub, Zugluft, Fliegen etc.) gelangt ins Auge und ruft hier die Entzündung hervor.
Symptome:
stark rote Verfärbung der geschwollenen Bindehaut
Verdickung der Augenlider
gelblicher und wässriger Tränenfluss oder gelbgrüner Eiter, der sich im Augenwinkel sammelt und die Lieder verklebt
Lichtempfindlichkeit
Juckreizes
Behandlung:
Wird eine Bindehautentzündung zu spät erkannt, oder falsch behandelt, kann es zu einer dauerhaften Schädigung des Auges kommen. Schnelles Handeln ist also sehr wichtig, um dem Pferd Schmerzen und Leiden zu ersparen. Waschen Sie das Auge am besten mit einer Kochsalzlösung aus, um eventuell noch vorhandene Fremdkörper zu entfernen. Die Symptome sollten so nach 2 bis 3 Tagen abklingen. Ist dies nicht der Fall, ist das Hinzuziehen eines Tierarztes unbedingt zu empfehlen.
4. Bluterguss
Ursache:
Genau wie beim Menschen entsteht auch beim Pferd durch stumpfe Gewalteinwirkung in folge eines Sturzes, Schlages oder ähnlichem ein Bluterguss.
Symptome:
Schwellung
fühlt sich am Anfang weich an
Behandlung:
Blutergüsse können in der Regel innerhalb von 2 - 3 Wochen von allein wieder abgebaut werden. In der akuten Phase sollten Sie Ihr Pferd schonen und die Heilung mit Hilfe von Heparinsalben, kühlenden Salben, fließendem Wasser und entzündungshemmenden Medikamenten unterstützen. Ein Bluterguss ist ein idealer Nährboden für Keime. Demzufolge kann es nötig werden, einer Infektion vorzubeugen, insbesondere wenn Verletzungen der Haut nicht auszuschließen sind. Es ist besonders für diese Fälle sehr wichtig, die Tetanus-Vorsorge immer aktuell zu halten bzw. gegebenenfalls nun aufzufrischen. Nach spätestens 3 Wochen sollte sich der Bluterguss zurückgebildet haben. ISt dies nicht der Fall, kann es nötig sein, diesen chirurgisch zu entfernen.
5. Bornasche Krankheit
Die Bornasche Krankheit, auch Borna Disease oder kurz BD genannt, ist eine Virusinfektion, die bereits seit über 200 Jahren bekannt ist. Ihren Namen verdankt sie der Kreisstadt Borna in Sachsen, wo sie erstmalig in seuchenhaften Umfang auftrat.
Das Bornavirus gehört zur Familie der Bornaviridae, Ordnung der Mononegavirales. Es handelt sich um ein umhülltes, nicht-segmentiertes Einzelstrangvirus mit negativ-RNA. Diese Virusform wird als sehr speziell angesehen und ist nach bisheriger Erkenntnis mit keinem anderen Virus näher verwandt. Befallen werden von diesem Virus Pferde, Rinder (selten), Schafe (häufig), Katzen, Hunde, Ratten und Strauße. Bei einigen anderen Tierarten wurden ebenfalls, wenn auch sehr selten, serologische Proben positiv getestet. Dazu zählen u.a. Mäuse, Meerschweinchen, Kaninchen und Vögel.
Pferde gelten als primärer Wirt des Bornavirus.
Unklar ist, ob die BD als Zoonose (vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankung) gilt. In einigen Fällen wurden Antikörper auf das BD-Virus bei Patienten mit speziellen Formen von Depressionen oder dem Chronic Fatique Syndrome (Chronische Müdigkeit) nachgewiesen.
Frühere Beschreibungen bezogen eine BD-Infektion nur auf einige Gebiete in der Schweiz und Deutschland. Mittlerweile wurden BD-Antikörper nahezu weltweit nachgewiesen, u.a. in den USA, in Russland, Japan, Korea und Israel.
Die Übertragung des neurotropen (das Nervensystem beeinflussenden) BD-Virus erfolgt über die Nasenschleimhäute. Die Inkubationszeit liegt zwischen einigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten. Pferde erkranken in der Regel am schnellsten, hier beträgt die Inkubationszeit selten mehr als 14 Tage. Die Morbidität (Erkrankungsrate) wird mit rund 5% aller Fälle angegeben, die Letalität (Todesrate) liegt bei erkrankten Pferden bei über 90% aller Fälle.
Das BD-Virus greift das ZNS (Zentrales Nervensystem) an und führt zu dort zu Läsionen (Störungen im allgemeinen). Diese Läsionen zeigen sich bei Pferden vorwiegend als Encephalitiden (das Gehirn betreffende Erkrankungen) wie etwa einer nichteitrigen Encephalomyelitis (Entzündung des Gehirns / Rückenmarks). Es kann vorkommen, dass das Virus auch die Granulozyten (spezielle Form der weissen Blutkörperchen (Leukozyten)) Epithelien (Zellen des Deckgewebes) befallen.
Das die Infektion vom ZNS ausgeht, zeigen sich hier typische Symptome: Das Tier sondert sich von der Herde ab und wird verhaltensauffällig, Depression, Leerkauen, starker Bewegungs- drang und Leerkauen. Im späten Stadium neigen die Tiere zum Umfallen und Festliegen.
Ein Nachweis der Infektion mit dem BD-Virus erfolgt beim lebenden Tier über einen Antikörpernachweis (Titer-Test) im Liquor (Flüssigkeit - hier: Gehirnflüssigkeit) und / oder im Serum (Blutserum). Bei toten Tieren Nachweis über Antigene direkt im Hirngewebe.
Der Körper reagiert auf das BD-Virus mit der Bildung der oben angeführten Antikörper. Diese Antikörper führen aber nicht zu einer Neutralisierung des Virus und hemmen daher nicht seine weitere Ausbreitung.
Es gibt keine Prophylaxe (Vorbeugung) gegen das BD-Virus. Ein früher eingesetzter Impfstoff ist nicht mehr zugelassen. Eine Therapie ist nicht möglich.
Eine Infektion mit dem Borna-Virus ist in Deutschland nach dem Tierseuchengesetz meldepflichtig. Betroffenen Tiere werden in der Regel getötet.
Eine Diagnose von BD ist ohne Laboruntersuchung nicht zuverlässig möglich. Viele Symptome ähneln beispielsweise Tetanus, Tollwut, Gehirntumoren oder eitriger Meningitis.
6. Borreliose
Was ist Borreliose und was tun gegen Zecken?
Bei der Borreliose handelt es sich um eine Infektion mit dem Bakterium Borrelia Burgdorferi, die sich über das Blut im ganzen Organismus des befallenen Tieres verbreiten. Sie werden von Zecken, die die Bakterien bei einem der letzten Saugakte aus dem Blut eines befallenen Organismus aufgenommen haben, beim Saugakt übertragen. Bevorzugt befallen die Zecken die feinhäutigen Körperstellen der Tiere. Hier zeigen sich dann oft die unten beschriebenen Reaktionen auf den Biss.
Die Zecken entfernt man am besten mit einer handelsüblichen Zeckenzange oder einer Pinzette. Der Kopf der Zecke muss vor dem Herausdrehen gut gequetscht werden, damit sie nicht beim Herausdrehen noch einen großen Schwall ihres das Gewebe reizenden Speichels in die Wunden fließen lässt. Die Drehrichtung ist übrigens egal, nur ziehen sollte man nicht.
Krankheitsbild:
Das Krankheitsbild der Borreliose beim Pferd klar abzugrenzen, ist derzeit noch unmöglich, da noch nicht genügend Kenntnisse zu dieser relativ neuen Krankheit beim Pferd vorliegen. Reaktionen auf die Stiche der infizierten Zecken können sein: Juckreiz, Entzündungen der Haut, Ödeme (das sind Schwellungen an Gliedmaßen oder anderen Körperstellen), Lahmheiten und Unruhe. Bei Fohlen kommt es sogar zur Anämie (= Verlust roter Blutkörperchen oder umgangssprachlich "Blutarmut") und Entwicklungsstörungen. Weiterhin kann das Immunsystem, also die körpereigene Abwehr, so stark überreagieren, dass es zu gesundheitlichen Schäden z.B. in Gefäßen oder auch zu Schockreaktionen kommt. Der gesamte Organismus wird dadurch belastet.
Da diese Reaktionen aber auch bei Zeckenbissen auftreten können, die von nicht infizierten Zecken stammen, ist dies alles kein schlüssiger Beweis für eine Borreliose Infektion. Die weiterhin bei Borreliose auftretenden Symptome wie Fieber, Appetitlosigkeit oder Lethargie sind ebenfalls kein schlüssiger Beweis, denn viele andere Erkrankungen zeigen ähnliche Symptome. Einstweilen kann man sich also bei der Behandlung nur auf Indizien und das Ergebnis diverser Bluttests (s.u.) stützen.
Diagnose
Aufgrund der vielfältigen Symptome ist eine genaue Diagnose äußerst schwierig. Es besteht die Möglichkeit das Blut auf das Vorhandensein von Antikörpern, also körpereigene Abwehrkörperchen gegen die Borreliose-Bakterien, zu testen, die eine Infektion anzeigen können. Leider bietet dieses wiederum keinen stichhaltigen Beweis. Es gibt viele Pferde die hohe Antikörper-Werte haben, aber keinerlei Symptome zeigen.
Umgekehrt gibt es viele Pferde die Symptome zeigen, obwohl die Werte völlig in Ordnung sind. Der Nachweis ist nur dann erbracht, wenn es gelingt den lebenden Erreger zu isolieren.
Behandlung
Mit hochdosiertem Antibiotika ist eine Behandlung möglich. Kombinationen aus Oxitetracylinspritzen und ins Futter gegebenem Sulfatrimethoprim, erzielen oft gute Ergebnisse. Diese Therapie sollte mindestens über einen Zeitraum von 14 Tagen erfolgen. Im Anschluss daran sollte die durch die Antibiotika-Therapie gestörte Darmflora saniert werden. Zudem kann man auch die organischen Veränderungen, die durch die Borreliose-Behandlung entstanden sind, therapieren.
Diese Therapie ist sehr umstritten, da mehr Schaden als Nutzen erfolgen kann, wenn man die Nebenwirkungen gegen die Heilung stellt. Eine Impfung steht für Pferde jedoch noch nicht zur Verfügung. Diese gibt es nur für Hunde, so dass dies der einzige Weg ist.
Prophylaxe
Man sollte das Pferd täglich nach Zecken absuchen und diese wie beschrieben entfernen. Bei geringem Befall sind Waschungen mit Mitteln gegen Parasiten möglich (fragen Sie Ihren Tierarzt). Vorbeugend kann man auch auf Vorder- u. Hinterbeine jeweils bis zum Vorderfußwurzel- bzw. Sprunggelenk mit Franz-Brantwein einreiben, das verhindert zumindest kurzzeitig, dass die Zecken aus dem Gras an den Beinen der Tiere hochkrabbeln. Es gibt auch Ganzkörper-Sprays gegen Insekten, die gering auch gegen Zecken helfen. Präparate wie für Hunde, die man auf das Tier gibt und die die Zecken abtöten, gibt es leider auch für Pferde noch nicht, da Zeckenbefall doch bei diesen Tieren ein relativ geringes Problem darstellt.
7. Botulismus
Ursache:
Die Erkrankung wird durch Toxine des Bakteriums Clostridium botulinum verursacht, dessen Sporen weltweit im Erdboden und im Darmtrakt vom Tier vorkommen. Das Botulinustoxin ist ein Nervengift und zählt zu den giftigsten Substanzen. Nach der Aufnahme des Giftes kommt es Innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen zu Vergiftungserscheinungen. Manchmal treten die typischen Symptome aber auch erst einige Wochen nach der tatsächlichen Gift-Aufnahme auf.
Keime (Giftstoffe) im Erdboden, Schlamm von Gewässern oder Futter- und Lebensmitteln, die vom Pferd mit dem Futter aufgenommen werden
Verdorbene Futtermittel, faulige Rübenschnitzel, verdorbene Silage, muffiges Heu
Tote Tiere in Silage, Verunreinigungen durch Ratten und Mäuse
Symptome:
Lähmung der Skelettmuskulatur
Sehstörung
Ataxie
Festliegen bei vollem Bewusstsein
Nervenstörungen
Atemnot (führt zum Tod durch Atemlähmung)
Unfähigkeit zur Futteraufnahme, Lähmung der Zunge (heraushängende Zunge), Zurückfließen des Futtersüber die Nase wegen Schluckbeschwerde
Lähmung der Kaumuskel, des Rachens und des Kehlkopfes
Behandlung:
Nur durch eine sehr früh eingeleitete Behandlung kann man mittels Injektion von spezifischen Antikörpern die Toxinwirkung lindern. Sobald jedoch eine Bindung des Toxins an die Nerven erfolgt ist, benötigt es fast 3 Monate, bis sie wieder völlig abgebaut sind. Das sehr kostspielige Antiserum(ca. 2500 US$ pro Dosis) ist nur in kleinen Menge verfügbar. Fälle, die weiter fortgeschritten sind, können nur noch symptomatisch undunterstützend, z.B. mit Sondenernährung, behandelt werden. Die Todesrate liegt dann aber zwischen70 und 90%
8. Bronchitis
Chronisch-obstruktive Bronchitis (COB)
Begriffsbestimmung:
Unter Chronisch-obstruktiver Bronchitis verstehen wir eine
Krankheit, bei der durch Verengung der kleinen Bronchien und
Bronchiolen und die Ablagerung zäher Schleimschichten in den
Alveolen der Gasaustausch erschwert wird und das Atemvolumen
eingeschränkt ist. Mit Fortschreiten des Krankheitsprozesses verschlechtert
sich die Sauerstoffzufuhr, und am Ende steht ein als Dämpfigkeit bezeichneter
Zustand. In diesem Stadium sind die eingetretenen Lungenveränderungen
irreparabel, eine Heilung ist unmöglich.
Ursachen:
Die chronischen Bronchitiden des Pferdes gehören zu den sog.
Domestikationskrankheiten. Bei Equiden in freier Wildbahn treten sie nicht auf.
Erst bestimmte Haltungsformen im Zusammenhang mit klimatischen Einflüssen
haben zu dieser Krankheit geführt. Ganzjähriger Stallhaltung und Heufütterung
werden eine besondere Bedeutung zuerkannt.
Auslösend wirken infektiöse, nichtinfektiöse und allergische Umweltfaktoren.
Von Einfluß soll auch die innere Reaktionslage des Organismus für die
Krankheitsentstehung sein. Neben dem Alter kann eine ererbte
Allergiebereitschaft eine Rolle spielen. Einen Beweis für vererbte Anfälligkeit
gegenüber der COB gibt es allerdings nicht. Sind Krankheitserreger an
der Entstehung der COB beteiligt, müssen sie mit der Atemluft aufgenommen
werden. Im Höchstfalle sind sie allerdings nur in den ersten
6 Wochen nach stattgefundener Infektion nachzuweisen.
Wenn die Erkrankung ein chronisches Stadium erreicht, besteht daher keine
Ansteckungsgefahr mehr. Influenzaviren sind für die Entstehung der
COB in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung. Sie besitzen eine große
Affinität zur Schleimhaut des Atemtraktes hemmen deren lokale Abwehr
und steigern die Sekretion der Schleimhautdrüsen.
Dieser Schleim ist ein idealer Nährboden für bakterielle Nachfolgeinfektionen.
Daher gilt die Virusinfektion als Vermittler bakterieller Sekundärinfektionen.
Andererseits beeinflußt sie allergisch bedingte Lungenkrankheiten,
indem sie eine erhöhte Reaktionsfähigkeit der Bronchialschleimhaut gegenüber
bestimmten allergisch wirkenden Eiweißverbindungen (Allergene) hervorrufen kann.
Asthmatische Reaktionen beruhen ebenfalls auf erhöhter Allergiebereitschaft,
die durch Reizung der Schleimhautrezeptoren mit Stäuben von Heu, Blütenstaub
(Pollen) oder Stroh, bzw. durch Kontakt mit Heupilzen oder deren
Sporen ausgelöst werden.
Daneben werden chemische, physikalische oder klimatische Reize als auslösende
Ursachen in Betracht gezogen.
Heute gibt es grundsätzlich zwei Ansichten zur Entstehung der COB.
Die erste Auffassung geht davon aus, daß das auslösende Ereignis eine Virusinfektion ist.
Sie führt im Verlaufe von 6 Wochen, kompliziert durch eine bakterielle
Sekundärinfektion, zu einer chronischen Bronchitis mit unauffälligen Symptomen.
Bei Patienten mit ungenügender Abwehrreaktion werden die an die
Bronchialschleimhaut fixierten Keime nicht vernichtet, sondern dringen
in die Schleimhaut ein und verursachen Entzündungen.
Zwei Wochen nach Infektionsbeginn sind keine Viren, und 6 Wochen
nach der bakteriellen Besiedelung keine Bakterien mehr nachzuweisen.
Durch die Entzündung wird vermehrt Schleim produziert.
Das geschädigte Flimmerepithel kann seine Funktion, den Schleim nach
außen zu fördern, nicht mehr erfüllen.
Der Schleim sammelt sich in Lungenbläschen und Bronchien,
wo er austrocknet und zähe Beläge bildet.
Da die Bronchialschleimhaut infolge Entzündung gleichzeitig geschwollen ist,
verengen sich die Luftwege derart, daß eine chronische Stenose entsteht,
die den Luftstrom behindert. Die passive Ausatmung ist nicht in der Lage,
die Bronchialeinengungen zu überwinden, so daß ein wachsen-
des Restluftvolumen in der Lunge verbleibt.
Auf nervösem Wege wird durch Reizung des Nervus vagus eine Kontraktion
der Bronchialmuskcln und damit eine zusätzliche Verengung der Bronchien erzeugt.
Die zweite Auffassung sieht in der Allergie die Ursache der COB.
Sie kann durch eine Infektion ausgelöst wurden,
wenn aus zerfallenden Bakterien und Leukozyten Eiweißsubstanzen frei
werden, die eine allergische Reaktionsbereitschaft (Sensibilisierung)
bedingen. Dann können andere Umweltantigene (Staub, Pollen, Pilzsporen)
die Allergie auslösen. Stallhaltung und ständige Staubentwicklung,
besonders in schlecht belüfteten Ställen, fördern die
Krankheitsentstehung.
Unabhängig von den Ursachen ist das Krankheitsbild durch drei Faktoren
gekennzeichnet:
- Krampf der glatten Bronchialmuskulatur.
- Entzündliche Schwellung der Bronchialschleimhaut.
- Verstärkte Schleimsekretion der Bronchialdrüsen und
Eintrocknung der Schleimmassen auf den Alveolen- und Bronchialwänden.
Während der Einatmung dehnt sich die Lunge aktiv aus, so daß die Luft trotz Verengung
des Bronchialquerschnittes einströmen kann, aber bei der passiven Ausatmung reicht die
Kraft der gedehnten elastischen Fasern der Lunge nicht aus, die Luft auszutreiben.
Es entwickelt sich ein Ventileffekt, in dessen Ergebnis sich das
Restluftvolumen in den Alveolen ständig vergrößert.
Selbst die verstärkt eingesetzte Bauchpresse vermag die Luft nicht wie-
der vollständig auszutreiben.
Die Alveolen blähen sich auf, ihre Wände werden gedehnt
und zerreißen. Die darin entlanglaufenden Blutgefäße werden zunächst in die Länge
gezogen, dadurch verkleinert sich ihr Querschnitt,
und es fließt weniger Blut durch die Lunge.
Das Herz muß gegen einen großen Widerstand
Mehrarbeit leisten. Die Gasaustauschverhältnisse sind erheblich gestört,
venöses Blut wird nur noch unvollständig mit Sauerstoff angereichert.
Dadurch vermindert sich die Sauerstoffversorgung der Gewebe
und die Leistungsfähigkeit sinkt.
Erscheinungsbild:
Neben trockenem, oft bellendem Husten, der meist anfallsweise auftritt
und morgens beobachtet wird, wenn die Pferde den Stall verlassen, wird gelegentlich
ein- oder beidseitig schleimiger bis eitriger Nasenausfluß festgestellt.
Im Verlauf der Erkrankung erhöht sich die Atemfrequenz sowohl in Ruhe als auch
bei Belastung. Die Pferde husten nun auch während der Belastungsphasen.
Die sinkende Leistungsfähigkeit ist zunehmend von Bewegungsunlust begleitet.
Mit erhöhter Atemfrequenz atmen die Pferde mehr Feuchtigkeit ab,
so daß nicht nur der Bronchialschleim eintrocknet, sondern der gesamte
Flüssigkeitshaushalt gestört ist. Da offenbar kein Durstgefühl
besteht, trinken die Pferde sehr wenig.
Der sehr stark beeinträchtigte Wasserhaushalt und die gestörte Ausscheidung von
Kohlendioxid in den Lungen führen zu massiven Verschiebungen im inneren Milieu.
Der Appetit sinkt und die Leistungsfähigkeit geht erheblich zurück.
Das Herz muß im Bereich der Lungen gegen einen erhöhten Strömungswiderstand arbeiten.
Wegen der unzureichenden Sauerstoffversorgung sinkt auch die Herzleistung.
Erhöhte Atemfrequenz, geblähte Nüstern und angestrengte Bauchatmung kennzeichnen
den fortgeschrittenen Krankheitszustand.
Bei Belastung verstärken sich sofort die Symptome.
Das Endstadium ist die Dämpfigkeit, in dem die Wände der geblähten
Alveolen zerreißen und die Atmungsfläche, an der noch ein Gaswechsel
möglich ist, immer kleiner wird. Die Lunge gleicht dann mehr und mehr einem geblähten
Ballon (Lungenemphysem). Die Lungengrenzen sind weit in Richtung Bauch verschoben.
Behandlung:
Alle Behandlungsmöglichkeiten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß
zwar eine Linderung, in der Regel aber keine vollständige Heilung erreicht werden kann.
Bei der Behandlung sollen verschiedene Therapieprinzipien kombiniert und von
Maßnahmen wie Haltungsoptimierung und Prophylaxe begleitet werden.
Nichtmedikamentelle Maßnahmen:
An erster Stelle steht die Haltungsoptimierung. In der Stalluft steigt die
Staubbelastung zur Zeit des Ausmistens und der Heufütterung auf das 100 fache
im Vergleich zur Außenluft, Daraus resultiert die Forderung nach staubarmen
Haltungsbedingungen. Das Heu sollte vorm Verfüttern gewaschen werden
oder ist durch pelletiertes Grünfutter zu ersetzen. Als Einstreu
sollte auf Stroh verzichtet werden. Hafer ist vor dem Stall zu entstäuben.
Langer Weideaufenthalt und ausreichende Belüftung
(8- bis l0maliger Luftwechsel/Stunde) sind wesentliche Voraussetzungen
für eine erfolgreiche Behandlung.
Niedrige Stalltemperaturen bei hoher Luftfeuchtigkeit bieten Krankheitskeimen
günstige Vermehrungsbedingungen und sind unbedingt zu vermeiden,
andernfalls wird ein Ortswechsel erforderlich.
Medikamentelle Behandlung: Grundsatz der
Behandlung muß es sein, schon bei leichten Verlaufsformen mit der Therapie
zu beginnen, um die Entwicklung eines chronisch-alveolären
Lungenemphysems, zu verhüten. Die Behandlung der Patienten erstreckt sich stets über
einen längeren Zeitraum. Im Anfangsstadium kann bei begründetem Verdacht einer
infektiösen Genese eine Antibiotikabehandlung eingeleitet werden.
Besteht die Krankheit allerdings schon länger als 6 Wochen, kann auf den
Antibiotikaeinsatz verzichtet werden.
Von Anfang an sollen die Behandlungsmaßnahmen die Entfernung des
Tracheobronchialsekretes erstreben. Sekretolytika und hustenauslösende Mittel werden
eingesetzt. Sie wirken schleimlösend und sekretionsfördernd.
Daneben soll der reflektorische Krampf der Bronchialmuskulatur durch Unterbrechung des
Reflexbogens aufgehoben werden. Die entzündliche Schwellung der
Bronchialschleimhaut läßt sich durch Langzeitglukokortikoide günstig beeinflussen.
Zur Lösung des eingedickten Bronchialsekretes wird heute die intravenöse Infusion einer
isotonischen Kochsalzlösung angewendet. Dabei steht die Ausscheidung großer
Flüssigkeitsmengen über das Bronchialepithel im Vordergrund der Wirkungsweise.
Sie sollen das eingedickte Sekret von den Alveolenwänden lösen und verflüssigen,
damit es leichter ausgeschieden werden kann.
Hustenauslösende Medikamente sollen die Ausscheidung über die Luftwege unterstützen.
Vorbeugen:
Wirksame vorbeugende Maßnahmen bestehen darin, den Pferden täglich möglichst
regelmäßig langen Frischluftaufenthalt zu gewähren. Physische Belastungen tragen zur
Konditionierung der Atemfunktion bei, da sie die Sekretion der Bronchialdrüsen und
die Funktion des Flimmerepithels anregen.
Im Stall ist für gute Belüftung und ein optimales Klima zu sorgen.
Unterkühlungen werden besonders durch ein ungesundes Stallklima gefördert.
Außerdem muß im Stall die Staubbelastung auf ein Minimum gesenkt werden.
Treten Hustenerkrankungen auf, sind sie unbedingt ernst zu nehmen und in jedem Fall
einer tierärztlichen Behandlung zu unterziehen.
9. Cushing-Syndrom
Das Equine Cushing Syndrom (ECS) ist eine unheilbare, sehr komplexe Erkrankung. Da die Symptome vielfältig und häufig untypisch sind, ist es oftmals schwer, zur Diagnose zu gelangen. Doch zum einen liegen mittlerweile zahlreiche Forschungsarbeiten vor, zum anderen haben sich die diagnostischen Verfahren in der Tiermedizin wesentlich verbessert.
- Heute ist erheblich mehr als noch vor einigen Jahren über das Krankheitsgeschehen bekannt.
- Bezeichnete „Cushing“ früher hauptsächlich die Tumorerkrankung der Hirnanhangdrüüse (hypophysäres Cushing Syndrom, siehe fs 9/2003, Seite 42), so differenziert man heute eine weitere Form: das periphere Cushing (Metabolisches Syndrom). Bei ihm spielt die Ernährung eine erhebliche Rolle.
- Hufrehe ist bei beiden Cushing-Formen häufig eine Folgeerkrankung.
Typische Cushing-Symptome:
- starkes Schwitzen (Hyperhidrose),
- langes, kräuseliges Fell (Hirsutismus), Fellwechsel nicht oder nur teilweise,
- Muskelschwäche, Schwund besonders im Rückenbereich,
- Müdigkeit, Leistungsabfall,
- Abmagerung trotz vermehrter Futteraufnahme,
- gesteigerter Durst und häufiges Harnabsetzen, Diabetes mellitus,
- Über- oder Untergewichtigkeit,
- typische Fettanlagerungen im Bereich von Kamm, Kruppe, Vorhaut, Euter, Auge,
- Zyklusstörungen; Unfruchtbarkeit bei Stuten,
- geschwächte Abwehrkräfte (Immunsuppression) mit häufigen Infektionen und Wundheilungsstörungen,
- Hufabszess, - lederhautentzündung, schwere Hufrehe.
Zu Beginn der Forschungen nahm man an, dass nur alte Pferde ab 20 Jahren betroffen sind. Heute weiß man, dass immer häufiger jüngere Tiere unter zwölf Jahren erkranken.
Ursache Hormonstörung: hypophysäres Cushing Syndrom (PDCD)
Das hypophysäre Cushing Syndrom entsteht als Folge einer übermäßigen Hormonbildung in der Nebenniere (Hyperadrenokortizismus). Es tritt häufiger bei älteren als bei jüngeren Pferden auf; beide Geschlechter sind betroffen.
Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu einer übermäßigen Produktion von Hormonen aus Zellen des mittleren Teils der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Diese extreme Hormonproduktion wird durch tumoröse Veränderungen des Zwischenlappens hervorgerufen. Die Folge ist ein stark erhöhter Spiegel an Peptidhormonen (Adreno-Corticotrope Hormone/ACTH, ß-Endorphine, Pro- Opiomelanocortin) im Organismus. Diese hormonelle Imbalance hat Einfluss auf mehrere Organsysteme des Körpers: Daher sind viele verschiedene Cushing-Symptome möglich.
Ernährungsbedingte Auslöser: peripheres Cushing Syndrom
Aktuelle Studien besagen, dass auch metabolische (veränderliche) Störungen (Metabolisches Syndrom) Vorstufen und/oder Auslöser des so genannten peripheren Cushing Syndroms sein können.
Beispiel: Pferde, die über Jahre hinweg übermäßig Kohlenhydrate in Form von Zuckern, Stärke und Fruktanen bekommen haben, geraten in eine anormale Stoffwechsellage. Die häufigste Ursache: zu viel Kraftfutter oder Gras.
Es kommt zu Symptomen wie bei Diabetes mellitus, Insulinresistenz (siehe unten) und Glukoseintoleranz (Traubenzuckerunverträglichkeit). Fettleibige Pferde unterliegen einem höheren Erkrankungsrisiko als Tiere in optimaler Körperkondition.
Risiko Übergewicht:
Wenn das Pferd über einen längeren Zeitraum mehr Glukose und Stärke aufnimmt, als es für seinen jeweiligen Bedarf benötigt, wird die überschüssige Energie als Fett gespeichert.
Das Bauchfettgewebe wird durch die Wirkung des speziellen Enzyms 11-ß aktiv. Dieses wandelt Kortison in Kortisol um. Der erhöhte Kortisolspiegel wirkt dem pankreatischen Insulin (das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird) entgegen und ruft
Zu viel Kortisol: Insulinresistenz
Kortisol verringert zudem die Aufnahme zirkulierender Blutglukose durch die Skelettmuskelzellen. Dadurch wird das Muskelgewebe letztlich geschädigt. Das ist ein Grund, warum Hufrehe-Pferde häufig als Ausdruck der Zellschädigung eine leicht erhöhte Konzentration des Muskelenzyms Creatinkinase (CK) im Blut aufweisen (Dr. Eustace, unveröffentlichtes Datenmaterial).
Eine weitere Folge des hohen Blutglukosespiegels ist eine Anreicherung von Sauerstoffverbindungen mit anschließender Gefäßverengung.
... begünstigt das periphere Cushing Syndrom
Neueste Forschungsergebnisse sehen für Insulinresistenz folgende Ursache: eine Veranlagung (genetische Disposition) mancher Pferde in Kombination mit Haltungs- und Fütterungsfehlern (extreme Getreidezufuhr zusammen mit Bewegungsmangel).
Fettleibige Ponys und Esel haben eine angeborene Veranlagung für eine Insulinresistenz. Sie wird durch Stress, Erkrankungen, erhöhtes körpereigenes (endogenes) Kortisol und Fehlernährung noch weiter gefördert. Einige Pferderassen (wie American Saddlebred, Spanische Mustangs, Warmblüter und Morgan Pferde) gelten ebenso dafür als anfällig (genetisch prädisponiert).
Appetitzügler Insulin:
Im Normalfall verringert Insulin (Hormon der Bauchspeicheldrüse) die Blutglukose. Es unterdrückt im Gehirn den Appetit und hemmt so auf natürliche Weise die Entwicklung der Fettleibigkeit. Bei einer Insulinresistenz ist die hemmende Wirkung des Insulins insbesondere im Muskel- und Fettgewebe verringert oder aufgehoben: Es kommt zur Mobilisierung der Fettdepots und Verfettung.
Nachweis im Blut:
Forschungen belegen, dass es einen (neuronalen) Mechanismus gibt, der Signale zwischen dem metabolisch aktiven Fettgewebe (Bildung von Kortisol) und dem Gehirn überträgt. Es wird angenommen, dass eine Insulinresistenz zu Glukoseintoleranz führt und sich daraus das periphere Equine Cushing Syndrom, Hufrehe, Herz-Kreislaufstörungen und Artherosklerosen entwickeln können. Diesen Risiken unterliegt jedes über Jahre falsch gefütterte Pferd.
Außerdem besteht ein Zusammenhang zwischen der Kortisonzufuhr und Insulinresistenz: Es kommt zu einer Verengung der Blutgefäße, dadurch zu Minderdurchblutungen und Blutgerinnungen in den Kapillaren der Huflederhaut. Die gefürchtete Hufrehe resultiert daraus.
Glukoseintoleranz: Blutzucker wird zu wenig abgebaut :
Ebenso wie Insulinresistenz wird auch Glukoseintoleranz als mögliche Ursache des peripheren Cushing Syndroms angesehen.
Die Glukosetoleranz gibt die Leistungsfähigkeit der ß-Zellen der Bauchspeicheldrüse zur Sekretion von Insulin und die Ausstattung mit Insulinrezeptoren an. Die Normalisierung der Blutglukose hängt auch von der Verarbeitungskapazität der Leber, der Fett- und anderer Gewebe ab.
Der so genannte Glukose-Toleranzfaktor unterstützt die Verwertung der Glukose und die Bildung von Fettsäuren in der Leber.
Bei Glukoseintoleranz und Mangel an Glukose-Toleranzfaktor wird die Blutglukose nicht ausreichend abgebaut. Auch dieser Zustand begünstigt das periphere Cushing Syndrom.
Neben Tumoren kommen auch Cushing-Erkrankungen durch die Gabe von falschen oder überdosierten Arzneimitteln (etwa ACTH/spezielle Hormon- Präparate) vor.
Eindeutige Diagnose durch Blutuntersuchung:
Da die klinischen Symptome bei Cushing nicht immer klar zu erkennen sind, kann die Diagnose für den Tierarzt schwierig sein. Oft zeigen Pferde nicht alle klassischen Symptome, manchmal nur einzelne sehr schwach.
Die aktuellen Testverfahren bestimmen in erster Linie ACTH (Adrenocoticotropes Hormon) und Kortisol im Blut des Pferdes.
Der Kortisol-Test beruht auf einem negativen Rückkopplungseffekt durch die Gabe bestimmter Glukokortikoide (Dexamathason). Dies reduziert die Ausschüttung von ACTH und dadurch auch den endogenen Kortisolspiegel. Im Falle einer Überfunktion der Nebennierenrinde (bei Cushing Syndrom) fällt diese Unterdrückung weg: Es kommt zu einem Anstieg des Kortisolspiegels.
Test mit Kortison: nicht bei Hufrehe!
Bei diesem Testverfahren muss man unbedingt bedenken, dass Dexamethason ein Kortisonpräparat ist und nach einmaliger Gabe eine Hufrehe auslösen kann. Das heißt: Pferde mit einer akuten oder chronischen Rehe oder einer gestörten Stoffwechselsituation sollten keinen Dexamethasontest erhalten. Sonst besteht die Gefahr einer Reheauslösung oder Verschlimmerung der Symptome.
Wichtig: Der Tierarzt muss den Pferdebesitzer vor jeder Verabreichung von Kortisonpräparaten aufklären.
Kein Rehe-Risiko: reiner Bluttest:
Risikolos ist die Messung des körpereigenen (endogenen) ACTH im Blut. Weiterhin sollten der Glukose- und Insulinspiegel bestimmt werden. Das Speziallabor wertet alle Parameter zusammen aus.
Bei Ponys ist auch die Bestimmung der Triglyzeride im Hinblick auf eine Fettstoffwechselstörung (die wiederum Cushing auslösen kann) wichtig.
Hufrehe plus Cushing:
Untersuchungen ergaben, dass Hufrehepferde mit den typischen anormalen Fettdepots, aber ohne gelocktes Fell zu zeigen, sehr wahrscheinlich auch am peripheren Cushing-Syndrom leiden.
Bei der Behandlung des Equinen Cushing Syndroms muss zwischen dem hypophysären (PDCD) und dem peripheren Cushing unterschieden werden.
Therapie des hypophysären Cushing Syndroms:
PDCD-Patienten sollten so früh wie möglich therapiert werden - bevor sie Hufrehe entwickeln. Denn bei Cushing-Pferden schlagen die gängigen Rehe-Therapien oft nicht an.
Beim Pferd lassen sich die verursachenden Tumore in der Hirnanhangdrüse nicht operativ entfernen. Daher ist jede Therapie symptomatisch: mit Medikamenten wie Pergolid (Permax), Cyproheptadine (Nuran), Melatonin und mit Weißlichttherapie.
Nebenwirkungen abwägen:
Die Arzneimitteltherapie mit den beschriebenen Präparaten war und ist relativ teuer und mit Nebenwirkungen verbunden. Manche Pferde reagieren mit Kreislaufstörungen und Kolik auf Pergolid, so dass auf Alternativen ausgewichen werden muss. Studien haben gezeigt, dass ein Extrakt aus der Mönchspfeffer-Pflanze (Vitex Agnus Castus, als „Hormonise“ im Handel) verträglich angewendet werden kann. Ergänzend oder als Alleinmittel lindert es die Cushing-Symptome.
Verbesserung durch Licht-Therapie:
Da auch die Tageslichtlänge Einfluss auf die Erkrankung hat, kann eine Licht-Therapie positiv wirken: Dazu wird eine Weißlicht- Quecksilberdampf Lampe (500 Watt) über dem Pferd angebracht. Abends (mit Intervallsteigerung nach der Sonnenwende von täglich zwei auf acht Stunden) spendet sie zusätzliches Licht. Dies ersetzt allerdings keine Medikamente.
Zusätzlich kann Aminoglutethimid (Aromatasehemmer gegen Kortisol-Aussschüttung) gegeben werden.
Therapie des peripheren Cushing Syndroms:
Derzeit gibt es wenige wirksame Medikamente für die Behandlung des peripheren Cushing Syndroms. Man kann versuchen, mit Metformin zu behandeln (ein Antidiabetikum, das die intrazelluläre Empfindlichkeit für Insulin erhöht). Es soll jedoch schon in therapeutischer Dosis schwere Nebenwirkungen für das Pferd bewirken.
Trilostan (ein Hemmer der 3 Hydroxysteroid-Dehydrogenase) reduziert relativ sicher die Kortisolkonzentration (McGowan & Neiger, 2003), wirkt aber nicht selektiv und hat Nebenwirkungen.
Grundlegend: richtige Ernährung
Pferde benötigen für eine physiologische Verdauung ausreichend Rohfaser und Strukturstoffe. Zur Vermeidung vieler ernährungsbedingter Erkrankungen beim Pferd (Hufrehe, Fettleibigkeit, Metabolisches/Peripheres Cushing-Syndrom) müssen wir grundsätzlich unsere heutige Fütterungstechnik überdenken. Hauptsächlich mangelt es an zweierlei:
- der optimalen Anpassung von Futtermenge und Energiezufuhr an die Bewegung des Tieres,
- an der Auswahl geeigneter Futtermittel passend zum jeweiligen Konditions- und Gesundheitszustand. Dabei kommt es weniger auf die Mengen als auf die Qualität und Bioverfügbarkeit der Nährstoffe an.
Jedes Pferd sollte regelmäßig gewogen oder einer Gewichtschätzung unterzogen werden (zum Beispiel mittels Gewichtsmaßband).
Die optimale Ration errechnen:
Ein wichtiges Hilfsmittel für die optimale Ration gefährdeter Pferde ist die individuelle computergestützte Berechnung: Sie sollte eine Liste von Futtermitteln ergeben, die für den Bedarf des jeweiligen Pferdes an verdaulicher Energie, Protein, Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen in seiner Kondition sinnvoll sind (Fütterungsempfehlungen mit genauen Mengenangaben). Um die Versorgung genau an die Arbeit anzupassen, wird sowohl eine Stehfutter- als auch eine Trainingsfuttervariante errechnet.
Vorab durchgeführte Blutuntersuchungen auf etwaige Stoffwechselstörungen können dabei sehr hilfreich sein.
Ein Cushing-Pferd muss immer kohlenhydratarm und rohfaserreich ernährt werden.
Die Spurenelemente Chrom, Vanadium und Zink spielen eine wichtige Rolle. Der beschriebene überhöhte Glukosegehalt im Blut muss wieder normalisiert werden. Dabei hilft der so genannte Glukosetoleranzfaktor, der als zentrales Element Chrom beinhaltet. Eine spezielle Kombination der wichtigsten Nährstoffe enthält zum Beispiel das Ergänzungsfuttermittel Formula4Feet.
10.Dämpfigkeit
Ursache:
Ursächlich für die Dämpfigkeit ist meist eine Lungenentzündung oder eine andere verschlepte Krankheit der Atemwege. Immer mehr Lungenbläschen verlieren ihre Kontraktionsfähigkeit und füllen sich mit Flüssigkeit.
Symptome:
schwerer unregelmäßiger Atem bei bereits wenig Beanspruchung
Husten
Dampfrinne (Einkerbung des Leibes zwischen Bauchmuskel und Rippenbogen)
Verminderung der Leistungsfähigkeit
Behandlung:
Eine vollständige Heilung ist nach dem heutigen Stand der Medizin noch nicht möglich. Mit Langzeitpräparaten kann den Symptomen allerdings entgegengewirkt werden. Darüber hinaus sollten Faktoren, die die Lunge belasten könnten, vermieden werden. So empfielt es sich, Pferde in Offenstall oder Paddock-Boxen unterzubringen, um die Pferde so in erster Linie an der frischen Luft zu halten. Die Einstreu sollte staubfrei sein, das Heu u.U. gewässert. Die Arbeit sollte den Möglichkeiten des Pferdes angepasst werden.
11. Druse
ALLGEMEINE INFORMATION:
Die Druse ist eine hoch ansteckende Erkrankung der oberen Atemwege des Pferdes.
Verursacht wird sie durch eine Infektion mit Bakterien (Streptococcus equi). Am häufigsten
tritt sie bei jüngeren Pferden auf, aber auch Erwachsene können erkranken. Die
Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt 3-14 Tage.
KLINISCHE ANZEICHEN:
Zuerst kommt es zu hohem Fieber (bis 41°C). Weiter treten Apathie, Inappetenz und
klarer Nasenausfluss, der mit der Zeit eitrig wird, auf. Auch kann es zu feuchtem Husten
und Schluckbeschwerden kommen. Die Kopflymphknoten (Kehlgangslymphknoten,
Speicheldrüsenlymphknoten) schwellen an und bilden Abszesse (Eiterherde). In einigen
Fällen kommt es zu Schwellungen in der Ganaschengegend, die mit Atemnot einhergehen
können. Ein bis zwei Wochen nach den ersten klinischen Anzeichen brechen die
Lymphknoten auf und der Eiter entleert sich nach aussen oder in den Luftsack. In diesem
Stadium der Erkrankung kommt es zu einer deutlichen klinischen Besserung der
Symptome und das Fieber sinkt.
KOMPLIKATIONEN:
Etwa bei 10-20 % der betroffenen Pferde kommt es zu Komplikationen im Heilungsverlauf.
Selten folgt eine Streuung der Krankheitserreger in andere Organe des Körpers, in
denen sich dann Abszesse bilden, wie z.B. in der Leber, der Milz, der Niere, dem Gehirn
und den Darmlymphknoten. Eine gefährliche Komplikation ist das sogenannte Petechial-
fieber. Dabei handelt es sich um eine Reaktion des Immunsystems auf Bestandteile
der Bakterien. Es kommt zu punktuellen Blutungen, geschwollenem Kopf und Schwellungen
mit feuchter Sekretion an den Beinen. Eine weitere Komplikation ist die chronische
Luftsackvereiterung, die auch ohne klinische Symptome ablaufen kann.
DIAGNOSE:
Die Diagnose der Krankheit wird aufgrund der klinischen Symptome als Verdachtsdiagnose
gestellt. Eventuell ist eine Endoskopie der Luftsäcke nötig. Der bakteriologische
Nachweis der Krankheitserreger aus Eiter ist beweisend, aber nicht immer erfolgreich.
MANAGEMENT IM BETRIEB:
Jegliche Bewegungen von Pferden aus dem Betrieb heraus oder in diesen hinein müssen
sofort unterbunden werden. An Druse erkrankte Pferde dürfen während der Erkrankung
und mindestens bis 6 Wochen nach Ausheilung der Erkrankung nicht an Turnieren
teilnehmen oder Kontakt mit anderen Pferden haben. Ebenso sollten andere
Pferde auf dem Gelände eines betroffenen Betriebes auf Krankheitszeichen hin überDr.
med.vet. Risch D. Cantieni, 9473 Gams: Informationen zur Druse des Pferdes Seite 2 von 2
wacht werden. Tägliches Temperaturmessen und Isolation von Tieren anderer Betriebe
sollten beachtet werden. Die konsequente Einhaltung von Hygieneregeln ist sehr wichtig
für die Eindämmung der Krankheit. Der Eiter infizierter Pferde ist die grösste Ansteckungsquelle.
Die Ansteckung kann direkt von Pferd zu Pferd durch Übertragung kleinster
Eiterpartikel erfolgen, aber auch indirekt über Gegenstände wie Wassereimer, Mistgabeln,
Schubkarren, Putzzeug, Futterkübel etc., die gemeinsam für infizierte wie gesunde
Pferde gebraucht werden. Auch die Schuhe/Stiefel und die Kleidung des Pflegepersonals
kommen als Ursache einer Übertragung in Frage. Erkrankte Pferde sollten
isoliert werden und ihre Pflege sollte entweder von einer Person durchgeführt werden,
die keinen Kontakt zu anderen Pferden hat, oder nach der Pflege der gesunden Pferde
stattfinden. Zur Pflege der erkrankten Pferde sollte Schutzkleidung und separates
Schuhwerk getragen werden. Nach Kontakt mit infizierten Pferden, sollten Kleider und
Schuhe gewechselt und die Hände gründlich gewaschen werden. Die Bakterien bleiben
in feuchter, dunkler Umgebung lange infektiös. Daher sollten für erkrankte Pferde benutzte
Gegenstände erst wieder für andere Pferde gebraucht werden, nachdem sie
chemisch desinfiziert worden sind. Ebenso sollten die Pferdeställe vor erneuter Einstallung
chemisch desinfiziert werden. Da auch klinisch gesunde bzw. geheilte Pferde die
Krankheit übertragen können, müssen an Druse erkrankte Pferde auch nach Ihrer Genesung
als potentielle Ansteckungsquelle angesehen und entsprechend behandelt werden.
Die Bakterien sind zum Teil noch über Monate nach der Krankheit nachweisbar.
Die Identifizierung solch klinisch unauffälliger Bakterienträger ist sehr schwierig. Wenn
3 Tupferproben, die im Abstand von 3 Wochen aus der Nase entnommen werden negativ
sind, kann mit 90%iger Sicherheit gesagt werden, dass das untersuchte Pferd kein
Bakterienträger ist.
BEHANDLUNG:
Normalerweise ist die einzig nötige Behandlung von an Druse erkrankten Pferden die
isolierte Haltung der Pferde in trockener, warmer Umgebung bei strikter Boxenruhe.
Die Fütterung von Mash ist vorteilhaft, da dieses leicht abgeschluckt werden kann.
Abszesse sollten durch Wärme zum Reifen gebracht werden. Nach dem Aufbrechen der
Abszesse können diese mit einer Jodlösung gespült werden. Unterstützend können entzündungshemmende
und fiebersenkende Medikamente eingesetzt werden, vor allem
dann, wenn es den Tieren sehr schlecht geht. Erst zu diesem Zeitpunkt ist auch die
Verabreichung von Antibiotika gerechtfertigt.
12.Einschuß (Phlegmone)
Verursacht durch eiterbildende Bakterien, die durch kleine, oft nicht erkennbare Verletzungen unter die Haut gelangen. In der Folge treten entzündliche Schwellungen auf, das Gewebe wird zerstört, es bilden sich eitrige Stellen, die langwierige Wundprozesse nach sich ziehen können. Der Eiter kann sogar in Blutgefäße oder Gelenke eindringen und dadurch schwerwiegende Folgen verursachen.
Anzeichen:
Plötzlich auftretende warme Schwellung an den Beinen, die sich schnell vergrößert, dann heiß und schmerzhaft wird. Lahmheit des Beines (das sich nicht mehr beugen läßt), ansteigende Körpertemperatur und Futterverweigerung.
Gegenmaßnahmen:
Pferd ruhigstellen,Temperatur prüfen.Nach Verletzung an den betroffen Gliedmaßen, oder in der Haut suchen .Tierarzt sofort benachrichtigen, bis zu seinem Eintreffen das betroffene Bein intensiv mit kaltem Wasser kühlen.Säubern und ein Rivernol Verband anlegen .Tetanusschutz überprüfen!
13. Fohlenlähme
Auch bekannt als Frühlähme, sleepy foal disease, viscosum-equi-Infektion, tritt meist in den ersten Stunden oder Tagen des neugeborenen Fohlens auf, bei meist tödlichen Verlauf. Der und/oder die Erreger werden meist schon von der Mutterstute auf den Fetus übertragen oder finden bei und/oder kurz nach der Geburt des Fohlens Zugang zu dessen Körper. Regelmäßig dürften unzureichende Immunisierung sowie mangelhafte Stallhygiene in der Abfohlbox die Ursache für Fohlenlähme sein.
Als Verursacher der Fohlenlähme gelten heute actinobacillus equuli, actinobacillus suis aber auch Streptokokken, Staphylokokken, Klebsiellen u.a., sowie eine Koalition aus diesen Erregern.
Steht das neugeborene Fohlen nicht binnen einer Stunde, spätestens nach zwei Stunden auf seinen Beinen und saugt die Kolostralmilch (Biestmilch), die es mit den Antigenen der Mutter versorgt, bleibt es stattdessen liegen und macht einen matten, müden Eindruck und hat offensichtlich nicht die geringste Lust nach dem Euter zu suchen, dann besteht Alarmstufe eins, weil das Fohlen ohne jegliche Immunisierung durch die Antigene seiner Mutter dem Frontalangriff der Erreger völlig wehrlos ausgeliefert ist. Jetzt besteht der dringende Verdacht auf Fohlenlähme. Soll das Fohlen gerettet werden, ist das schnellstmögliche Hinzuziehen des Tierarztes dringenst geboten!!!
Der Tierarzt kann jedoch nur Erfolg haben, wenn er schnellstens gerufen wird. Der Kampf gegen die Fohlenlähme ist vor allem eine Kampf gegen die Uhr!!!
14. Gallen
Viele Pferde haben sie. Einige leben problemlos mit ihnen und andere erleben durch sie eine Einschränkung im Bewegungsablauf. Die Rede ist von einer Galle, einer verstärkten Ansammlung von Gelenksflüssigkeit in einem Gelenk, einer Sehnenscheide oder einem Schleimbeutel, die sich durch eine unschöne Beule bemerkbar macht.
Im Normalfall produziert jedes Gelenk Gelenkschmiere um das reibungsfreie Funktionieren des Gelenks zu gewährleisten. Pferde die jedoch unter Gallen leiden produzieren schlicht und ergreifend zu viel Gelenkschmiere.
Solange die Gallen weich sind, also lediglich Gelenkflüssigkeit enthält, kann eine Galle beim Pferd als Schönheitsfehler eingeordnet werden, durch das es in seiner Motorik nicht weiter gestört wird. Weiche Gallen sind gewöhnlich auch leicht verschiebbar. Allerdings besteht immer die Gefahr dass sich aus einer weichen Galle eine harte Galle entwickelt. Dies geschieht genau dann, wenn die die Gelenkschleimhaut permanent gereizt wird und sich zum eigenen Schutz verdickt, indem sie zusätzliches Gewebe bildet. Diese harten Gallen können nicht nur zu Entzündungen der Gelenkränder führen, sie können das Pferd in seiner Bewegungsfreiheit auch stark einschränken. Aus diesem Grund müssen die weichen Gallen eines Pferdes stets genau beobachtet werden, damit die Entstehung einer harten Galle vermieden werden kann.
Wo können Gallen beim Pferd auftreten?
Die meisten Pferde, die unter Gallen leiden weisen sie an den Beinen, zumeist im Bereich des Fesselgelenks, auf. Auch sind die Hinterbeine wesentlich häufiger betroffen als die Vorderbeine des Pferdes. Befindet sich eine Galle am Sprunggelenk, so bezeichnet der Veterinärmediziner diese Galle als Kreuzgalle. Die Piephacke ist eine Gallenvariante die auf dem Fersenhöcker des Pferdes auftritt.
Wie entstehen Gallen beim Pferd?
Vielmehr muss man sich fragen, warum das Pferd übermäßig viel Gelenkschmiere produziert, denn diese ist verantwortlich für die Entwicklung einer Galle.
Heutzutage vermutet man dass mehrere Faktoren für die Entstehung von Gallen beim Pferd verantwortlich sein können.
Eine permanente Überanstrengung des Pferdes kann genauso Auslösefaktor sein, wie das permanente Reiten auf zu tiefem oder auch zu hartem Boden. In beiden Fällen versucht der Körper des Pferdes diese auszugleichen indem er verstärkt Gelenkschmiere produziert. Aber auch äußere Einwirkungen wie der
Tritt gegen die Boxenwand, eine Rauferei auf der Wiese oder zu enge Bandagen oder Gamaschen können Gallen begünstigen.
Behandlung von Gallen:
Ob eine Galle behandelt werden muss oder nicht hängt davon ab ob sie das Pferd gesundheitlich beeinträchtigt, oder ob sie lediglich einen Schönheitsfehler darstellt. Beobachtet werden müssen weiche Gallen aber auf jeden Fall.
Stellt man Gallen beim Pferd fest, so kann im Anfangsstadium die Behandlung mit Durchblutungsfördernden Salben dabei helfen die Galle zu reduzieren. Der Tierarzt kann eine Galle allerdings auch punktieren. So läuft nicht nur die überflüssige Gelenkschmiere ab, sondern der Arzt kann zeitgleich medikamentös behandeln.
Grundsätzlich ist es immer wichtig die Ursache für die Galle zu lokalisieren und zu bekämpfen. Andernfalls kann der Tierarzt die Galle zwar punktieren, ist der Entstehungsgrund jedoch nicht gefunden, so ist mit einer erneuten Füllung der Galle zu rechnen.
15. Gelenkserkrankungen
Sie wünschen sich nichts mehr, als dass Ihr Pferd ein Leben lang gesund und aktiv bleibt. Egal ob Sie ein junges oder älteres Pferd haben, ein Pferd für den Freizeit- oder den Leistungssport – was für Sie und Ihr Pferd zählt, ist die Freude an der Bewegung. Ob beim freien Bewegen auf der Weide oder beim Reiten – die Lebensfreude Ihres Pferdes steckt an und hält Ihr Pferd und Sie fit. Damit das möglichst lange so bleibt, braucht das Lauftier „ Pferd “ vor allem einen rundum gesunden Bewegungsapparat.
A.) Lahmheiten bei Pferden: Einführung in die Diagnose von Lahmheiten.
Was ist Lahmheit?
Eine Abnormalität der Gangart, welche durch Schmerz und / oder Bewegungseinschränkung verursacht wird.
Die häufigsten Ursachen von Lahmheit
Die Grundprozesse, welche Erkrankungen auslösen, sind:
- degenerative, entwicklungsbeeinflussende
- allergische, autoimmune
- stoffwechselbedingte, mechanische
- neoplastische (Tumor), ernährungsbedingte
- infektiöse, entzündliche, das Immunsystem betreffende, niedrigen Blutfluss bringende, von Menschen herbeigeführte, unbekannte
- traumatische oder toxische Prozesse.
Die häufigsten Ursachen von Lahmheit fallen in diese Kategorien
Degenerative, z.B. degenerative Gelenkerkrankungen (DJD, oder Osteoarthritis)
Entwicklungsbedingte, z.B. Osteochondrosis (OCD), Physitis (Epiphysitis)
Stoffwechselbedingte, z.B. Hufrehe (Zerbrechen), anstrengungsbedingte Rhabdomyolysis (angebunden sein)
Mechanische, z.B. Überlastung einer Struktur, entweder plötzlich und massiv oder wiederholt am Rande (Abnutzung)
Infektiöse, z.B. Fuß Abszess, infizierte Wunde, Cellulitis, Gelenkerkrankung
Entzündliche - meist eine wichtige Komponente für viele Lahmheiten
Traumatische, z.B. Verletzung (externes Trauma)
Den Ort des Problems identifizieren.
Welches Bein
Beobachtung ist der Schlüssel zur Identifikation des lahmenden Beines:
- anormale Haltung, z.B. die Zehe zeigen, ein Bein mehr als das andere Ausruhen, abgesetzte Fessel
- anormale Bewegungen - Kopfnicken (Vorderbein-Lahmheit), Hüftwandern (Hinterbein-Lahmheit)
- reduzierter Bogen des Fußaufsetzens - oft als Versteifung oder Widerwillen angesehen, die Gliedmaßen normal zu beugen
- verkürztes Schreiten, längenverkürzte Schwing-Phase des Schreitens
- anormale Fußhaltung, z.B. mit der Zehe zuerst aufsetzen, um die Ferse zu schonen
- die Gangart des Pferdes bewerten:
- auf einer glatten, ebenen Oberfläche
- beim Gehen und Traben
- in einer gerade Linie und im Kreis (geführt, longiert oder in einem runden Stall)
- stellen Sie sicher, dass das Pferd an einer lockeren Leine oder Longierleine läuft
- beobachten Sie das Pferd beim Laufen in beide Richtungen im Kreis
- von der Seite, von vorn und von hinten
- auf verschiedenen Oberflächen, z.B. harte und weiche Oberflächen
- denken Sie daran, dass es Probleme in mehr als einem Bein haben kann
Die Ursache ergründen: Grundfertigkeiten
Um die genaue Problemzone zu lokalisieren, benötigen Sie nur Ihre Augen und Ihre Hände.
Drei Fertigkeiten sind gefragt: Beobachtung, Abtasten und Manipulation.
Beobachtung:
Beurteilen Sie die Symmetrie zwischen den linken und den rechten Beinen sowie zwischen den Innenseiten und Außenseiten des normalerweise symmetrischen Körperbaus. Wenn Asymmetrie vorhanden ist: wird sie durch Vergrößerung, z.B. Schwellung, oder Verkleinerung von Gewebemasse verursacht?
Abtasten:
Erfühlen Sie Hitze, Schwellungen, Schmerz und Veränderungen in Spannkraft und Beschaffenheit des Gewebes. Charakterisieren Sie eventuelle Schwellungen als hart, fest, weich oder flüssigkeitsgefüllt.
Manipulation:
Bewegen Sie das Bein oder das Gewebe so, wie es normalerweise bewegt werden würde. Stellen Sie fest, ob Schmerz, ein veränderter Bewegungsumfang (verkürzt oder erweitert) und / oder Krepitation, ein knirschendes, knackendes Geräusch, vorhanden ist.
Benutzen Sie diese Fertigkeiten, um die fünf grundlegenden Anzeichen einer Entzündung zu identifizieren:
- Schmerz
- Hitze
- Schwellung
- Rötung
- Funktionalitätsverlust
- Bestimmte Gebiete genauer untersuchen.
Passen Sie Ihre Untersuchung der zu überprüfenden Struktur an:
Der Fuß - die häufigste Stelle von Lahmheit
Beobachtung - Symmetrie der Hufwand; Integrität der Hufwand (Risse, Ausbuchtungen, etc.) und Sohlenfläche (Beschädigungen, Fremdobjekte, etc.); Absonderungen, Verfärbungen oder Gerüche; Hufeisen und Hufnägel.
Abtasten - Kronbein Band (Schmerz, Schwellungen, Vertiefungen); Sohlen; Puls mit dem Finger prüfen (an der Fessel). Manipulation - Bewegen Sie die Beine unabhängig voneinander; klopfen Sie die Hufwandfläche ab; benutzen Sie die Hufuntersuchungszange, wenn Sie eine zur Hand haben.
Gelenke:
Beobachtung - Schwellung, Position (Winkel)
Abtasten - Art der Schwellung, Hitze, Schmerz.
Manipulation - Beugen und Strecken des Gelenkes, auf Schmerz und veränderte Motorik achten.
Knochen:
Beobachtung - Schwellung
Abtasten - Art der Schwellung, Hitze, Schmerz.
Manipulation - Schmerz, Instabilität, knirschende, knackende Geräusche.
Sehnen und Bänder:
Beobachtung - Schwellung
Abtasten - Schwellung (eine leichte Schwellung kann manchmal für das Auge nicht sichtbar sein), Ort der Schwellung (in oder um sie herum?), Hitze, Schmerz, Änderung in der Spannkraft und Beschaffenheit des Gewebes. Betasten Sie, wenn möglich, auch die Seiten, an denen die Sehnen und Bänder am Knochen befestigt sind.
Manipulation - Schmerz, Instabilität des dazugehörigen Gelenkes.
Muskeln:
Beobachtung - Schwellungen oder Atrophie (Verkümmerung von Muskelmasse)
Abtasten - Schmerz, Änderung in der Spannkraft und Beschaffenheit des Gewebes, knirschende oder knackende Geräusche, Hitze oder Kälte. Manipulation - Schmerz, eingeschränkter Bewegungsumfang in den zugehörigen Gelenken.
Nacken und Rücken:
Der Nacken und der Rücken bestehen aus einer komplexen Anordnung von Knochen,
Gelenken, Bändern und Muskeln.
Beobachtung - Symmetrie, Körperhaltung, Kontur
Abtasten - Art von Schwellungen, Schmerz, Änderung in der Muskelspannkraft und
Beschaffenheit des Gewebes.
Manipulation - Schmerz, Widerwillen gegen Beugung oder Streckung,
eingeschränkter Bewegungsumfang.
Andere mögliche Ursachen von Lahmheit:
- die Haut
- das Nervensystem (Gehirn, Rückenmark, Nerven)
- Zaumzeug und insbesondere der Sattel
- der Reiter (Zaumzeug)
Interpretation Ihrer Feststellungen:
1. Die Schmerzempfindung muss wiederholbar sein, um Gültigkeit zu besitzen:
- wenn Sie die betreffende Stelle wiederholt überprüfen, sollten Sie jedes Mal die gleiche oder stärkere Reaktion bei Abtasten oder Manipulation erhalten.
- die Schmerzreaktion kann gering sein, z.B. Anspannung, Kopfbewegung, um Sie anzuschauen, sich von Ihrer Hand fortbewegen, - aber wenn sie wiederholbar ist, ist sie wahrscheinlich von Bedeutung.
2. Vorausgesetzt, das andere Bein ist normal, benutzen Sie es als Vergleich, wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Feststellungen von Bedeutung sind.
3. Die meisten Lahmheiten finden sich in oder am Knie oder Sprunggelenk.
4. Eine spezifische Diagnose ist oft nicht möglich ohne tierärztliche Untersuchung und Röntgenaufnahmen.
Tierärztliche Untersuchung:
Veterinäre benutzen die folgenden Methoden, um Lahmheit und ihre Ursache
festzustellen:
Physische Untersuchung (Beobachtung, Abtasten, Manipulation)
Bewertung der Gangart
Elastizitätstest des Gelenkes
Diagnostische Anästhesie
- örtliche Nerven- und Gelenkblockaden Diagnostische Bilddarstellung
- die gewählte Methode hängt von der Vermutung des Veterinärs ab
- Röntgenaufnahmen - Knochen und Gelenke
- Ultrasonographie - Weichteilprobleme, wie Sehnen- und Bänderverletzungen sowie Gelenkoberflächen
- Thermographie - Körperoberflächentemperatur bildlich dargestellt, um Entzündungen (erhöhte Temperatur) oder reduzierte Blutbewegung (niedrigere Temperatur) zu erkennen
- nukleare Szintigraphie (Ultraschallaufnahme des Knochens) - Erkennen von Weichteilentzündungen und von Knochen oder Gelenkproblemen
- Computer-Tomographie (CT) - jedes Gewebe, jedoch meistens für Knochenprobleme genutzt
- Magnetische Resonanz Tomographie (MRT) - meist Weichteilgewebe und Gelenkoberflächen
- Therapeutische Tests - vermutete Diagnose aufgrund der Reaktion auf die Behandlung
Die Gelenke der Pferde:
Ein Sportpferd und seine Gelenke sind selbst bei (selten vorhandenen) vollkommenem Körperbau der täglichen Abnutzung ausgesetzt, die Knochenteile oder Gelenke zerstört. Die Gelenke des Pferdes sind konzipiert, um Stöße effektiv aufzufangen, reibungslose Bewegung zu ermöglichen und effektiv das Gewicht des Körpers von 550 bis 650 oder mehr Kilo zu tragen.
Die Tierheilkunde hat die medizinischen und chirurgischen Hilfsmittel für die Wiederherstellung der Pferdegelenke geliefert, aber es wird immer die Beschränkung geben, damit Arbeiten zu müssen, was noch vorhanden ist.
In diesem Artikel über Gelenke und die Kräfte, die sie beschädigen und zerstören, untersuchen wir die Arten der Gelenke, damit wir die Terminologie und die Anatomie verstehen. Zunächst betrachten wir die Kräfte, die bei verschiedenen Formen von Wettbewerben entstehen, und Diagnosen. Schließlich betrachten wir die Behandlung.
Arten der Gelenke:
Es gibt drei unterschiedliche Typen oder Klassifikationen von Gelenken: faserartige, knorpelige und synoviale.
Faserartige Gelenke (Gelenkkapsel mit Fibrosa) werden am seltensten von Krankheiten geplagt, weil sie ziemlich unbeweglich sind. Diese Gelenke sind z.B. im Schädel enthalten und zwischen den Schäften einiger längerer Knochen.
Knorpelige Gelenke neigen nicht sehr dazu, zu erkranken, weil auch sie einen begrenzten Bewegungsumfang besitzen. Dies sind die Gelenke des Beckens und der Wirbelsäule sowie Epiphysenfugenknorpel, welche die Länge eines Knochens während der Wachstumsjahre des Pferdes ausdehnen.
Damit sind wir bei den Synovial-Gelenken, die am häufigsten Krankheit und Verletzung erleiden, weil sie die aktivsten Gelenke im Körper des Pferdes sind. Sie bestehen aus zwei Knochenenden, die durch Gelenkknorpel umfasst werden. Dieser Knorpel ist bei richtiger Schmierung so glatt und elastisch, dass er die reibungslose Bewegung der Gelenke ermöglicht.
Selbstverständlich gibt es nicht einfach nur zwei Knochen, die mit glattem, elastischem Material bedeckt sind. Es wird etwas benötigt, das beide zusammenhält und schmiert. Das Gelenk erhält seine Stabilität durch eine Gelenkkapsel mit Fibrosa, die an den Knochen angebracht ist, und durch Gelenkbänder. Die Gelenkbänder sitzen beidseitig der meisten Gelenke. Sie sind Schlüsselbestandteile der Fußknöchel-, Karpal-, Ellenbogen-, Sprung- und Kniegelenke.
Andere Bänder innerhalb der Gelenke, wie das Kreuzband im Kniegelenk, helfen, einige Gelenke zu stabilisieren.
Bänder außerhalb der Gelenkkapsel geben zusätzliche Unterstützung. Ein gutes Beispiel sind die Gleichbeinbänder und Unterstützungsbänder, die zusammen mit den Gleichbeinen den Aufhängeapparat bilden und das Fesselgelenk in der richtigen Position halten.
Ein großer Feind des gesunden Gelenkes ist Reibung. Was ist erforderlich, um Reibung zu verhindern? Schmierung. Und woher kommt diese Schmierung innerhalb eines Gelenkes? Die Gelenkkapsel enthält eine Innenauskleidung, die als Synovial-Membrane bezeichnet wird. Dieses Futter sondert die Gelenkschmiere ab, welches das Gelenk ernährt. Ein Schlüsselbestandteil in dieser Flüssigkeit ist Hyaluronsäure, auch unter Natriumhyaluronat oder Hyaluronan bekannt, das die Synovial-Membrane ernährt. Eine andere Substanz in der Gelenkschmiere, ein Protein, das Lubricin genannt wird, ist das Primärschmiermittel des Knorpels. In einigen Fällen der Gelenkerkrankung findet eine Entleerung dieser notwendigen Flüssigkeit statt.
Synovial-Gelenke:
Für einen kurzen Überblick über die Synovial-Gelenke beginnen wir mit den Vordergliedmaßen. Die Vordergliedmaßen des Pferdes tragen 60-65% des Gewichts des Tieres und werden folglich größeren Erschütterungseffekten als die hinteren Beine unterworfen, wenn sich ein Pferd schnell bewegt. Der große Druck kann sich auf die hinteren Gliedmaßen verschieben, z.B. beim amerikanischer Rodeo.
Das Vorderfußwurzelgelenk besteht aus drei Hauptgelenken und zahlreichen Knorpeln, die alles an seinem korrekten Platz halten, wenn alle gut funktionieren. Es gibt normalerweise sieben einzelne Knochen im Knie, die in zwei Reihen angeordnet sind.
Das Vorderfußwurzelgelenk steht auf dem Röhrbein oder dritter Mittelhandwurzel, die auf beiden Seiten durch die Griffelbeine eingerahmt werden, welche die zweiten und vierten Mittelhandwurzel sind. Auf der Spitze der Struktur liegt der Radius. Korrekte Übereinstimmung ist notwendig für dieses Gelenk, um auf seiner Spitze zu funktionieren und intakt zu bleiben.
Stellen Sie sich den Druck vor, der auf dieser komplizierten Struktur lastet, wenn das Pferd vorn über das Knie oder zurückgebeugt ist. Eine nicht perfekte Übereinstimmung übt sogar beim Laufen übermäßigen Druck auf die Gelenke aus. Der Druck wird stark vergrößert, wenn ein Pferd mit schlechter Konstellation schnell rennt, athletische Übungen durchführt oder Sprünge absolviert.
Das untere Ende des Röhrbeines schließt an den langen Fesselknochen (auch bekannt als die erste Phalanx oder P1) am Fesselgelenk an. Einer der wesentlichen Aufgaben des Fesselgelenkes ist, Stöße aufzunehmen. Danach kommt das Gelenk, mit welchem der lange Fesselknochen an den kurzen Fesselknochen (Kronbein) anschließt (zweite Phalanx oder P2). Dieses ist die Krongelenk, das ebenfalls als Stoßdämpfer wirkt.
Dann folgt das Hufgelenk, das aus den zweiten und dritten Phalanges (P3 ist auch bekannt als das Hufbein) und dem Strahlbein besteht. Dieses Gelenk besitzt eine große Elastizität und Bewegung und stoßdämpfende Eigenschaften.
Andere wesentliche Bestandteile der vorderen Gliedmaßen sind die Schulter- und Ellenbogengelenke. Bis sie jedoch von einer Erschütterung erreicht werden, sind deren Wirkungen sehr effektiv über die anderen Gelenke verstreut worden, so dass die Schulter- und Ellenbogengelenke nicht sehr anfällig für Verletzungen durch Erschütterungen und andere Krankheiten sind.
Die zwei wesentlichen Synovial-Gelenke in den hinteren Gliedmaßen, die sich zu denen in den vorderen Gliedmaßen unterscheiden, sind die Sprung- und Kniegelenke. Das Sprunggelenk oder Fußwurzelgelenk verbindet das Schienbein mit dem Mittelfußknochen. Das Sprunggelenk des Pferdes ist seinem Vorderfußwurzelgelenk ähnlich, da es aus einer Anzahl von Knochen besteht. Es gibt vier verschiedene Gelenke im Sprunggelenk, wobei nur das obere für eine bedeutende Bewegung sorgt. Wie das Kniegelenk wird auch das Sprunggelenk durch eine komplizierte Anordnung von Knorpeln zusammengehalten.
Die anderen Gelenke vom Sprunggelenk abwärts (z.B. Fessel- und Hufgelenk) funktionieren ähnlich zu denen der Vordergliedmaßen. Aufwärtsbewegend vom Sprunggelenk kommen wir zum Kniegelenk, welches das größte Synovial-Gelenk des Pferdes ist und dem menschlichen Knie gleicht. Anders als beim menschlichen Knie gibt es jedoch drei verschiedene Gelenkteile.
Über dem Kniegelenk befindet sich das Hüftgelenk, bei welchem die Gelenkpfanne den Gelenkkopf weit umgreift und mit Hilfe starker Gelenkbänder besonders stabilisiert wird. Das obere Ende des Oberschenkelknochens passt hier in eine Gelenkpfanne des Beckenknochens.
Jedes Gelenk wird durch ein kompliziertes Netz an Sehnen, Bändern und Muskeln stabilisiert. In gutem Zustand ermöglicht dieses komplexe Netz einem Gelenk, auf eine harmonische, synchronisierte Art und Weise zu arbeiten. Wenn jedoch ein Teil des Netzes wegen einer Verletzung oder Krankheit gestört wird, kann eine ärztliche Behandlung notwendig werden.
Ursachen von Gelenkproblemen:
Pferde haben Gelenkprobleme, weil wir sie oft animieren, Dinge zu tun, für die sie nicht geschaffen wurden Nachdem es domestiziert wurde, begann der Mensch Wettbewerbe für das Pferd zu entwickeln, welche seine Gelenke unter starken Druck setzen. Denken Sie nur beispielsweise an die Erschütterungskräfte auf die Vorderbeingelenke, wenn ein 600 Kilo schweres Pferd über hohes Hindernis springt und auf seinen Vorderbeinen landet.
Dressur scheint in Bezug auf die Ausübung von Druck auf die Gelenke ein ziemlich milder Wettbewerb zu sein, aber das ist nicht wahr. Das fortgeschrittene Dressurpferd muss seine Schwerkraft nach hinten verlagern und setzt damit die Hinterbeine unter starken Druck. Einige der Seitwärtsbewegungen verursachen starken Gelenkdruck insbesondere auf das Sprunggelenk. Zu den Arten der Krankheiten und Verletzungen, denen Dressurpferde ausgesetzt sind, gehören degenerative Gelenkkrankheiten der Sprunggelenke, Entzündung und degenerative Gelenkkrankheiten der vorderen Fessel, Entzündung des Vorderfußwurzelgelenkes und degenerative Gelenkkrankheiten und Entzündung des Fesselgelenkes.
Viele Show-Pferde tendieren auch dazu, ihre Schwerkraft nach hinten zu verlagern, und so einen stärkeren Druck auf die Hinterbeine, insbesondere das Sprung- und Fesselgelenk, auszuüben. Das Ziel mit einigen dieser Showpferde ist es, mit großer "Voraus-Action" zu reiten. Dies trifft insbesondere auf das Tennessee Walking Pferd im Wettkampf zu. Pferde, die ein größeres Gewicht nach hinten verlagern, sind anfällig für Verletzungen und Krankheiten des Sprunggelenkes, der hinteren Fessel und des Knies.
Das Springpferd erfährt einen großen Druck auf die Hinterbeingelenke beim Abspringen und auf die gesamte vordere Knochenstruktur bei der Landung. Hinzu kommt, dass das Springpferd oft einen Sprung absolvieren muss, und dann eine scharfe Wendung vollführt, um sich für einen weiteren aufzustellen. Die Sprunggelenke werden dabei sehr stark beansprucht. Manchmal führt diese Beanspruchung der Gelenkbänder des Sprungpferdes zu Entzündungen und Lahmheit.
Westernpferde werden in Wettkämpfen ebenfalls unter Druck gesetzt. Es gibt eine starke Drehbewegung in den hinteren Gelenken, wenn ein Cutting-Pferd sein Hinterteil nach unten senkt und sich im Bruchteil einer Sekunde herumdreht, um die Bewegung des Kalbes vor der Beschleunigung anzuhalten, indem es das Kalb von der Herde fernzuhalten versucht. Einige Cutting-Pferde sind anfällig für Verletzungen und Krankheiten die Sprunggelenke und Kniegelenke betreffend. Das Reining-Pferd muss eine Arena mit hoher Geschwindigkeit durchqueren, plötzlich anhalten und sich im Kreis drehen, wobei das Hinterteil auf einem Platz verbleiben muss. Dies sorgt für eine starke Drehbewegung in den Hinterbeinen, besonders in den Sprunggelenken. Und so tauchen Probleme auf.
Wenn Gelenke traumatisiert werden, dann werden Enzyme und andere Wirkstoffe von der Gelenk-Innenauskleidung abgesetzt, die das Zellgewebe im Gelenk zerstören, insbesondere Gelenkknorpel, welche die Gelenkoberfläche des Knochens bedecken. Das Ergebnis ist traumatische Arthritis.
Traumatische Arthritis, wurde als die mannigfaltige Anhäufung pathologischer und klinischer Zustände definiert, welche nach einzelnen oder wiederholten Zwischenfällen ein Trauma entwickeln. Zu den Komponenten der traumatischen Arthritis können die Entzündung der Gelenk-Innenauskleidung wie z.B. Synovitis (Entzündung der Synovial-Membrane) und Capsulitis (Entzündung der faserartigen Gelenkknorpel) zählen; aber auch die Verletzung der Stützbänder des Gelenkes oder Frakturen der Knochen im Gelenk.
Die Traumatische Arthritis erscheint in drei Formen
Typ 1: Synovitis und Capsulitis ohne Störung des Gelenkknorpels oder Zerreißen größerer Stützbänder. Dazu gehören die akute Synovitis, Capsulitis und die meisten Verstauchungen.
Typ 2: Er entsteht durch ein Zerreiß-Trauma, welches den Gelenkknorpel beschädigt oder es werden größere Stützbänder komplett zerrissen. Dazu gehören ernste Verstauchungen, innere Gelenkfrakturen und Meniskus-Risse. Der Meniskus ist ein Knorpel, der zwischen der gewichttragenden Oberfläche des Gelenkes liegt.
Typ 3: Eine posttraumatische degenerative Gelenkerkrankung entsteht, wenn es einen bleibenden Schaden nach einem ersten Trauma gibt. Dieser Typ der traumatischen Arthritis kann zu Deformation, eingeschränkter Bewegungsfähigkeit oder Gelenkinstabilität führen.
Gelenkerkrankungen und damit verbundene Lahmheiten sind heute die häufigsten athletischen Verletzungen bei Sportpferden.Der pathologische Effekt eines Gelenktraumas verursacht Synovitis und Capsulitis, welche wiederum dem Gelenkknorpel physisch und biochemisch Schaden zufügt.
Synovitis und Capsulitis verursachen die Freigabe der Enzyme Metalloproteinase und Aggrecanase, Prostaglandins, freier Radikale sowie Interleukin-1. Die daraus resultierende Gewebeentzündung verursacht Schmerzen, Blutergüsse und reduzierten Bewegungsumfang.
Bei einigen Pferden entsteht eine Gelenkverletzung und Erkrankung erst nach Jahren voller Stress und Druck auf die Gelenke. Dies wären Pferde mit perfektem Körperbau, deren Gelenke stark und gefestigt genug sind, Wettbewerbstraumata über längere Zeit zu überstehen, bevor sie schwächer werden. Andere Pferde können Gelenkverletzungen und Erkrankungen schon nach nur einem traumatischen Ereignis erleiden. Dies können Pferde mit kleinen Anomalien im Körperbau sein, die sie für Probleme anfälliger machen.
Behandlung von Gelenkerkrankungen:
Eine der erfolgreichsten Methoden bei der Behandlung von Gelenkerkrankungen, ist die Intra-Gelenk-Medikation, der direkten Verabreichung von Medikamenten in das Gelenk. Wenn dies korrekt durchgeführt wird, ist die Gelenkinjektion eine sichere Methode der Behandlung von Gelenkerkrankungen.
Das heißt nicht, daß andere Methoden wie intravenöse und intramuskuläre Injektionen nicht benutzt werden. Sie können mit Gelenkinjektionen kombiniert werden.
Zu den Medikamenten, die am meisten zur Behandlung nicht-infektiöser Gelenkerkrankungen genommen werden, , gehören Polysulfat Glycosaminoglycan (PSGAG), Natriumhyaluronat und Kortikosteroide.
Glycosaminoglycan (PSGAG) kann entweder ins Gelenk oder intramuskulär injiziert werden.. Gelenkinjektionen wöchentlich über drei bis fünf Wochen. Intramuskulär aller drei bis fünf Tage über mindestens vier Wochen.
Die PSGAG können Elemente im Gelenk bekämpfen, welche die Entzündung verursachen. Untersuchungen haben ergeben, dass PSGAG die Produktion der natürlichen Hyaluronsäure anregen.
Es gibt Vor- und Nachteile zur Behandlung mit PSGAG. Die Vorteile sind, entzündungshemmende Eigenschaften und der Schutz der Knochenenden. Diese Effekte prädestinieren dieses Medikament zur Behandlung der Typen 2 und 3 der traumatischen Arthritis mit Beschädigung des Gelenkknorpels.
Zu den Nachteilen gehört das Risiko von Reaktionen im Gelenk, wenn man nicht auch Antibiotika verabreicht. Die Antibiotika werden zur selben Zeit per Gelenkinjektion verabreicht werden. Ein anderer Nachteil der PSGAG sind die Kosten. Ein Pferd auf der empfohlenen therapeutischen Ebene zu behandeln, kann in "beträchtlichen Kosten für den Eigentümer" enden. Hyaluronsäure (HA) ist das Neueste unter den entzündungshemmenden Medikamenten, welche zur Behandlung des Pferdegelenkes benutzt werden. Diese Gruppe von Therapeutika, geben der Synovial-Membrane eine wesentliche Schmierung (Lubrikation), da sie für die Zerstreuung von 50% der Reibung im Gelenk verantwortlich ist. Hyaluronsäure neutralisiert Metalloproteina, Prostaglandin E2 (welches Bestandteil von mehreren Entzündungsprozessen einschließlich der Schmerzempfindung ist), und freie Radikale.
Eine synthetische Form der Hyaluronsäure wurde entwickelt, die intravenös oder in das Gelenk verabreicht werden kann. Wenn sie intravenös verabreicht wird, besitzt sie eine entzündungshemmende Wirkung auf die Synovial Membrane des traumatisierten Gelenkes und sie hat den Vorteil, dass der Tierarzt die Möglichkeit hat, mehrere Gelenke mit einer einzigen Injektion zu behandeln. Intravenöse Hyaluronsäure wird wöchentlich mit drei bis vier Injektionen verabreicht, wobei normalerweise die Anzahl der Injektionen zur Erhaltung des Zustandes sinkt.
Die Injektion von Hyaluronsäure in das Gelenk kann in zwei bis drei Wochen in Abhängigkeit von der Schwere der Gelenkentzündung wiederholt werden. Anschließend werden Injektionen zur Erhaltung des Zustandes der Gelenke mit degenerativer Arthritis wiederholt. Viele Tierärzte beginnen damit, die Hyaluronsäure in das Gelenk zu injizieren und später zwei bis drei Wochen lang intravenöse Injektionen zu verabreichen. Die intravenöse Form der HA kann dann zur Erhaltung des Zustandes aller zwei Wochen, monatlich oder vor größeren Wettkämpfen erfolgen.
Es sollte angemerkt werden, dass HA nur bei milder bis moderater Synovitis effektiv wirkt, und dass daher Kortikosteroide oftmals in Verbindung mit HA genutzt werden. Das Medikament stellte sich als sicher heraus, mit nur wenigen Nebenwirkungen oder Reaktionen auf die Injektionen.
Einige Zeit lang waren Kortikosteroide schlecht angesehen. Viele dachten, daß man, wenn man ein Gelenk mit Kortikosteroid behandelt, dem Gelenk die sichere Todesstrafe ausspricht. Ja, es würde fast sofort die Entzündung reduzieren, aber langfristig solch schädigende Wirkungen haben, dass das Pferd als Krüppel enden kann.
Forschungen der CSU fochten diese Theorie an, und einige Kortikosteroide wurden wieder als Teil der Behandlung bei Gelenkerkrankungen eingesetzt.
Weitere Behandlungsmethoden sind Therapien und Konditionsprogramme, um die Gelenke langsam an Druck zu gewöhnen anstatt von der Ruhephase direkt zum normalen Training überzugehen. Phenylbutazon, Eis und Therapie mit kaltem Wasser werden bei Gelenkproblemen oft angewendet, bevor Pferdebesitzer zum Tierarzt gehen.
Nutraceuticals und andere orale Ergänzungen werden allgemein benutzt, aber weil sie weit weniger als Injektionen in das Gelenk erforscht sind, ist es schwer, Schlußfolgerungen aus ihnen zu ziehen.
Schlußfolgerung:
Die Schlußfolgerung für Pferdebesitzer ist, daß alle Arten von Wettkämpfen ihren Tribut von den Gelenken der Pferde fordern, und dass es in der Verantwortung des Eigentümers liegt, ständig auf die Gesundheit des Pferdes zu achten. Wenn die Beobachtung ergibt, daß sich Gelenkprobleme ankündigen, sollte sofort ein Tierarzt konsultiert werden. Und wenn schon eine Gelenkerkrankung vorhanden ist, obliegt es dem Pferdebesitzer, eine geeignete Therapie verabreichen zu lassen, um das Problem zu beheben.
16. Gleichbeinentzündung
Die Gleichbeinlahmheit ist im allgemeinen auf tiefem Boden deutlicher zu erkennen. Aber auch bei Trabverstärkungen und engen Wendungen wird die Lahmheit besonders deutlich erkennbar. Gleichbeinerkrankungen treten häufig an den Vorderbeinen, kommen allerdings vor allem bei Dressurpferden auch an den Hinterbeinen vor. Röntgenologisch sind Gleichbeinerkrankungen an unscharf begrenzten Rändern, unscharf abgegrenzten Blutgefäßen und blasser, poröser Knochenstruktur erkennbar. Der eigentliche Schmerz tritt dann durch den Reibepunkt zwischen der rauhen Gleichbeinfläche und der tiefen Beugesehne auf. Die Beugesehnenscheide befindet sich direkt in diesem sensiblen Bereich und kann sekundär erkranken. Unter Umständen kann es auch zu Reibepunkten im Bereich zwischen Gleichbein und Röhrbein kommen. Allgemein ist häufig überbelastung Ursache für Gleichbeinlahmheit. Auch falsche Aufzucht kann zu Gleichbeinschwäche führen. Bei dieser Erkrankung ist die regelmäßige Korrektur vor allem des Zehenwachstums zu beachten. Weiterhin ist offensichtlich, dass übergewichtige Pferde unverhältnismäßig häufig an den Gleichbeinen erkranken. Artgerechte Aufzucht, Korrektur von Fehlstellungen am Huf, Vermeiden von überbelastung sind sehr wichtig, um diese Krankheit gar nicht erst entstehen zu lassen.
17. Herpes
Wie der Mensch, so kann auch das Pferd vom Herpesvirus betroffen sein. Ungefähr 80% aller Pferde tragen den Herpeserreger in sich, bei den meisten Pferden kommt er jedoch nie zum Ausbruch. Erst in besonderen Situationen, wie beispielsweise in Stresssituationen, kann der Virus zum Ausbruch gelangen und damit auch verbreitet werden.
Insgesamt gibt es beim Pferd vier Herpessubtypen. Wirklich bedeutsam sind jedoch nur die Herpestypen EHV 1 und EHV 4, gegen die auch geimpft werden kann. Zwar zerstört die Impfung nicht die Herpesviren, sie verhindert bzw. minimiert aber, den Ausbruch der Krankheit, indem die Infektionskette unterbrochen wird. Ist ein Pferd jedoch einmal Träger des Herpes Virus, so besteht rein theoretisch jederzeit die Gefahr eines erneuten Krankheitsausbruchs. Übertragen werden kann das Virus durch Tröpfchen, also durch direkten Kontakt der Pferde untereinander, aber auch durch Faktoren wie gemeinsam benutztes Putzzeug oder Futtereimer.
Symptome einer Herpesinfektion:
Kommt es zum Ausbruch einer Herpesinfektion, so können die EHV 1 und 4 Viren eine Entzündung der Atemwege (Rhinopneumonitis) beim Pferd hervorrufen. Das EHV 1 Virus kann zusätzlich dazu aber auch zum Abort von trächtigen Stuten beitragen. Ebenfalls typisch sind Koordinationsstörungen des Pferdes mit begleitendem Fieber.
Diagnostik:
Um Herpes beim Pferd sicher feststellen zu können, bedarf es einer Blutuntersuchung, die im Abstand von zwei Wochen wiederholt werden muss. Ist in der zweiten Blutprobe ein Anstieg der Antikörper zu verzeichnen, so kann aus diesem Resultat auf Herpes geschlossen werden.
Behandlung von Herpes:
Die Behandlung erfolgt in Abhängigkeit von den aufgetretenen Krankheitssymptomen. Bei Entzündungen der Atemwege greift man beispielsweise auf entzündungshemmende und schleimlösende Medikamente zurück.
Maßnahmen gegen die Verbreitung des Herpes Virus:
Lassen Sie ihr Pferd gegen Herpes impfen
Als Stallbesitzer achten Sie darauf, dass alle Einsteller ein gegen den Herpesvirus geimpftes Pferd haben
Erkrankte Pferde müssen isoliert werden, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern
Die pflegende Person sollte keinen Kontakt zu anderen Pferden haben, bevor Schutzkleidung entfernt wurde und die Hände gründlich gewaschen wurden
Stallbesitzer müssen den Stall während einer Infektion schließen. Das bedeutet, fremde Pferde dürfen nicht in den Stall und die eigenen Pferde dürfen den Stall nicht verlassen
18. Headshaking
Vornehmlich im Frühjahr und den Sommermonaten werden Tierärzten Pferde vorgestellt, die praktisch unreitbar sind, da sie unter dem Reiter permanent mit dem Kopf schlagen Eine stetige Anlehnung an das Gebiß ist nicht erreichbar, die Pferde konzentrieren sich nicht auf die Arbeit. Den Reiter kann dies schier zur Verzweiflung bringen.
Eine neue Erkrankung ist dies nicht. Literaturquellen gehen zurück bis auf das Jahr 1809. Damals wurde das Martingal als das einzig wirksame Mittel empfohlen.
Die Symptome sind charakteristisch:
Plötzliches reflexartiges Auf- und Abschlagen des Kopfes, manche Pferde schütteln auch den Kopf
Niesen oder Schnauben, als würde ein Fremdkörper in der Nase stecken
Reiben der Nase an den Beinen, als wollten die Pferde etwas von den Nüstern abwischen
Saisonales Auftreten in den Frühjahrs- und Sommermonaten mit zunehmender Tageslichtlänge
Vermehrte Symptome bei grellem Sonnenlicht und Wärme
Zunahme bei Arbeit und Streß
Überempfindlichkeit bei Pollenflug und vielen Insekten in der Luft
Versuche direktes Sonnenlicht zu vermeiden, sofern die Möglichkeit besteht
Problem:
Bislang war dieses Problem meist unlösbar, da weder diagnostisch noch therapeutisch ein brauchbarer Ansatz zu finden war. Die Pferde wurden diagnostisch auf den Kopf gestellt ohne daß eine schlüssige Ursache für das Kopfschütteln gefunden werden konnte. Die Frustration war bei Reitern und Tierärzten gleichermaßen groß. Die Tierarztkosten nach Untersuchung aller Möglichen Ursachen oft nicht unbeträchtlich.
Zu den vermuteten Erkrankungen gehörten:
Ohrmilben
Pilzinfektionen des Luftsackes
Erkrankungen der Kopfnerven
Mittelohrentzündungen
Gefäßstörungen in den Nasengängen
Frei bewegliche Traubenkörner an der Iris des Auges
Gebißfehler
Fehlerhaftes Zaumzeug
Fehler des Reiters bzw. eine ungeschickte Hand
Wir haben aber auch als Ursache eine Absprengfraktur mit Vernarbungen am 2. Halswirbel, Genickbeulen, die mehr oder weniger gut darstellbar waren (Talpa), eine Granne im Ohr und störende Wolfszähne gefunden.
Wenn man allen Krankheitsursachen nachgehen will, muß man eine recht aufwendige Untersuchung des Pferdes vornehmen. Idealer weise werden folgende speziellen Untersuchungen durchgeführt:
Gehörgang otoskopisch
Augen
Kiefergelenk röntgenologisch
Gebiß
Luftsack endoskopisch
Nasengänge endoskopisch
Schädel röntgenologisch in Narkose
Anästhesie des N. infraorbitalis
Keine der obigen Erkrankungen kann von seltenen Ausnahmefällen abgesehen wirklich nachgewiesen werden.
Forscher der Universität Davis in Kalifornien haben nun in den letzten Jahren eine neue und wohl für die meisten Fälle zutreffende Ursache herausgefunden. Nach den gegenwärtigen Ergebnissen zu schließen, handelt es sich um eine Erkrankung vergleichbar einer Licht bedingten Reizung der Nase beim Menschen
Vermutlich haben die Pferde ein juckendes Gefühl in der Nase, das sie durch das Kopfschütteln und Abwischen der Nüstern beseitigen wollen. Was die Pferde wirklich empfinden ist schwer nachzuvollziehen. Ob es sich um einen schmerzhaften Zustand handelt oder die Nase nur juckt, kann man nicht feststellen. Sicher scheint zu sein, daß eine Fehlsensation bzw. Fehlempfindung des Trigeminus Nerven wahrgenommen wird. Der Trigeminus Nerv versorgt unter anderem die Nüstern und den Nasengang mit sensorischen Fasern. Eine Zunahme der Durchblutung der Nasengänge scheint die Fehlsensation zu verstärken. Die Reizschwelle für äußere Stimuli ist deutlich herabgesetzt. Reize, die normalerweise toleriert oder gar nicht wahrgenommen werden, lösen bei den betroffenen Pferden wesentlich stärkere Reaktionen aus.
Da das Kopfschütteln wie gesagt mit der Exposition gegenüber Licht zusammenhängt, haben es die Forscher in den USA "photoic headshaking" benannt.
Warum aber erkranken manche Pferde an dieser Krankheit. Auch wenn bislang nichts wirklich geklärt ist, scheint einiges darauf hinzudeuten, daß Herpesinfektionen mit EHV -1 Viren ursächlich beteiligt sind. Charakteristisch für Herpesinfektionen ist die Persistenz der Erreger. Die Herpesviren verstecken sich in den Nervenzellen vor der Immunabwehr des Körpers. Man spekuliert nun, daß bei Streß und / oder zunehmender Wärme durch Arbeit oder Umgebungstemperatur diese Viren Aktivität entfalten und im Gehirn zu einer vermehrten Reizbarkeit führen. Sonst ganz normale Reize werden jetzt wesentlich stärker wahrgenommen. Zusätzlich spielt Melantonin, das von der Hirnanhangdrüse tageslichtabhängig produziert wird, für das saisonale Auftreten eine Rolle. Die Hirnanhangdrüse ist für saisonale Zyklen verantwortlich und somit ein übergeordnetes Steuerorgan.
Lösung:
Gibt es jetzt eine Lösung, nachdem man die Ursache kennt? Ja, die gibt es, wenn auch nur für etwa drei viertel der betroffenen Pferde.
Medikamentelle Therapie mit Cyproheptadine
Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung
Reiten in den Morgen- bzw. Abendstunden
Während der Tageszeit Unterbringung in abgedunkeltem Stall
Verwendung dunkel eingefärbter Kontaktlinsen für Pferde
Licht reduzierende Kopfmasken
So ganz einfach ist das Ganze aber nicht. Zum einen ist Cyproheptadine weder als Fertigarzneimittel erhältlich noch ist es offiziell als Medikament für Pferde zugelassen. Tierärzte haben lediglich die Möglichkeit für jeden Einzelfall in Apotheken, die die Rohsubstanz verarbeiten, gegen Rezept das Medikament anfertigen zu lassen.Ein Problem bei der Gabe von Cyproheptadine ist in der Eingewöhnungszeit die erhöhte Neigung zu Krampfkoliken. Wir raten daher die Dosis über die ersten 2 Wochen langsam auf die notwendige Tagesdosis zu erhöhen, um den Organismus langsam an das Medikament zu gewöhnen.
Der Wirkungsmechanismus von Cyproheptadine beruht auf seiner Einwirkung auf Botenstoffe im Gehirn (anticholinerge, antiserotonin und antihistamin Wirkung) wobei die Aktivität des Trigeminus Nerven gedämpft wird. Durch die Dämpfung der Aktivität nimmt die Überempfindlichkeit ab.
Die Exposition gegenüber der direkten Sonneneinstrahlung kann man durch mehrere Maßnahmen einschränken, ist aber eben auch problematisch. Der Nachteil der Kontaktlinsen ist deren Preis und das Handling. Turniere kann man nicht auf die Abendstunden beschränken und das Abdunkeln des Stalles ist auch nicht immer praktikabel.
Inzwischen benutzen wir mit ganz gutem Erfolg Augenmasken die aus einem speziellem Gewebe gefertigt sind, die die Lichteinstrahlung stark reduzieren, die Sicht aber dennoch nicht behindern. Auf der Weide und zum Reiten zu Hause funktioniert das sehr gut, auf dem Turnier ist das natürlich problematisch.
Cyproheptadine erhalten sie über Ihren Tierarzt.
Wenn es sich nicht um photosensitives Kopfschütteln handelt, kommt am ehesten als Ursache eine Innenohrentzündung in Frage. Wenn diese länger anhält, entsteht eine Arthrose am Gelenk des Zungenbeines.
Die Folgen einer Innenohrentzündung sind nur durch eine röntgenologische Untersuchung feststellbar. Diese muß in Narkose durchgeführt werden, da die Lagerung für die Aufnahme sonst vom Pferd nicht toleriert wird und die Aufnahmen von sehr guter Qualität sein müssen.
Therapeutisch kann versucht werden, den infektiösen Prozeß über eine 30 tägige Gabe von Antibiotika (Trimetoprim-Sulfonamid) in Kombination mit Butazolidin zur Eindämmung der Entzündung zu bekämpfen. Wenn das nicht hilft, gibt es auch noch die Möglichkeit operativ vorzugehen und ein Segment des Zungenbeines zu entfernen.
Ich möchte aber nochmals betonen, daß die Innenohrentzündung sehr selten ist.
Bei Genickbeulen (Talpa) ist die Therapie meist sehr unbefriedigend da schwer behandelbar. Es handelt sich hier um äußerlich mehr oder weniger sichtbare erworbene Schleimbeutel, die im Genickbereich Druck verursachen, was bei manchen Pferden mit Kopfschütteln quittiert wird. Die Behandlung erfolgt nach röntgenologischer und Ultraschalluntersuchung entsprechend den Befunden durch Punktion oder einen operativen Eingriff.
Bei einer großen Zahl der Kopfschüttler dürfte jedoch eine Überempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht die Ursache sein.
19. Hufabszess
Der Hufabszess ist eine Eiteransammlung in der Lederhaut. Er entsteht aus meist kleinen infektiösen Lederhautentzündungen. Es müssen also Bakterien im Spiel sein. Sind nur oberflächliche Teile der Lederhaut betroffen, ist der Eiter meist dünnflüssig und durch Einschmelzen pigmentierter Zellen eventuell schwarz gefärbt. Bei Beteiligung tieferer Schichten ist das Sekret meist dickflüssiger und gelber. Je älter der Abszess ist, desto mehr geht die Farbe des Eiters ins bräunliche (Mahlzeit).
Entstehung:
Eindringen von Bakterien durch kleine Hornrisse und -Spalten
Infizierte Lederhautverletzungen wie Nageltritt, Kronentritt, fälschlich geschnittene Steingallen.
Eventuell auch Einschwemmung von Bakterien mit dem Blut.
Es ist also klar, dass schlechte Hornqualität Hufabszesse begünstigt. Diese wiederum ist abhängig von
Jahreszeit (schlechter im und nach dem Haarwechsel)
Veranlagung
Fütterung (Vitamine!)
Haltung und Pflege (Bewegung, Einstreu, Hufpflege)
Symptome:
Diese sind nicht immer so offensichtlich und so vollständig vorhanden, wie im Lehrbuch beschrieben. Deshalb werden sie im Folgenden kurz kommentiert.
Lahmheit:
Mittel- bis hochgradig. Setzt eigenartigerweise fast immer ganz plötzlich ein. Auffußung je nach Lage des Abszesses verändert.
Die Lahmheit kann auch nur gering gradig sein. Tiefliegende Abszesse schmerzen eventuell erst nach dem Ausschneiden, wenn sie näher an der Oberfläche sind. Da der Friese aber erst nach dem Beschlagen vorgetrabt wird, kann der Hufabszess mit einer Vernagelung verwechselt werden.
Druckschmerz - Zangenprobe positiv
Leider auch nicht immer! Oft erst nach Abnehmen des Eisens, deshalb ist diese Entscheidung bei einer Lahmheit oft schwer zu treffen. Da die Zangenprobe von den Druckverhältnissen im Huf abhängig ist, ändert sie sich teilweise mit dem Schneiden bei der Abszesssuche. Es muss also ständig vorsichtig nachgeprüft werden. Dies hat außerdem den Vorteil, dass man vielleicht mit der Zange etwas Eiter herausdrückt und so den Abszess besser findet. Manchmal erreicht man dies auch, wenn man den Friesen mit dem erkrankten Huf treten lässt (falls möglich, den gegenseitigen Huf kurz aufheben).
Wärme
Auch dieses Symptom kann fehlen, wenn zum Zeitpunkt der Abszessbildung die eigentliche Entzündung schon abgeklungen ist.
Das Pferd geht meist erst bei Druckanstieg durch Eiterbildung lahm!
Pulsation der Fußarterie
Fast immer vorhanden, aber leider auch bei allen anderen Entzündungsprozessen im Huf.
Schwellungen
Manchmal bis übers Fesselgelenk. Gemeinerweise können sie das einzige Symptom sein, das Pferd geht also auch (noch) nicht lahm.
Eiteraustritt an Kronsaum oder Ballen
Meist Spätsymptom: Der Eiter sucht sich selbst einen Weg (Fistel). Wird erstaunlich oft übersehen, v.a. am Ballen. Hier entsteht eine schmierige, übelriechende Stelle am Kronsaum.
Löst beim Tierarzt Freude aus, da Diagnose und Lage des Abszesses jetzt endlich ziemlich klar sind.
Behandlung:
Bei Verdacht auf H. muss das Eisen abgenommen und der Abszess mit der Zange gesucht werden. Das klingt einfacher, als es ist (s.o.). Der Abszess wird aufgeschnitten, wobei das Loch innen nicht zu groß sein darf, damit die Lederhaut nicht vorfällt. Nach außen muss das Loch trichterförmig weiter werden, damit sich der Kanal nicht wieder schließt.
Dann kommt für zwei Tage ein Angussverband mit Rivanol o.ä. drauf. Es folgen, wenn nicht noch mal nachgeschnitten werden muss, trockene Verbände, bis die Lederhautreizung abgeklungen, die Wunde also trocken ist, und den Friesen nicht mehr lahmt.
Nach dem Abheilen des Abszesses muss ein glatter Anschluss zwischen der Huflederhaut und dem Hornrand des Loches hergestellt werden, da sich sonst leicht eine doppelte Sohle bilden kann.
Manche Friesen gehen erst nach Beschlag oder mit Hufschuh wieder völlig gerade. Ebenso kommt es vor, dass die Lederhaut noch längere Zeit etwas Feuchtigkeit absondert. Deshalb darf das Loch auch nach der Heilung nie zugestopft werden! Ist das Sekret klar und der Friese gerade, kann man es trotzdem wieder anreiten.
Da das neue Horn zunächst sehr empfindlich ist, soll der Friese für eine Ausschneideperiode mit Hufschuh gehen oder eine Ledersohle erhalten (besser aber zwei!).
Bei jedem Hufabszess ist die Frage nach dem Tetanusschutz wichtig!
20. Hufbeinsenkung (Hufbeinrotation)
Auch wenn landläufig oft nur von Hufbeinsenkung die Rede ist, ist diese doch im Vergleich zur Hufbeinrotation ziemlich selten der Fall.
Bei der Hufbeinrotation dreht sich das Hufbein aus der gesunden, annähernd bodenparallelen Lage. Das ist oft schon bei Fehlstellungen (Hufbein rotiert seitlich) oder zu steiler Hufstellung (Hufbeinspitze rotiert) der Fall. In der schulmedizinischen Definition ist das allein noch kein krankhafter Befund, daher liegt hier eine "Rotation" erst vor, wenn sich die Verbindung zwischen Hufwand und Hufbein gelöst hat, sprich: Die Hufwand einen flacheren Winkel als die Vorderseite des Hufbeins aufweist. Da aber die steile Lage des Hufbeins (durch zu lange Trachten, Keileisen o.ä.) an sich schon krankhaft ist, verwenden wir den Begriff Hufbeinrotation auch dann, wenn bei steiler Hufstellung mit steilem Hufbein Knochen und Wand noch fest miteinander verbunden sind.
Wenn sich der Knochen nun aber von der Hornwand gelöst (separiert) hat, verwenden wir den Begriff Hufbeinseparation.
Eine Hufbeinsenkung liegt vor, wenn das Hufbein innerhalb der vorherigen Lage nach unten sinkt und nicht mehr in der Kapsel aufgehängt ist. Dabei hebeln die Wände rundum vom Hufbein weg, was für das Pferd sehr schmerzhaft ist, da die empfindliche Lederhaut bei jedem Schritt gezerrt wird (wie wenn man den Fingernagel vom Finger abzieht).
Neben der Diagnose durch das Röntgenbild gibt es auch äußere Anzeichen für eine Hufbeinseparation: Die weiße Linie ist stark verbreitert; wenn das Hufbein rotiert ist, sind die Hufknorpel hoch aus der Kapsel gedrückt, der Kronrand ist dann unter Umständen als gebogene Line sichtbar. Manchmal kann man auch das Krongelenk als "Knubbel" oberhalb des Kronrandes fühlen oder sehen. Des Weiteren nimmt das Pferd eine Schonhaltung ein, um den schmerzenden Bereich zu entlasten.
Eine Hufbeinrotation/ -separation oder -senkung ist jedoch kein irreversibler Vorgang! Da das Hufhorn ständig neu nachwächst und somit auch die weiße Linie als Aufhängung ständig neu gebildet wird, ist der Organismus in der Lage, das Hufbein wieder in der Kapsel zu fixieren. Gelangt das Hufbein durch korrekte Hufpflege in seine normale Position zurück, wird das Nachwachsen einer neuen Kapsel möglich. Dazu muss das Pferd die Freiheit haben, sich so zu bewegen, wie es das möchte!
Bei einem gesunden Pferd hat sich die Kapsel nach ca. einem Jahr komplett erneuert, was im Krankheitsfall aber nicht unbedingt bedeutet, dass der Huf auch nach einem Jahr wieder vollständig gesund ist! Im Anfangsstadium ist die Lederhaut stark entzündet und es kommt durch den harten Knochen an vielen Stellen zu Quetschungen, deshalb ist die geschädigte Lederhaut oft noch nicht in der Lage, haltbares Horn zu produzieren. Meist ist das erste Horn, das wieder produziert wird, gelbliches, hartes Entzündungshorn, mit Blut und Entzündungssekret versetzt. Solches Horn ist nicht belastbar und von schlechter Qualität, es dient lediglich zum Schutz der gereizten Lederhaut vor Quetschungen durch den Untergrund. Erschwerend kommt hinzu, dass der Organismus bei wieder funktionierendem Hufmechanismus sofort versucht, sich von Stoffwechselabfallprodukten zu reinigen. Das bedeutet, dass er alte Giftstoffe in Form von Hufhorn ausscheiden wird, was wiederum die Hornqualität verschlechtert. Es ist daher ratsam, das Pferd vorher entgiften zu lassen und den Stoffwechsel homöopathisch oder biochemisch (Schüssler Salze) zu stärken. So dauert es seine Zeit, bis sich die Lederhaut wieder vollständig regeneriert hat und in der Lage ist, qualitativ gutes Horn zu produzieren. Dass dafür optimale Bedingungen in Haltung, Fütterung und Bewegung sowie kurze Hufpflege-Intervalle nötig sind, sollte selbstverständlich sein!
Pferde, die eine starke/ sehr heftige Hufbeinseparation oder eine Hufbeinsenkung haben, sollten stationär behandelt werden, da sie vorsichtig durch tägliches Beraspeln/ Schneiden sanft korrigiert werden müssen um in ihre natürliche Hufform zurück zu finden und ständiger Beobachtung durch ein geschultes Auge bedürfen. Außerdem benötigen solche Pferde die Möglichkeit, sich auf festem, aber erschütterungsfreiem Boden wie z.B. Gummiboden zu bewegen.
Bei optimaler Versorgung und gutem Heilungsverlauf ist das Hufbein nach einer Durchwachsperiode wieder fest in der Kapsel verankert. Unter Umständen ist diese erste Aufhängung aber noch schwach und nicht voll belastbar und so kann es eine weitere Durchwachsperiode dauern, bis das Pferd wieder ganz gesund ist.
Schäden, die innerhalb von wenigen Monaten durch nicht artgerechte Haltung und mangelnde Bewegung entstanden sind, können mehrere Jahre bis zur vollständigen Heilung benötigen!
21. Hufrollenentzündung
Der Ausdruck "Hufrolle" lässt viele Pferdebesitzer entsetzt aufhorchen, da dieser Begriff häufig als Kurzform für die Hufrollenentzündung verwendet wird. Diese Erkrankungen sind leider weit verbreitet und sorgen dafür, dass viele Pferde nicht mehr schmerzfrei laufen können. Dieser Artikel soll ein wenig aufklären und zum Verständnis der Krankheit beitragen.
Erst mal etwas grundsätzliches: Die Hufrolle selbst ist nichts schlimmes, sondern ein Sammelbegriff für anatomische Strukturen, die jedes Pferd viermal hat. Die Hufrolle setzt sich aus dem Strahlbein, dem unteren Ende der tiefen Beugesehne und dem Hufrollenschleimbeutel zusammen. Diese Strukturen spielen zusammen mit dem Strahlkissen eine wichtige Rolle bei der Stoßdämpfung beim Auffußen.
Das was landläufig als Hufrolle bezeichnet wird, heißt eigentlich korrekter Hufrollen-Syndrom. Da die Hufrolle nicht nur eine Struktur ist, fasst dieser Begriff eine ganze Reihe von Erkrankungen zusammen. Die häufigste ist die Hufrollenentzündung, bei der das Gelenk zwischen Hufbein, Kronbein und Strahlbein oder der Hufrollenschleimbeutel entzündet sind. Diese Entzündung verursacht dem Pferd beim Auftreten Schmerzen. Die Entzündung kann den Knorpel zerstören und so zu Veränderungen am Knochen führen.
Schlimmer und häufig Folge einer unbehandelten Entzündung ist die Strahlbein-Nekrose. Dabei wird das Strahlbein nicht mehr richtig mit Blut versorgt. In der Folge wird der Knorpel nicht mehr richtig versorgt und zerstört. Außerdem wird mit der Zeit auch das Strahlbein selbst zerstört und kann brechen.
Weitere mögliche Ursachen für das Hufrollen-Syndrom sind Veränderungen an den Ansatzpunkten der Sehnen und Bänder.
Das Hufrollen-Syndrom tritt meist an den Vorderbeinen auf, da hier durch die anatomische Verhältnisse stärkere Stoßbelastungen auftreten. Probleme mit der Hufrolle an den Hinterbeinen sind selten.
Das Hufrollen-Syndrom kommt häufig nicht alleine. Begleiterscheinungen sind oft Arthrose im Hufgelenk oder eine Degeneration des Strahlkissens. Beide Erkrankungen haben ähnliche Ursachen, wie das Hufrollen-Syndrom oder können Folge davon sein.
Die Ursachen für das Hufrollen-Syndrom sind umstritten, in Frage kommen viele Faktoren.
- Unumstritten ist, dass zu enge Hufe und untergeschobene Trachten Hufrollenerkrankungen begünstigen.
- Zu wenig Bewegung schädigt die Knorpel im Hufgelenk und das Strahlkissen, da diese nicht richtig mit Nährstoffen versorgt werden. In der Folge werden vermehrt Schwingungen auf die Hufrolle übertragen, was auch hier zu Schädigungen führt.
- Falscher Hufbeschlag, der den Hufmechanismus behindert, setzt ebenfalls den Dämpfungsmechanismus des Hufes außer Kraft, was die Hufrolle schädigt.
- Zusätzlich wird eine genetische Komponente vermutet, die zu einer Schwäche in der Hufrolle führt.
Folgende Symptome sind typisch für das Hufrollen-Syndrom:
- klammer Gang
- Taktstörungen in engen Wendungen
- vermehrtes Verweigern beim Springen, vor allem wenn das Pferd groß abspringen muss oder bei hohen und weiten Hindernissen.
- Laufunlust auf harten Böden
- Entlasten eines Vorderbeins
- häufiges Stolpern
Meist tritt im Anfangsstadium keine deutliche Lahmheit auf, sondern das Pferd wirkt eher laufunlustig und steif. Oft weigern sich die Pferde, enge Wendungen zu gehen und verweigern beim Springen zunehmend den Dienst.
So diagnostiziert der Tierarzt ein Hufrollensyndrom:
Haben Sie eines der oben genannten Symptome bei Ihrem Pferd festgestellt, sollten Sie einen Tierarzt zu Rate ziehen, der Ihren Verdacht überprüft.
Die üblichen Untersuchungsmethoden, wie Beugeproben und das Abdrücken des Hufes mit einer Hufzange ist meist negativ oder nur schwach positiv.
Auch beim Vortraben an der Hand und an der Longe ist meist keine eindeutige Diagnose möglich.
Meist lässt der Tierarzt das Pferd danach auf einem engen Zirkel auf hartem Boden traben. Hier sind typischerweise Taktstörungen zu sehen. Bestätigt wird die Diagnose normalerweise durch eine Leitungsanästhesie. Wird der Bereich unterhalb des Kronbeins betäubt, sollten die Taktstörungen verschwinden.
Der nächste Schritt ist ein Röntgenbild, auf dem der Tierarzt beurteilen kann, ob knöcherne Veränderungen am Hufbein oder Strahlbein vorliegen. Eine Ultraschalluntersuchung und eventuell ein Kernspin, geben können dazu beitragen, die genaue Ursache des Hufrollen-Syndroms zu klären.
Folgende Behandlung hilft beim Hufrollen-Syndrom:
- Der Standard-Ansatz für die Behandlung ist es die Entzündung in der Hufrolle zu bekämpfen und die anatomischen Strukturen zu entlasten. Dazu wird ein entzündungshemmendes Medikament (meist Cortison) direkt an die Hufrolle gespritzt. Zusätzlich bekommt das Pferd weitere Entzündungshemmer über das Futter. Um den erkrankten Bereich zu entlasten bekommt das Pferd einen Spezialbeschlag. Meist sind das Eiereisen mit einem Polster darunter. Das Polster verringert die Stoßbelastungen, die auf den Huf wirken. Das Eiereisen entlastet die tiefe Beuge-Sehne und vermindert so den Zug auf die Hufrolle.
- Zu Beginn der Behandlung sollten Sie Stoßbelastungen für den Huf vermeiden. Gleichzeitig ist Bewegung wichtig, um den Stoffwechsel im Huf anzuregen. Das heißt möglichst viel Bewegung im Schritt auf weichem, aber nicht zu tiefem Boden. Dabei sollten sie enge Wendungen vermeiden. In der Praxis sind das meist Ausritte durch Wälder und über Wiesen.
- Weitere Ansätze zur Behandlung sind Stoßwellen-Therapie und spezielle Medikamente, die die Durchblutung fördern und so die Beschwerden lindern sollen. Diese Therapien sind jedoch noch recht neu und die Heilungs-Chancen noch nicht durch Studien belegt.
- Neben dem Spezialbeschlag ist eine Huforthopädische Behandlung ein Weg, die Hufsituation zu verbessern. Viele sehen diesen Weg als sinnvoller, da durch das entfernen der Eisen der Hufmechanismus verbessert wird.
- Durch spezielle Futtermittel kann die Entzündung gehemmt werden. Dabei bieten sich Weidenrinde, Teufelskralle und Ingwer an. Extrakte aus der Grünlippigen Miesmuschel können helfen, den Knorpel besser zu versorgen. Es gibt auch Medikamente, die den Knorpelaufbau fördern sollen.
Alle diese Therapien können den Entzündungsprozess lediglich stoppen. Die bereits vorhandenen Veränderungen bleiben bestehen und sind ein Risikofaktor. Daher ist es wichtig, bei der weiteren Nutzung des Pferdes auf diese Einschränkungen Rücksicht zu nehmen. Sind Hufrollen-Veränderungen diagnostiziert, die bereits zu einer Entzündung geführt haben, sollten Sie das Pferd sorgfältig managen. Das heißt, wenn überhaupt, nur mäßig springen. Hohe und weite Sprünge sollten die Ausnahme sein. Auch beim Ausreiten sollten Sie auf die Erkrankung Ihres Pferdes Rücksicht nehmen. Vermeiden Sie lange Strecken auf hartem Boden und wählen Sie Trab- und Galoppstrecken sorgfältig aus. In der Dressur sollten Sie auf enge Wendungen möglichst verzichten.
Mit diesen Maßnahmen lässt sich ein Hufrollensyndrom meist ganz gut in den Griff bekommen, soweit noch keine größeren Schäden vorhanden sind. Viele Pferde bleiben so noch lange reitbar.
Ist es soweit, dass das Pferd dauerhaft Schmerzen in der Hufrolle hat, gibt es noch die Möglichkeit eines Nervenschnitts (Neurektomie). Dabei werden die Nerven, die die Hufrolle innervieren durchtrennt. Dadurch wird der hintere Teil des Hufes schmerzunempfindlich und gefühllos. Das Pferd kann jetzt also wieder schmerzfrei laufen. Zu Beginn stolpern Pferde mit Nervenschnitt häufig, da sie sich erst an das neue Gefühl in den Hufen gewöhnen müssen.
Der Nervenschnitt macht das Pferd schmerzfrei, behebt das zugrunde liegende Problem aber nicht. Daher besteht auch weiterhin die Gefahr, dass die Veränderungen so groß werden, dass das Strahlbein durchbricht, was für das Pferd sehr schmerzhaft ist. Da das Pferd die Schmerzen nicht mehr spürt, belastet es die entzündete Hufrolle zu stark, was die Veränderungen beschleunigen kann. Es liegt also in der Verantwortung des Besitzers das Pferd weiterhin sorgfältig zu managen, auch wenn es scheinbar beschwerdefrei ist. Mehr als gelegentliches freizeitmäßiges Reiten sollten Sie einem solchen Pferd nicht mehr zumuten. Wichtiger sind viel Bewegung auf der Koppel und eine artgerechte Haltung.
22. Hufrehe
Entzündet sich beim Pferd die Huflederhaut, also die Schicht zwischen dem Hufhorn und dem Hufbein, so spricht der Veterinärmediziner von einer so genannten Hufrehe. Unabhängig von der Tatsache, das die Hufrehe eine äußerst schmerzhafte Erkrankung für das Pferd ist, da schließlich das gesamte Gewicht des Pferdes permanent auf den Hufen lastet, kann die Hufrehe im schlimmsten Fall zu einem Durchbruch des Hufbeins durch die Hufsohle führen.
Warum sich die Huflederhaut aber überhaupt entzündet, kann durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst werden. Ist man sich als Pferdebesitzer dieser Faktoren bewusst, so kann man im Vorfeld schon viel dazu beitragen das Risiko eines Hufreheausbruchs zu minimieren.
Auslöser für Hufrehe 1: Fruktane
Fruktane sind Kohlenhydrate, die in Pflanzen als Energiezwischenspeicher fungieren und die von einer Pflanze im Rahmen der Photosynthese gebildet werden. Gräser enthalten dann besonders viel Fruktan, wenn sie zwar der Sonne ausgesetzt sind, die Temperaturen jedoch zu gering sind, um die Energie direkt für das Wachstum der Pflanze nutzen zu können. Aus diesem Grund findet man fruktanreiches Gras besonders häufig im Frühjahr und im Herbst, wenn die Nacht und der Morgen noch sehr kalt sind, die Sonne tagsüber aber strahlend scheint.
Nehmen Pferde nun hohe Mengen an Fruktan auf, so gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht und durch die übermäßige Produktion von Bakterien wird der Darminhalt übersäuert. Als Folge davon entstehen so genannte Endotoxine (Zerfallsprodukte von Bakterien), die über das Blut des Pferdes im Körper freigesetzt werden und letztendlich für die Entzündung der Huflederhaut verantwortlich sein können.
Auslöser für Hufrehe 2: Medikamente
Einige Medikamente, wie beispielsweise Kortison, können zu einer Verengung der Blutgefäße führen. Auf diese Weise besteht auch die Möglichkeit dass es zu einer Durchblutungsstörung im Huf kommen kann, aus der dann unter Umständen eine Entzündung der Lederhaut resultiert.
Auslöser für Hufrehe 3: Geburt
Bei der Geburt eines Fohlens kann es durchaus dazu kommen, das kleine Teil der Plazenta in der Gebärmutter der Stute verbleiben. Diese Plazentareste können dann bei der Stute zu einer bakteriellen Vergiftung führen, die letztendlich auch die Blutgefäße der Huflederhaut schädigen kann. In diesem Fall spricht man von einer so genannten Geburtsrehe.
Auslöser für Hufrehe 4: Überlastung
Damit das Blut im Huf ausreichend zirkulieren kann ist eine gleichmäßige Be- und Entlastung der Hufe für das Pferd von großer Bedeutung. Je stärker die Hufe, beispielsweise durch lange Ritte auf harten Böden, belastet werden, umso höher ist die Gefahr, dass es durch eine gestörte Blutzirkulation zu einer Entzündung der Lederhaut kommt. Der Tierarzt spricht hier von einer Belastungsrehe.
Auslöser für Hufrehe 5: Vergiftung
Gelangen Giftstoffe, beispielsweise in Form von giftigen Pflanzen, in den Blutkreislauf des Pferdes, so kommt es auch hier zur Bildung von Endotoxinen, die zu einer Entzündung der Huflederhaut führen können.
Auslöser für Hufrehe 6: Cushing-Syndrom
Pferde, die am so genannten Cushing-Syndrom leiden, haben aufgrund einer gesteigerten Kortisolproduktion oftmals einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Dieser kann wiederum dazu führen, dass sich die Blutgefäße verengen und die Blutzirkulation im Huf gestört wird.
Auslöser für Hufrehe 7: Übergewicht
Wie beim Menschen, kann Übergewicht auch beim Pferd dazu führen, das der Blutzuckerhaushalt durcheinander gerät und über längere Sicht betrachtet zu hoch ist. Folglich kann es auch hier zu einer Verengung der Blutgefäße kommen, wodurch die Gefahr einer Huflederhautenzündung ansteigt.
Auslöser für Hufrehe 8: Kalte Witterung
Kaltes Wetter kann zu einem Zusammenziehen der Blutgefäße führen. Sind Pferde über einen längeren Zeitraum niedrigen Temperaturen ausgesetzt, so kann dieser Umstand die Entstehung einer Hufrehe begünstigen.
Auslöser für Hufrehe 9: Borreliose
Wird ein Pferd, beispielsweise beim Weidegang, von einer Zecke gebissen, so kann es durchaus vorkommen, dass es sich dabei mit dem Borrelien-Bakterien infiziert. Auch diese Bakterien stehen im Verdacht eine Hufrehe auslösen zu können.
Obwohl Hufrehe relativ häufig vorkommt, ist es noch immer eine Krankheit, bei der viele Unklarheiten bestehen. Viele Pferdebesitzer glauben, dass nur Ponys und diese auch nur im Frühjahr betroffen sind. Tatsache ist allerdings, dass alle Pferde jederzeit erkranken können. Deshalb ist es für alle Pferdebesitzer wichtig, die Folgen eines Hufreheschubes zu (er-)kennen.
Was ist Hufrehe?
Hufrehe ist eine extrem schmerzhafte Erkrankung des Hufes, die durch Veränderungen in der normalen Durchblutung des Hufes entsteht. Dadurch kommt es zu einer Entzündung bestimmter Hufstrukturen, die dadurch geschwächt werden. In schweren Fällen kann es zu einer Absenkung oder Rotation des Hufbeines kommen. Der Knochen kann sogar durch die Sohle durchbrechen. Die Hufrehe gibt es in zwei Formen: Akut und chronisch. Bei der akuten Form treten die Symptome plötzlich auf und sind schwerwiegend. Die chronische Hufrehe ist meist eine Folge früherer Reheschübe und ihre Symptome entwickeln sich langsam.
Anzeichen einer aktuen Hufrehe:
Ihr Pferd weigert sich standhaft, sich zu bewegen.
Es nimmt eine für Hufrehe charakteristische Stellung ein: Die Vorderfüße werden so weit wie möglich nach vorne gestreckt, die Hinterfüße so weit wie möglich unter den Körper gestellt. Dadurch wird so viel Gewicht wie möglich auf die Hinterfüße verlagert und die schmerzenden Vorderfüße entlastet.
Ihr Pferd geht höchstgradig lahm, vor allem auf hartem Boden und in Wendungen. Es zeigt einen unnormalen Gang: Der Huf landet mit den Ballen bevor die Zehe den Boden berührt. Die Hufe fühlen sich heiß an und die Blutgefäße im Zehenbereich pulsieren stark.
Ihr Pferd zeigt eine schmerzhafte Reaktion, wenn Druck auf die Strahlspitze ausgeübt wird.
Anzeichen einer chronischen Hufrehe:
Die Hufwand zeigt Ringe, die am Ballen weiter auseinander liegen als an der Hufspitze.
Blutungen in der Hufsohle
Die weiße Linie ist verbreitert, und sehr häufig entwickeln sich dort Hufabszesse.
Eingesunkene Sohlenfläche oder sehr flache Hufe "Schnabelhuf“
Was muss ich tun, wenn mein Pferd Anzeichen einer Hufrehe zeigt?
Wenn Ihr Pferd Anzeichen einer akuten Hufrehe zeigt, sollten Sie sofort Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt rufen. Hufrehe ist ein Notfall! Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser!
Während Sie auf Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt warten, sollten Sie alles tun, um Ihrem Pferd zu helfen:
Holen Sie es von der Weide bzw. aus dem Auslauf, wenn es draußen gehalten wird.
Streuen Sie seine Box sehr tief ein, am Besten mit Sand, Papierschnitzel oder Sägespäne.
Entfernen Sie alles Futter aus dem Stall, aber stellen Sie Ihrem Pferd ausreichend Wasser zu Verfügung.
Ermutigen Sie es sich niederzulegen und vermeiden Sie jede Störung und Aufregung.
Chronische Rehe hingegen ist zwar kein Notfall, es ist dennoch sehr wichtig, dass Sie sobald wie möglich Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt rufen.
Ich dachte immer, dass nur fette Ponys an Hufrehe erkranken!
Prinzipiell kann jedes Pferd an Hufrehe erkranken. Manche Pferde sind jedoch anfälliger als andere. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko einer Hufreheerkrankung:
Rasse des Pferdes: Ponys und Kaltblüter sind anfälliger als andere Rassen.
Körpergewicht: Übergewichtige Pferde sind wesentlich anfälliger.
Futter mit einem hohen Anteil an Kohlehydrate, wie z. B. Getreide
Abrupte Futterumstellungen: Hauptsächlich bei plötzlichem Zugang zu großen Futtermengen ( frisches Gras, z. B. am Anfang der Weidesaison, oder Getreide) an denen sich das Pferd "überfrisst".
Schwere Kolik
Schwere Arbeit auf hartem Boden
Schwere Infektion oder eine andere Erkrankung, die mit hohem Fieber einhergeht, z. B. eine Lungenentzündung oder Nachgeburtsverhaltung
Verletzung des einen Vorderbeines. Um das verletzte Bein zu entlasten wird das Gewicht auf das gesunde Bein verlagert, das dadurch häufig überlastet wird
Stoffwechselstörungen, z.B. Cushing.Erkrankung
Was wird meine Tierärztin/mein Tierarzt unternehmen?
Ihre Tierärztin/Ihr Tierarzt wird Ihr Pferd untersuchen, um festzustellen, ob es sich tatsächlich um Hufrehe handelt. Dazu wird sie/er:
Fragen zu der Gesundheit, Fütterung und Bewegung Ihres Pferdes stellen.
Die Füße Ihres Pferdes untersuchen und mit einer Hufzange den Huf ihres Pferdes abdrücken.
Röntgenaufnahmen von den Füßen Ihres Pferdes anfertigen, um die Position des Hufbeines zu bestimmen.
Die Behandlung hängt von der Schwere der Erkrankung ab und kann folgendermaßen aussehen:
Behandlung einer eventuell zugrunde liegenden Krankheit, wie z. B. Lungenentzündung, Nachgeburtsverhaltung etc.
Medikamente, um die Schmerzen zu lindern und um die Entzündung zu reduzieren (so genannte Antiphlogistika), um Infektionen vorzubeugen (Antibiotika) und um die Durchblutung des Fußes zu verbessern (so genannte Antikoagulantien und Vasodilatatoren)
Wenn sich Ihr Pferd überfressen hat, kann der Magen mit einer Nasenschlundsonde geleert und Öl eingegeben werden, um den Darm durchzuspülen.
F utterumstellung
Eröffnen von Hufabszessen
Orthopädischer Hufbeschlag, z. B. Hufkorrektur, therapeutische Hufeisen oder -schuhe.
Ihre Tierärztin/Ihr Tierarzt wird sich mit Ihrem Hufschmied in Verbindung setzen und mit ihm darüber beraten, was für Ihr Pferd am Besten ist. Wenn Ihr Hufschmied verhindert ist, kann Ihre Tierärztin/Ihr Tierarzt am Huf Strahlpolster anbringen.
Es ist sehr wichtig, dass Sie sich genau an die Anweisungen Ihrer Tierärztin/Ihres Tierarztes halten und sie/ihn über die Erkrankung auf dem Laufenden halten. Unglücklicherweise, kommt es in schweren Fällen zu irreversiblen Veränderungen am Huf. Diese können dem Pferd so große Schmerzen bereiten, dass das Pferd eingeschläfert werden muss. Das ist häufig dann der Fall, wenn mit der Behandlung zu spät angefangen wurde.
Kann mein Pferd wieder geritten werden?
Die meisten Pferde, die wegen Hufrehe behandelt worden sind, können wieder geritten werden. Allerdings hängt es davon ab, wie schwerwiegend die Erkrankung war und wie gut Ihr Pferd auf die Therapie angesprochen hat. Sie sollten mit dem Reiten auf jeden Fall solange warten, bis Ihre Tierärztin/Ihr Tierarzt dazu "grünes Licht" gibt. Ein Pferd, das einmal an Hufrehe erkrankt war, ist wesentlich anfälliger für neue Reheschübe. Es ist deshalb umso wichtiger, dass Sie Ihr Pferd genau beobachten, und bei den ersten Anzeichen von Hufrehe sofort Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt rufen.
Was kann ich tun, um einen erneuten Hufreheschub zu verhindern?
Um einen erneuten Reheschub zu verhindern, sollten Sie am Alltag Ihres Pferdes dauerhafte Veränderungen vornehmen. Ihre Tierärztin/Ihr Tierarzt berät Sie gerne dabei. Folgende grundlegende Dinge sollten Sie beachten:
Stellen Sie sicher, dass Ihr Pferd vor allem im Frühjahr keinen unbegrenzten Zugang zu Gras hat. Benutzen Sie z. B. Elektrozäune.
Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, stellen Sie Ihr Pferd auf einen Sandauslauf.
Lassen Sie Ihr Pferd nicht auf gefrorenen Weiden und Ausläufe.
Reiten oder fahren Sie nicht zu lange auf hartem Boden.
Bewegen Sie Ihr Pferd täglich.
Andere Veränderungen, die Sie am besten mit Ihrer Tierärztin/Ihrem Tierarzt absprechen, sind:
Eine ausgeglichene Fütterung mit einem angemessenen Kohlehydratanteil. Wenn Ihr Pferd übergewichtig ist, reduzieren Sie sein Gewicht.
Regelmäßige Hufpflege.
Routinemäßige Entwurmungen und Impfungen, um Ihr Pferd allgemein gesund zu erhalten.
Ergänzung des Futters mit Mineralstoffen und Vitaminen für gesunde Hufe.
23. Husten
Jährlich leidet jedes 4. in Deutschland gehaltene Pferd an Husten. Bei jedem 10. sind die Atemwegserkrankungen mittlerweile chronisch. Eine Tatsache, die man nicht hinnehmen muß. Regelmäßige Impfungen gegen die viralen Pferdehusten und frühzeitige Tieraztbehandlung, können im Einklang mit unterstützenden Maßnahmen des Halters dafür sorgen, das ein Husten gar nicht erst chronisch wird, bzw. eine Linderung geschaffen wird, die auch chronisch erkrankte Pferde reitbar hält. Deshalb reagieren Sie nicht erst dann, wenn nichts mehr zu retten ist.
Grundsätzlich gilt, daß die meisten bekannten Hausmittelchen gegen Husten nicht schaden, teilweise eine unterstützende Wirkung haben, aber nicht die tierärztliche Behandlung ersetzen können.
Unterstützende Hausmittelchen
Hustenkräutermischungen gibt es bei Raiffeisen, bzw. in Ihrer bäuerlichen Genossenschaft, oder in fast jedem besser sortierten Reitsportgeschäft. Eingeweicht als Zusatzfutter können diese die Abwehrkräfte stärken und den Mangel an natürlichen Kräutern in den heute gängigen Heufütterungen entgegenwirken.
Sprühen Sie die Bereiche der Box, in denen sich der Kopf des Pferdes hauptsächlich aufhält mit ätherischen Ölen ein. Dazu benutzen Sie einen handelsüblichen Pumpsprayer. Füllen Sie diesen mit Wasser und geben Sie z.B. reines ätherisches Pfefferminz- bzw. Bergamotte- oder Teebaumöl dazu vielleicht auch eine Mischung aus allen.Vor dem Sprayen gründliches Schütteln nicht vergessen, Öl schwimmt oben.
Inhalieren: Bedenken Sie bitte, daß die Pferdelunge nur in der Lage ist ätherische, oder sonstige Partikel mit einer Größe unter 20 µm aufzunehmen. Das erreichen Sie nur durch natürliche Verdunstung (der typische Sack über'm Kopf), oder einen Ultraschallverdampfer. Wobei die natürliche Verdunstung nicht in der Lage ist, Mengen zu produzieren, die therapeutisch über die Wirkung des Boxeneinsprühens hinausgeht.
Auch können Tees, die über das Futter gegossen werden zusätzliche Linderung verschaffen. Darüberhinaus binden sie den Staub des normalen Kraftfutters. Folgende Kräuter, oder Kombinationen aus denselben eignen sich;
Anis, Beinwell, Eibisch, Fenchel, Hagebutte, Huflattich, Kamille, Knoblauch, Schafgarbe, Süßholz und Thymian.
Was Sie bei Husten auf jeden Fall tun sollten:
Rufen Sie bei den ersten Hustenanzeichen einen Tierarzt und suchen Sie gemeinsam nach der Ursache. In den wenigsten Fällen liegt eine einfache Erkältung zugrunde.
Gönnen Sie "ihrem Patienten" soviel frische Luft wie möglich, aber vermeiden Sie Durchzug. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit vorrübergehend, oder dauerhaft in eine, für das Pferd günstigere (Außen)Box zu wechseln.
Wenn Sie nicht die Möglichkeit haben Ihr Pferd stundenweise auf ein geeignetes Paddock zu stellen, gehen Sie mit ihm spazieren. Notfalls ab in den Walker. In Absprache mit dem Tierarzt können Sie es auch im Schritt reitend bewegen.
Frühzeitige Überbelastung kann jeden Heilungserfolg zunichte machen!!
Vermeiden Sie zusätzliche Reitzungen z.B. durch Staub oder Sporen. Das heißt im Klartext:
Weichen Sie das Heu gründlich ein, sodaß der darin enthaltene Staub gebunden wird. Füttern Sie besser eingeweichtes Heu, als Silage, denn diese enthält zumeißt Pilzsporen und ist aufgrund ihres Eiweißgehaltes der optimale Bakteriennährboden.
Überdenken Sie die Einstreu! Hobelspäne, Hanfeinstreu, oder andere staubreduzierte Produke sind zwar mit Sicherheit teurer als die herkömmliche Stroheinstreu, welche meistens in der Stallmiete enthalten ist, aber diese Investition wird sich auf Dauer garantiert rentieren. Für den Fall, daß Sie genügend Lagerkapazitäten haben und sich eventuell noch mit anderen zusammen tun können, denken Sie über den Kauf von Großmengen nach. Dann bekommen Sie meisten großzügige Rabatte und die Lieferung ist warscheinlich frei Haus (Stall).
Dauerndes Fegen der Stalltrakte vermittelt mit Sicherheit den Eindruck, hier ist alles clean und in Ordnung, aber durch den dadurch aufgewirbelten Staub kann dies für ein Hustenpferd, auf Dauer, im wahrsten Sinne des Wortes tödlich sein. Deshalb versuchen Sie zu erreichen, daß zu den Zeiten, zu denen Ihr Pferd in der Box stehen muß, das Fegen auf ein Minimum rationalisiert wird.
24. Influenza (Tetanusimpfung)
Impfungen können ein wirkungsvoller Schutz gegen schwere Erkrankungen sein. Sie sind jedoch ein nicht zu unterschätzender Eingriff in das natürliche Immunsystem und immer auch mit dem Risiko von vorübergehenden oder dauerhaften Schäden verbunden.
Tiere werden häufig in sehr viel kürzeren Abständen geimpft als Menschen. Das Immunsystem eines zehnjährigen Hundes hat sich nach den zwar veralteten aber immer noch verwendeten Impfplänen 10-12x mit jeweils 5-7 verschiedenen Krankheitserregern auseinandersetzen müssen.
Was Tierhalter und auch viele Tierärzte über Schutz- und Nebenwirkungen von Impfstoffen wissen, stammt zumeist von den Herstellern der Impfstoffe selbst. Unabhängige und objektive Impfaufklärung ist selten.
Der Journalistin Mo Peichl ist es zu verdanken, dass Tierhaltern in Deutschland heute Informationen zugänglich sind, die zeigen, dass die Schutzwirkung vieler Impfstoffe für Hunde und Katzen zweifelhaft und die jährlichen Wiederholungsimpfungen in den meisten Fällen überflüssig oder gar schädlich sind.
Ergänzend sollen hier für Pferdehalter wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse jenseits der Pharmabroschüren dargestellt werden, auf deren Grundlage eine Abwägung zwischen der erhofften Schutzwirkung und dem Risiko von Nebenwirkungen stattfinden kann und die eine verantwortungsvolle Impfentscheidung durch den Tierhalter ermöglichen.
Tetanusimpfung - Schutz für viele Jahre:
Die Tetanus-Erkrankung ist eine schwere Erkrankung, die den Tod des betroffenen Tieres zur Folge haben kann. Sie wird hervorgerufen durch die Gifte des Tetanus-Bakteriums, die zentralnervöse Störungen hervorrufen. Selbst nach Ausschöpfung aller therapeutischen Möglichkeiten sterben 50-80% der betroffenen Tiere.
Bei der Schutzimpfung wird die vielfach tödliche Menge des Tetanustoxins - natürlich in abgeschwächter Form - gespritzt. Für die Grundimmunisierung werden Fohlen erstmals nach dem Absetzen geimpft, also etwa im Alter von 6 Monaten. Die Impfung wird nach 6-12 Wochen wiederholt. Eine zweite Wiederholungsimpfung nach einem Jahr wird empfohlen. Diese ist dann notwendig, wenn die Fohlen zu früh geimpft werden, z.B. schon im Alter von 3 Monaten, und keine genügende Immunität aufgebaut haben.
Hersteller von Tetanus-Impfstoffen für Pferde in Deutschland geben an, dass die Impfung alle 2 Jahre wieder aufgefrischt werden soll. Diese Aussage der Hersteller bedeutet, dass sie geprüft haben, ob über die Dauer von zwei Jahren eine schützende Menge von Tetanus-Antikörpern im Blut der geimpften Tiere nachweisbar ist (=Titer). Es bedeutet nicht, dass die Wirkung nach zwei Jahren aufhört - es bedeutet, dass der Hersteller nicht länger getestet hat.
Eine Untersuchung deutscher Forscher beschäftigt sich mit der Entwicklung des Titers im Anschluss an die Grundimmunisierung über einen Zeitraum von vier Jahren. Dabei wird bei allen 30 untersuchten Pferden vier Jahre nach Grundimmunisierung ein Antikörpertiter ermittelt, der auf einen ausreichenden Schutz schließen lässt.
Eine weitere Untersuchung bei Pferden, die über einen längeren Zeitraum durchgeführt wurde, bestätigt eine lang andauernde Immunität. Schweizer Forscher beobachteten 7000 Pferde, die nur grundimmunisiert wurden, über einen Zeitraum von 12 Jahren. Keines der Pferde erkrankte.
Eine Gruppe von Pferden, deren Grundimmunisierung 5-8 Jahre zurücklag, wurde mit der dreifach tödlichen Dosis des Tetanustoxins konfrontiert. Auch hier erkrankte keines der Pferde, obwohl bei einem Teil der Pferde keine Antikörper im Blut mehr nachweisbar waren. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass nach der Grundimmunisierung die Schutzwirkung zeitlebens erhalten bleibt, auch wenn nach vielen Jahren Antikörper im Blut fehlen. Bei der geringsten Zufuhr des Gifts von Tetanusbakterien bildet der Organismus wieder rasch und reichlich Antikörper.
Auf der Grundlage der oben angeführten Untersuchung wurde bis vor drei Jahren in der Schweiz ein Tetanus-Impfstoff vertrieben, für den die lebenslange Schutzwirkung angegeben wurde. Der Impfstoff ist inzwischen vom Markt, jedoch ausdrücklich nicht, weil es Probleme mit der Schutzwirkung gab, sondern aus "herstellungstechnischen" Gründen. Der Hersteller vertreibt inzwischen eine kombinierte Influenza-Tetanus-Vakzine, die alle 12-15 Monate aufgefrischt werden soll und dem Hersteller sicher nicht nur herstellungstechnische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bietet.
In anderen Ländern, beispielsweise in Australien, sind Tetanus-Impfstoffe auf dem Markt, für die ein Intervall zur Impfauffrischung von 5 Jahren angegeben wird.
Influenzaimpfung - Läuft und läuft und läuft :
Influenza ist eine für ansonsten gesunde Pferde ungefährliche Erkrankung, die sich durch Husten und Fieber äußert. Sie kann zu Komplikationen führen, wenn den erkrankten Tieren nicht ausreichend Zeit zur Erholung gegeben wird.
Aus diesem Grund wird der sogenannte "Hoppegartener Husten" besonders von den Rennpferdebesitzern gefürchtet. Die Erkrankung der Tiere hat wirtschaftliche Schäden zur Folge, vom Trainingsausfall bis zur Absage von Rennen. Renn- und Sportpferde benötigen bei einer Influenza-Erkrankung mehrere Wochen, bis sie wieder trainiert werden und volle Arbeitsleistung geben können. Die Influenza-Impfung ist deshalb für die rein wirtschaftlich ausgerichtete Pferdehaltung von großem Interesse.
Für den durchschnittlichen Freizeitreiter dagegen, der von Zeit zu Zeit an einem Turnier teilnehmen möchte, besteht die beste Influenza-Vorsorge in artgerechter Haltung des Pferdes und ausreichend Zeit zur Erholung im Krankheitsfall. Er wird jedoch durch die Vorschriften der FN gezwungen, gegen Influenza zu impfen, und wenn er nur an einer Gelassenheitsprüfung teilnehmen möchte.
Die Influenza-Erkrankung kann - ähnlich der Menschengrippe - durch eine Vielzahl unterschiedlicher Viren hervorgerufen werden, die sich dazu noch häufig verändern. Bei der Impfung werden inaktivierte Viren oder Virenbestandteile von zumeist drei verschiedenen Virenstämmen verabreicht. Die Zusammensetzung der Virenstämme ist bei den auf dem Markt befindlichen Impfstoffen unterschiedlich. Der jüngste in Impfstoffen verwendete Virenstamm wurde vor mittlerweile 10 Jahren isoliert.
Da sich die Viren ständig ändern, ist die Schutzwirkung in der Praxis nicht vorhanden. Das wird auch durch zahlreichen Untersuchungen an natürlichen Influenza-Epidemien in Rennställen in der ganzen Welt belegt. Es sind gleichermaßen geimpfte wie ungeimpfte Tiere betroffen. So erkrankten bei einer Vergleichsstudie während einer natürlichen Influenza-Epidemie in einem kanadischen Rennstall 18 von 113 geimpften Pferden gegenüber 26 von 120 ungeimpften Pferden.
Der Forderung der Forscher, man solle von einer empfohlenen Impfung zur Verhinderung von Atemwegserkrankungen beim Pferd doch mindestens erwarten können, dass die Erkrankungsrate bei geimpften Pferden halbiert wird, kann man sich nur anschließen.
Nunmehr bald 50 Jahre Forschung und Entwicklung für Pferdeinfluenza-Impfstoffe haben keinen wirkungsvollen Schutz gegen die Infektion hervorgebracht. Warum die Verbände dann weiter an dieser Impfung festhalten und für die an ihren Veranstaltungen teilnehmenden Pferde vorschreiben, bleibt ihr Geheimnis.
Pferdehalter, die der Influenza-Impfung kritisch gegenüber stehen, haben bei der FN nachgefragt, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage die Einführung der Influenza-Impfpflicht für Turniere beruht. Eine Antwort darauf bekamen sie nicht. Stattdessen wurden sie an Prof. Thein verwiesen, Fachtierarzt für Pferde, ehemaliger Bayer-Mitarbeiter und Miterfinder mehrerer Pferdeimpfstoffe.
Für die Praxis empfiehlt es sich, als Vorsorge gegen die Pferdeinfluenza auf artgerechte Tierhaltung zu setzen statt auf Impfstoffe ohne Schutzwirkung. Um Komplikationen vorzubeugen, sollte man seinen Pferden bei einer Influenza-Erkrankung ausreichend Ruhe gewähren.
Herpes - Immunsystem stärken statt Impfen
Herpesviren werden für Atemwegserkrankungen, Aborte und Lähmungserscheinungen verantwortlich gemacht. Jedoch hat sich ein hoher Prozentsatz der Pferde in Deutschland bereits im Alter von 3 Jahren mit Herpesviren auseinandergesetzt, ohne zu erkranken.
Ähnlich der Influenza-Schutzimpfung lassen sich Erfolge einer Herpes-Schutzimpfung in der Praxis nicht erkennen. Im Gegenteil, es gibt sogar Untersuchungen, die eine Zunahme von Stutenaborten nach Einführung der Schutzimpfung nachweisen. Auch schwere neurologische Verlaufsformen werden durch die Impfung nicht verhindert. Jüngstes Beispiel: In Ohio erkrankten in einem Stall mit 144 Pferden 85%, 12 starben, bzw. mussten getötet werden. Alle Pferde waren gegen Herpes geimpft.
Ebenso wie für die Pferdeinfluenza gilt hier, dass ein natürlich starkes Immunsystem die beste Vorsorge ist. Die Impfung schützt nicht.
Fazit:
Die Tetanus-Grundimmunisierung von Pferden ist empfehlenswert. Untersuchungen und Testinfektionen belegen, dass grundimmunisierte Tiere selbst ohne nachweisbare Antikörper im Blut geschützt sind.
Eine Kombination der Tetanus-Impfung mit der Influenza-Impfung, wie sie von mehreren Herstellern angeboten wird, ist wegen der unterschiedlichen Schutzdauer immunbiologischer Unfug.
Die Influenza-Impfung zeigt in der Praxis keine Schutzwirkung, die eine Impfempfehlung rechtfertigen würde. Die Impfvorschriften der FN lassen sich anhand der Ergebnisse objektiver wissenschaftlicher Untersuchungen nicht nachvollziehen. Auch die Herpes-Impfung schützt die Pferde nicht vor einer Erkrankung. Für die Gesunderhaltung der Pferde ist artgerechte Haltung die beste Vorsorge.
25. Kehlkopfpfeifen
Kehlkopfpfeifen (Laryngealparalyse)
Begriffsbestimmung:
Das Kehlkopfpfeifen ist eine akustisch wahrnehmbare,
bleibende Störung derjenigen Kehlkopffunktionen, die der
Regulation des Luftstromes dienen. In erster Linie erkranken große,
seltener mittelgroße Pferde.
Unter Kleinpferden und Ponys ist das Leiden so gut
wie unbekannt. Heute erkranken vorwiegend Sportpferde
bis zum Alter von 6 Jahren.
Allerdings können auch bis zum Alter von 12 Jahren noch
Erkrankungen auftreten. Jenseits dieser Altersgrenze sind
Neuerkrankungen nicht üblich. Bei über 90 % der Fälle
liegt eine linksseitige Kehlkopflähmung vor.
Ursachen:
Die gestörte Kehlkopffunktion ist auf eine Degeneration
der die Kehlkopfmuskeln versorgenden motorischen Nerven,
in erster Linie des linksseitigen N. recurrens zurückzuführen.
Die bevorzugte Erkrankung des linken Nerven wird mit anatomischen
Besonderheiten begründet, die bei langhalsigen Pferden zu extremer
Dehnung der Nerven führen.
Vergiftungen und verschiedene Infektionen können seine
Schädigung begünstigen.
Erscheinungsbild:
Klassisches Symptom ist ein während der Einatmung hörbares
Stenosegeräusch, das sich während körperlicher Belastung als Pfeifen
oder Rohren darstellt, und ein vom Grad der Luftwegsverengung
abhängiger Leistungsabfall, der beim Rennpferd besonders auffällt.
In den Anfangsstadien ist ein schwacher Pfeifton während körperlicher
Belastung zu hören, der bei längerer Bewegung an Intensität zunimmt.
Tritt der Ton zu Beginn der Erkrankung erst bei Maximalbelastungen
auf, so kann er im weiteren Verlauf schon bei leichter Trabarbeit hörbar
werden. Die Pferde verlieren ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit,
da der Luftstrom zu den Lungen beträchtlich eingeschränkt ist.
Atemgeräusche können verschiedene Ursachen haben.
Einatmungsgeräusche werden oft bei Pferden festgestellt,
die untrainiert sind oder längere Zeit mit dem Training ausgesetzt haben.
Diese Geräusche verlieren sich bei regelmäßiger Trainingsbelastung.
Manchmal entstehen Geräusche auch, wenn Pferde die Zunge über
das Gebiß legen und die Zügel angezogen werden. Sind die Zügel gelockert,
verschwinden sie wieder. Asymmetrischer Luftstrom durch die Nüstern
deutet auf Verengungen im Bereich von Nüstern und Nasengängen hin.
Die Gaumensegellähmung führt bei maximaler Belastung zu akuter Atemnot.
Atemgeräusche treten hier während der Ausatmung auf.
Die Diagnose wird auf der Grundlage des mit der Einatmung
wahrzunehmenden typisch pfeifenden Atemgeräusches gestellt, das entsteht,
wenn ein starker Luftstrom an der Kante des gelähmten Stimmbandes
gebrochen wird. Das Geräusch kann in fortgeschrittenen Fällen
in Ruhe provoziert werden, wenn man den Pferden die Nüstern zuhält
und sie danach einige Male heftig einatmen. In der Bewegung erkennt man
die Einatmung daran, daß die Nüstern maximal geweitet sind.
Gesunde Pferde haben bei der Einatmung nur schwache Atemgeräusche.
Zur Sicherung der Diagnose ist es notwendig, eine endoskopische
Untersuchung des Kehlkopfes durchzuführen.
Dabei werden die typische Asymmetrie der Stimmbänder sowie
der herabhängende Gießkannenknorpel sichtbar.
Es ist zu berücksichtigen, daß eine schwache Asymmetrie des Kehlkopfes
nicht krankhaft sein muß.
Behandlung:
Die Behandlung der unheilbaren Lähmung ist nur auf chirurgischem Wege
möglich. Zwei Verfahren stehen zur Auswahl:
- Es ist eine Dauertracheotomie möglich. Dem Pferd wird operativ ein
Tracheotubus in die Luftröhre eingesetzt, und das Pferd atmet die Luft unter
Umgehung des Kehlkopfes direkt in die Luftröhre ein. Der Vorteil dieses
Verfahrens liegt darin, daß die Pferde kurzfristig wieder arbeits- und
leistungsfähig sind. Nachteilig ist der aufwendige tägliche Wechsel der
Tracheotuben.
- Heute wird in der Regel eine plastische Operation am Kehlkopf durchgeführt,
die den eingeengten Kehlkopfinnenraum erweitert und eine ungehinderte Passage
des Luftstromes gestattet. Dieses Verfahren hinterläßt am Tier keine sichtbaren
Veränderungen und hat sich als äußerst wirksam erwiesen.
Wichtig ist allerdings, daß die Pferde nach der Operation 12 Wochen lang totale
Stallruhe erhalten, damit eine vollständige Heilung am Kehlkopf eintreten kann.
Nachtrag:
Kehlkopfpfeifen wird nach einem neuen Verfahren behoben.
Bei diesem Eingriff wird das Stimmband am Kehlkopf festgenäht.
Die Kosten für den Eingriff sind von Klinik zu Klinik verschieden, sind
aber zwischen 600 und 1200 € etwa zu kalkulieren.
26. Kissing Spine
Das Pferd ist von Natur aus eigentlich nicht zum Tragen von Lasten bzw. Reitern gebaut.
Wie jeder menschliche Sportler, muss auch ein Pferd entsprechend vorbereitet und
seine Muskeln entsprechend trainieren werden, damit es ohne Schaden höhere Belastung
standhält. Die Muskulatur bildet sich aber nur, wenn ein Pferd regelmäßig trainiert und bewegt
wird. Der Weidegang ist hier absolut kein Ersatz. Schonender Aufbau bei gleichzeitig ausreichender Ernährung heißt hier die Devise. Ein Pferd von Natur aus keine Rückenprobleme. Falsches Reiten kann die empfindliche und komplexe Wirbelsäule des Pferdes langfristig schädigen. Richtiges und regelmäßiges Reiten dagegen stärkt den Rücken. Aber Vorsicht, wenn die Muskeln zu stark ermüden, dann verlieren sie die schützende und stützende Wirkung. Daher immer mit Verstand reiten
und das Pferd nicht überfordern.
Die Wirbelsäule des Pferdes lässt sich mit einer Brückenkonstruktion vergleichen, bei der die Vor- und Hinterhand den Brückenpfeilern gleichen. Die eigentliche Brücke wird von der Wirbelsäule und der Rückenmuskulatur gebildet. Stabil wird diese Brücke erst, wenn sich durch das Anspannen der Bauchmuskulatur der Pferderücken nach oben wölbt. Die Bauchmuskulatur stützt also die Wirbelsäule zwischen den zwei Pfeilern und sorgt gleichzeitig dafür, dass sich die Dornfortsätze an den Wirbelkörpern voneinander entfernen. Die dazwischen liegenden Bänder schützen die Wirbelsäule vor einer zu starken Aufkrümmung. Der lange Rückenmuskel ist der wesentliche Stabilisator der „Wirbelbrücke“. Dieser Muskel ist paarig ausgebildet, dass heißt, er befindet sich auf beiden Seiten des Rückens an den Dornfortsätzen. Allein die Ausprägung des langen Rückenmuskels kann dem Tierarzt in vielen Fällen Hinweise auf ein Rückenproblem geben. Dabei gilt: Je stärker dieser Muskel ausgebildet ist, umso besser kann er die empfindlichen Wirbelkörper schützen und stützen. Die gesamte Rückenmuskulatur des Pferdes hat eine stoßdämpfende Funktion, denn die Wirbelsäule wird bei jedem Tritt oder Sprung einer Erschütterung ausgesetzt.
Veränderungen an der Wirbelsäule entstehen schnell, da der Sattel und damit das Reitergewicht zwischen dem 12. und 18. Brustwirbel liegt. Hier sind die Abstände zwischen den Dornfortsätzen enger als an anderen Abschnitten der Wirbelsäule. Wenn keine trainierten Muskeln (an Rücken und Bauch) die Wirbelsäule stabilisieren, bekommt das Pferd schnell ein Problem.
Muskeln bekommt es nur, wenn es im Training lernt, den Rücken aufzuwölben und mit energischen Tritten zu federn. Nur über eine gedehnte Oberlinie mit einem schwingenden, gelösten Rücken wird das Pferd rund und die hierbei kontrahierende Lenden- und Bauchmuskulatur gestattet dem Pferd freies Untertreten.
Infolge der Nichtbeachtung anatomischer Zusammenhänge muss man leider davon ausgehen, dass die meisten Rückenprobleme bei Pferden tatsächlich hausgemacht sind. Wem die dauerhafte Gesunderhaltung seines vierbeinigen Partners am Herzen liegt, wird also durch richtige und regelmäßige Dehnungsgymnastik dafür sorgen, dass es gar nicht dazu kommt.
Häufige Anzeichen für ein ernst zu nehmendes Problem im Bereich des Pferderückens sind:
Zur Seite ausweichen oder Rücken wegdrücken beim putzen, satteln, sowie Probleme beim Nachgurten, Aufsitzen oder Anreiten.
Klammer Gang oder eine ein- oder beidseitige Hinterhandslahmheit.
Mangelnder Raumgriff und schwache Verstärkungen in den Gangarten.
Schwach ausgebildete oder zurückgebildete Rückenmuskulatur.
Schwierigkeiten beim Reiten bei der Längsbiegung, steifes Laufen durch enge Wendungen.
Kopfschlagen, Wehren gegen den Zügel.
Probleme beim Springen (verweigern...).
Im Extremfall: buckeln, steigen, durchgehen oder starr stehen bleiben.
Wenn das Pferd ein oder gar mehrere Symptome aufweist, sollte es einem Tierarzt vorgestellt werden. Dieser wird in der Regel mehr über die Vorgeschichte des Pferdes erfahren wollen, den Rücken eingehend betrachten und gründlich abtasten. Um eine erste Diagnose zu erstellen ist es außerdem erforderlich, dass der Tierarzt das Pferd an der Longe und unter dem Reiter sieht. Beim Abtasten des Rückens testet der Tierarzt, wie das Pferd auf Belastung im Rücken reagiert und erkennt, wo sich Verspannungen befinden.
Die Reaktion des Pferdes auf den Druck kann sich soweit steigern, dass es nach hinten ausschlägt oder „in die Knie“ geht. In diesem Fall muss herausgefunden werden, wo genau die Schmerzen ausgelöst werden. Um die Diagnose auf den Punkt zu bringen, gibt es mehrere Möglichkeiten: Man kann den Rücken des Pferdes röntgen lassen, einzelne Rückenbereiche betäuben, um zu sehen, ob der Schmerz dort sitzt oder in sehr komplizierten Fällen eine szintigraphische Untersuchung machen lassen.
Eine häufige Ursache für Rückenschmerzen sind die sogenannten „Kissing Spines“. Bei dieser Krankheit berühren sich (durch einen untrainierten, durchhängenden Pferderücken) an einer oder mehreren Stellen die Dornfortsätze der Brust- und Lendenwirbel. Die eigentlichen Rückenprobleme entstehen, wenn die Dornfortsätze aneinander scheuern und sich entzünden.
Bestimmte Pferdetypen mit speziellen anatomischen Gegebenheiten (zum Beispiel ein zu langer Rücken oder ein Senkrücken) neigen besonders zu Rückenproblemen. Pferde mit Senkrücken sind eher Kissing-Spine-gefährdet, weil die Dornfortsätze an ihrer durchhängenden Wirbelsäule zum Aneinanderliegen und Überlappen neigen. Allerdings berühren sich die Dornfortsätze beim typischen Alters-Senkrücken nicht zwangsläufig. Wenn ein altes Pferd sich gut längs biegen lässt und in die Tiefe nach vorne streckt, kann es ruhig einen Senkrücken haben.
In den meisten Fällen sind reiterliche Fehler und lang andauernde falsche Einwirkung in Kombination mit nicht artgerechter Haltung die Ursache für Rückenprobleme. Zu wenig Weidegang, langes Stehen in der Box und schlechte Gymnastizierung führen zu einseitiger Belastung und zur Überanstrengung einzelner Rückenpartien. Neben passenden Sätteln und artgerechter Haltung können also vor allem gute Ausbilder und richtiges Reiten verhindern, dass aus dem Röntgenbefund Kissing Spines eine schmerzhafte Krankheit wird.
Für ein Pferd, dass Kissing Spine hat, gilt daher erst recht, was für alle Pferde selbstverständlich sein sollte: Es muss seinen Rücken aufwölben, weil es so die Wirbel und mit ihnen die Dornfortsätze auseinanderzieht. Läuft es verspannt im Hohlkreuz, werden die Dornfortsätze noch stärker aneinander gepresst. Typische Trainingsfehler, die ein Pferd mit Kissing Spine unreitbar machen sind es mit hohem Kopf und weggedrückten Rücken an den Zügel zu zwingen, ihm keine Lösungsphase zu gönnen und es nicht rund zu reiten.
Ständige, andauernde Rückenschmerzen machen viele Kissing-Spine-Pferde unreitbar. Sind die Knochenwucherungen (es lagert sich Kalk ab) verwachsen, werden manche Pferde wieder reitbar, aber ihr Rücken kann nicht mehr so elastisch schwingen und ihre Gänge werden flacher.
Weil sich die verwachsenen Dornfortsätze nicht trennen lassen, ist Kissing Spine unheilbar, aber keine Katastrophe. Entscheidend ist, dass das Pferd zunächst schmerzfrei wird (dazu spritzen die meisten Tierärzte Entzündungshemmer an die betroffene Stelle/n). Dann muss vor allem das Training des Pferdes dauerhaft umgestellt werden. Bei extremen Kissing Spines hilft nur noch eine Operation, bei der die betroffenen Dornfortsätze abgesägt werden. Solche Pferde haben später eine Delle in der Wirbelsäule (können aber nach 3-4 Monaten langsam wieder geritten werden).
Nach den ethischen Grundsätzen ist jeder Reiter dazu angehalten, für die Gesundheit und das Wohlergehen seines Pferdes zu sorgen.
Also sollte auf artgerechte Haltung und „richtiges“ Reiten Wert legen.
Unabhängig von Verwendungszweck und Reitweise, denn sonst sind gesundheitliche Probleme vorprogrammiert!
27. Kolik
"Kolik" ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für Schmerzsymptome,
deren Ursache meist im Bauchraum liegt.
Diese Kolik-Schmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben und bei jedem Pferd jederzeit
auftreten. Die Symptome treten in milden, aber auch in sehr heftigen Verlaufsformen auf und
können unbehandelt schnell lebensbedrohlich werden. Es ist deshalb wichtig, dass die Erkrankung
frühzeitig erkannt wird und eine qualifizierte tierärztliche Untersuchung und Behandlung erfolgt.
Symptome:
Das Kolikverhalten kann individuell sehr unterschiedlich sein und hängt von der Stärke der
Schmerzen ab.
Häufige und typische Symptome sind:
- Scharren
- Umschauen zum Bauch
- Wälzen, besonders häufiges und heftiges Wälzen
- Unter den Bauch treten
- Wiederholtes Hinlegen und Aufstehen - Flehmen
- Schwitzen
- Verweigern des Futteraufnahme
- Hundeartiges Sitzen oder auf dem Rücken liegen
- Schnelle Atmung und geblähte Nüstern
- Erhöhte Pulsfrequenz (mehr als 60/min)
- Fehlende oder reduzierte Darmgeräusche
- Pferd stellt sich hin, als ob es Wasserlassen wollte
- Gerötete Schleimhäute
Aber auch sehr milde Symptome wie eine allgemeine Mattigkeit, reduzierte Futteraufnahme oder
ungewohntes Hinlegen am Tag können Hinweis auf eine beginnende Kolikerkrankung sein. Bei
einer schweren Kolik mit Darmeinklemmungen oder Drehungen zeigen die Pferde im Anfangsstadium
heftigste Schmerzsymptome mit unkontrollierbarem Hinschmeißen und starkem Schwitzen.
Im weiteren Verlauf kann es dann manchmal zu einer scheinbaren, vorübergehenden "Besserung"
kommen. Die Pferde wirken zwar etwas ruhiger, trocknen ab, haben aber immer noch eine zu hohe
Pulsfrequenz.
In diesem Stadium ist höchste Eile geboten und der sofortige Transport in eine Pferdeklinik notwendig.
Wenn Pferde während einer Kolikerkrankung Kot absetzen, bedeutet das nicht zwingend,
dass sie auf dem Wege der Besserung sind.
Selbst schwer kranke Pferde können noch über Stunden meist kleine Mengen Kot absetzen. Durchfall
mit wässriger Kotkonsistenz ist beim Pferd wegen des starken Flüssigkeitsverlustes immer ein lebensbedrohlicher
Zustand und erfordert unverzüglich intensive tierärztliche Behandlung!
Ursache der Kolik:
Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die eine Kolik auslösen können.
Anatomische Gründe: Durch die anatomischen Besonderheiten des Pferdedarmes kann es sehr
leicht zu Darmverlagerungen, Drehungen oder Einklemmungen des Darmes kommen. Diese
Formen verlaufen oft lebensbedrohlich und erfordern meist eine chirurgische Therapie.
Funktionsstörungen des Pferdedarmes kommen sehr häufig vor und bewirken bei reduzierter
Peristaltik (Darmlähmung) Aufgasungen (Gaskolik) und Verstopfungen. Bei krankhaft erhöhter
Darmbewegung (spastische Kolik) kann es ebenfalls zu starker Koliksymptomatik kommen.
Kolik beim Pferd:
Informationen für Pferdebesitzer
Darmentzündungen verursachen lebensbedrohliche Durchfälle und sind Folge von verschiedenen
Stressfaktoren.
Weitere häufige Kolik-Ursachen sind Schäden durch Parasitenbefall ("Würmer"), Sandverstopfungen,
Magengeschwüre.
Erste Maßnahmen bei einer Kolik:
Die Zeit ist ein entscheidender Faktor, ob eine Kolik erfolgreich behandelt werden kann. Bei Verdacht
auf Kolik sollte deshalb unverzüglich der Tierarzt benachrichtigt werden. Damit er den Ernst
der Lage richtig beurteilen kann, sollten ihm schon am Telefon die wichtigsten Symptome sowie
die Puls- und Atemfrequenzen und die rektal gemessene Körpertemperatur mitgeteilt werden.
Bis zum Eintreffen des Tierarztes sollten folgende Maßnahmen durchgeführt werden:
- Vermeidung jeder Futter- und Wasseraufnahme
- Große, gut eingestreute Box
- Verletzungsgefahr minimieren
Das Pferd darf sich hinlegen und auch wälzen. Bei milden Koliksymptomen kann das Pferd an der
Hand geführt werden. Es sollte auf keinen Fall belastet werden.
Wenn sich das Pferd heftig wälzt oder sich unkontrollierbar niederschmeißt (hohe Verletzungsgefahr
für Mensch und Pferd!), sollte es in eine dick eingestreute Box oder in eine Reithalle verbracht
und die Ankunft des Tierarztes abgewartet werden.
Keine Medikamente verabreichen, ohne dass der Tierarzt dazu aufgefordert hat. Kot- oder Urinabsatz
beobachten. Hilfspersonen organisieren, Transportvorbereitungen treffen.
Untersuchungen durch den Tierarzt:
Der Tierarzt wird versuchen, Ursache und Schweregrad der Kolik festzustellen. Er benötigt dazu
genaue Informationen über Dauer und Art der Koliksymptome, Konsistenz und Häufigkeit des
Kotabsatzes, Zeitpunkt der letzten Fütterung und Futterzusammenstellung, etwaige Futterumstellungen,
Besonderheiten von Training und Belastung, die medizinische Vorgeschichte mit Impfungen,
Entwurmungen, früher aufgetretenen Kolikerkrankungen, etc. sowie bei Stuten und Deckhengsten
die züchterische Vorgeschichte mit Deckdatum, Trächtigkeitsstadium, Auffälligkeiten beim
Deckakt, etc..
Durch eine sorgfältige klinische Untersuchung wird zunächst die aktuelle Kreislaufsituation überprüft.
Neben der Kontrolle der Herz- und Atemfrequenz und der Schleimhäute sowie der Hautspannung
wird ggf. über eine Blutuntersuchung (Bestimmung des Hämatokrites und des Gesamteiweißgehaltes)
der Flüssigkeitshaushalt des Pferdes überprüft.
Über die rektale Untersuchung erhält der Tierarzt Informationen über Lage, Konsistenz und Füllungszustand
(Aufgasung, Verstopfung) der Darmorgane, die im hinteren Drittel der Bauchhöhle liegen.
Das Einbringen der Nasenschlundsonde in den Magen wird durchgeführt, um den Füllungszustand
des Magens zu überprüfen und ihn ggf. zu entleeren (Magenspülung).
Wenn aufgrund eines Passagehindernisses Dünndarminhalt oder Gas zurück in den Magen gedrückt
wird (sog. Reflux), muss dieser über die Nasenschlundsonde "abgehebert" werden, da es ansonsten
zu einer tödlich verlaufenden Magenruptur (der Magen platzt) kommen kann.
Weitere spezielle Untersuchungen sind die Bauchhöhlenpunktion zur Überprüfung der Bauchhöhlenflüssigkeit,
die Ultraschall- und Röntgenuntersuchung der Bauchhöhle, welche besonders beim
Fohlen Anwendung findet.
Behandlung:
Der Tierarzt trifft nach seiner Untersuchung die Entscheidung, ob die Kolik konservativ mit Medikamenten)
oder chirurgisch behandelt werden muss. Die Entscheidung für die Einweisung in eine
entsprechende Klinik kann unter Umständen auch erst im weiteren Verlauf der Erkrankung getroffen
werden, wenn sich die Symptome trotz medikamenteller Behandlung nicht verbessern. Durch
Injektion von krampflösenden und schmerzstillenden Medikamenten gelingt es in den meisten
Fällen, dem Pferd zu helfen.
28. Koppen
Wenn der Mensch sich langweilt oder unterfordert ist, dann hat er glücklicherweise viele Möglichkeiten, diesen Zustand zu ändern. Er kann sich beispielsweise ein Hobby suchen, das ihn ausfüllt oder er trifft sich mit ein paar Freunden auf einen gemütlichen Kaffee. Pferde können diesen Missstand aus eigener Initiative heraus nicht lösen. Sie sind auf ihren Besitzer angewiesen, der dem Pferd eine möglichst artgerechte Haltung ermöglicht. Wird diese dem Pferd verwehrt, so können sich daraus leicht Verhaltensstörungen, wie beispielsweise das Koppen, entwickeln.
Was ist Koppen?
Koppen bezeichnet die Öffnung des Schlundkopfes durch die Anspannung der unteren Halsmuskulatur. In Folge dessen kommt es beim Pferd zu einer Lufteinströmung in die Speiseröhre und zur Entwicklung eines, für das Koppen charakteristischen Tons. Das Koppen ist also am ehesten mit einem „gewollten Rülpser“ zu vergleichen.
Da das Koppen eine Handlung ist, die vom Pferd regelmäßig wiederholt wird, dabei aber keinen offensichtlichen Sinn erfüllt, spricht man beim Koppen auch von einer oralen Stereotypie, die dem Pferd, durch die Ausschüttung von Endorphinen, ein angenehmes Gefühl beschert.
Pferde koppen gewöhnlich nicht den ganzen Tag, sondern häufig wird dieses Fehlverhalten durch bestimmte Reize, wie beispielsweise die Gabe von Futter ausgelöst. Aus diesem Grund kann man bei den meisten betroffenen Pferden ein verstärktes Koppen vor, während und nach der Fütterung beobachten.
Aufsetzkopper vs. Freikopper
Ganz grundsätzlich gibt es unter Pferden zwei verschiedene Arten von Koppern. Bei einem Aufsetzkopper, setzt das Pferd mit seinen Schneidezähnen auf einem bestimmten Gegenstand, wie beispielsweise seiner Futterkrippe auf, um dann den Koppvorgang auszuführen. Ein Freikopper benötigt zum Koppen keinerlei „Hilfsmittel“. Er bewegt seinen Hals beim Koppen in Richtung Brust und lässt ihn während des Koppens nach vorne schnellen. Häufig entwickeln sich Aufsetzkopper zu Freikoppern, wenn ihnen die Möglichkeiten zum Aufsetzen genommen werden.
Warum koppen Pferde?
Die Ursache des Koppens ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Da allerdings vorzugsweise Pferde zum Koppen neigen, die nicht artgerecht gehalten werden, sprich zu wenig Bewegung, Beschäftigungsmöglichkeiten, Weidegang und Kontakt zu Artgenossen haben, scheint es nah zu liegen, das diese Verhaltensstörung daraus resultiert. Viele Pferde versuchen sich mit dem Koppen also ihre Langeweile zu vertreiben oder ihren Stress zu kompensieren.
Unabhängig von der Haltungsweise eines Pferdes scheint es aber auch eine genetische Prädisposition zum Koppen zu geben, wie Hengstlinien beweisen, in denen 30 % aller Nachkommen zum Koppen neigen.
In seltenen Fällen kann es auch vorkommen, dass andere Pferde sich das Koppen abschauen. Aus diesem Grund werden koppende Pferde in Stallgemeinschaften nicht sehr gerne gesehen.
Ist Koppen gesundheitsschädlich?
Durch Koppen, besonders bei Aufsetzkoppern, kommt es im Laufe der Zeit nicht nur zu einer verstärkten Abnutzung der Zähne, sondern auch zu einer starken Ausprägung der Halsmuskulatur. Signifikante gesundheitliche Risiken konnten bis heute im Zusammenhang mit dem Koppen jedoch nicht nachgewiesen werden. Dies gilt auch für einen vermuteten Zusammenhang zwischen dem Koppen und der Entstehung einer Kolik.
Welche Therapien gibt es für Kopper?
Die schlechte Nachricht zuerst. Koppt ein Pferd erstmal, dann ist dies Chance ihm dieses Fehlverhalten abzugewöhnen relativ gering. Dennoch gibt es Möglichkeiten den Umfang des Koppens zu reduzieren.
In erster Linie sollte man bei einem Kopper überprüfen inwiefern dessen Haltung zu optimieren ist. Wenn möglich, dann sollte sich das Pferd so wenig Zeit wie möglich in seiner Box aufhalten, sondern zusammen mit Artgenossen den Auslauf auf der Koppel genießen, so das Langeweile gar nicht erst entstehen kann.
In manchen Fällen wird den Besitzern von koppenden Pferden auch dazu geraten einen so genannten Koppriemen für ihr Pferd anzuschaffen. Bei einem Koppriemen handelt es sich um eine Art Lederhalsband, das am Hals des Pferdes, direkt vor dessen Kehlkopf angebracht wird. Auf diese Weise versucht man zwar die Kontraktion der Halsmuskulatur zu unterbinden, das eigentliche Problem beseitigt man dadurch jedoch nicht.
In bestimmten Fällen, beispielsweise, wenn das Pferd Aufsetzkopper ist und noch nicht sehr lange koppt, kann ihm unter Umständen auch eine Operation helfen. Im Rahmen einer Kopp-Operation werden die zum Koppen notwendigen Halsmuskeln funktionsunfähig gemacht indem ein bestimmtes Nervenstück am großen Halsbeuger, und ein Teil des Muskels des kurzen Halsbeugers entfernt werden. Nach erfolgreicher Operation hat das Pferd also nicht mehr die „Kraft“ zum Koppen aufzusetzen. Aber ähnlich wie beim Koppriemen wird das Koppen zwar unterbunden, der Auslöser für das Koppen wird jedoch unbeachtet gelassen.
29. Kreuzverschlag
Symptome:
Die Symptome treten meist recht plötzlich zu Beginn größerer körperlicher Belastungen des Tieres auf. Das Pferd beginnt stark zu schwitzen, mag sich nicht mehr bewegen, drückt häufig den Rücken nach unten und geht in eine "Sägebockhaltung", stellt also die Vorderbeine nach vorne und die Hinterbeine nach hinten heraus. In sehr schweren Fällen versucht es eventuell auch sich hinzulegen. Der Herzschlag ist beschleunigt, ebenfalls kann Fieber auftreten. Insgesamt ist die Muskulatur verhärtet, besonders auf Rücken und Kruppe.
Ursachen:
Grund für das Auftreten der Krankheit ist eine Stoffwechselstörung. Ist in der Muskulatur zuviel Glykogen gespeichert, kann nicht ausreichend Sauerstoff bereit gestellt werden, um die bei Beanspruchung der Muskeln entstehenden Abbauprodukte wie Laktat zu entsorgen. In der Folge übersäuern die Muskeln und versagen, im schlimmsten Fall können sogar Muskelzellen zerstört werden. Myoglobin, für die Speicherung von Sauerstoff in der Muskulatur zuständig, geht in den Blutkreislauf über und wird über die Niere ausgeschieden.
Kreuzverschlag tritt dann auf, wenn Pferde zu viele Kohlenhydrate über die Nahrung aufnehmen. Diese werden in Glukose umgewandelt und diese wiederum als Glykogen in den Muskeln gespeichert, die daraus ihre Energie beziehen. Wird nun mehr Glykogen gespeichert, als die Muskeln durch Beanspruchung verbrauchen, kommt es zu der beschriebenen Stoffwechelstörung. Verstärkt tritt Kreuzverschlag bei Pferden nach Stehtagen auf, wenn die Futterration nicht reduziert wird, oder bei Pferden, die unregelmäßig bewegt werden, jedoch durchgängig die gleiche Futtermenge erhalten. Allerdings können auch regelmäßig trainierte Sportpferde betroffen sein.
Verhalten im Krankheitsfall
Das Pferd darf auf keinen Fall weiter bewegt werden, es ist unverzüglich ein Tierarzt hinzuzuziehen. Befindet sich das Pferd auf einem Ausritt, sollte es wenn möglich mit einem Hänger abgeholt werden, da jede weitere Beanspruchung der Muskulatur zu einer Verschlechterung des Zustands führt.
30. Lahmheiten beim Pferd
Was ist Lahmheit?
Eine Abnormalität der Gangart, welche durch Schmerz und / oder Bewegungseinschränkung verursacht wird.
Die häufigsten Ursachen von Lahmheit.
Die Grundprozesse, welche Erkrankungen auslösen, sind:
- degenerative, entwicklungsbeeinflussende
- allergische, autoimmune
- stoffwechselbedingte, mechanische
- neoplastische (Tumor), ernährungsbedingte
- infektiöse, entzündliche, das Immunsystem betreffende, niedrigen Blutfluss bringende, von Menschen herbeigeführte, unbekannte
- traumatische oder toxische Prozesse.
Die häufigsten Ursachen von Lahmheit fallen in diese Kategorien:
Degenerative, z.B. degenerative Gelenkerkrankungen (DJD, oder Osteoarthritis)
Entwicklungsbedingte, z.B. Osteochondrosis (OCD), Physitis (Epiphysitis)
Stoffwechselbedingte, z.B. Hufrehe (Zerbrechen), anstrengungsbedingte Rhabdomyolysis (angebunden sein)
Mechanische, z.B. Überlastung einer Struktur, entweder plötzlich und massiv oder wiederholt am Rande (Abnutzung)
Infektiöse, z.B. Fuß Abszess, infizierte Wunde, Cellulitis, Gelenkerkrankung
Entzündliche - meist eine wichtige Komponente für viele Lahmheiten
Traumatische, z.B. Verletzung (externes Trauma)
Den Ort des Problems identifizieren.
Welches Bein?
Beobachtung ist der Schlüssel zur Identifikation des lahmenden Beines:
Anormale Haltung, z.B. die Zehe zeigen, ein Bein mehr als das andere Ausruhen, abgesetzte Fessel
Anormale Bewegungen - Kopfnicken (Vorderbein-Lahmheit), Hüftwandern (Hinterbein-Lahmheit)
Reduzierter Bogen des Fußaufsetzens - oft als Versteifung oder Widerwillen angesehen, die Gliedmaßen normal zu beugen
Verkürztes Schreiten, längenverkürzte Schwing-Phase des Schreitens
Anormale Fußhaltung, z.B. mit der Zehe zuerst aufsetzen, um die Ferse zu schonen
Die Gangart des Pferdes bewerten:
auf einer glatten, ebenen Oberfläche
beim Gehen und Traben
in einer gerade Linie und im Kreis (geführt, longiert oder in einem runden Stall)
- stellen Sie sicher, dass das Pferd an einer lockeren Leine oder Longierleine läuft
- beobachten Sie das Pferd beim Laufen in beide Richtungen im Kreis
von der Seite, von vorn und von hinten
auf verschiedenen Oberflächen, z.B. harte und weiche Oberflächen
Denken Sie daran, dass es Probleme in mehr als einem Bein haben kann.
Die Ursache ergründen: Grundfertigkeiten.
Um die genaue Problemzone zu lokalisieren, benötigen Sie nur Ihre Augen und Ihre Hände.
Drei Fertigkeiten sind gefragt: Beobachtung, Abtasten und Manipulation.
Beobachtung:
Beurteilen Sie die Symmetrie zwischen den linken und den rechten Beinen sowie zwischen den Innenseiten und Außenseiten des normalerweise symmetrischen Körperbaus.
Wenn Asymmetrie vorhanden ist: wird sie durch Vergrößerung, z.B. Schwellung, oder Verkleinerung von Gewebemasse verursacht?
Abtasten:
Erfühlen Sie Hitze, Schwellungen, Schmerz und Veränderungen in Spannkraft und Beschaffenheit des Gewebes.
Charakterisieren Sie eventuelle Schwellungen als hart, fest, weich oder flüssigkeitsgefüllt.
Manipulation:
Bewegen Sie das Bein oder das Gewebe so, wie es normalerweise bewegt werden würde
Stellen Sie fest, ob Schmerz, ein veränderter Bewegungsumfang (verkürzt oder erweitert) und / oder Krepitation, ein knirschendes, knackendes Geräusch, vorhanden ist.
Benutzen Sie diese Fertigkeiten, um die fünf grundlegenden Anzeichen einer Entzündung zu identifizieren:
Schmerz
Hitze
Schwellung
Rötung
Funktionalitätsverlust
Bestimmte Gebiete genauer untersuchen.
Passen Sie Ihre Untersuchung der zu überprüfenden Struktur an:
Der Fuß - die häufigste Stelle von Lahmheit.
Beobachtung - Symmetrie der Hufwand; Integrität der Hufwand (Risse, Ausbuchtungen, etc.) und Sohlenfläche (Beschädigungen, Fremdobjekte, etc.); Absonderungen, Verfärbungen oder Gerüche; Hufeisen und Hufnägel.
Abtasten - Kronbein Band (Schmerz, Schwellungen, Vertiefungen); Sohlen; Puls mit dem Finger prüfen (an der Fessel).
Manipulation - Bewegen Sie die Beine unabhängig voneinander; klopfen Sie die Hufwandfläche ab; benutzen Sie die Hufuntersuchungszange, wenn Sie eine zur Hand haben.
Gelenke
Beobachtung - Schwellung, Position (Winkel).
Abtasten - Art der Schwellung, Hitze, Schmerz.
Manipulation - Beugen und Strecken des Gelenkes, auf Schmerz und veränderte Motorik achten.
Knochen
Beobachtung - Schwellung.
Abtasten - Art der Schwellung, Hitze, Schmerz.
Manipulation - Schmerz, Instabilität, knirschende, knackende Geräusche.
Sehnen und Bänder
Beobachtung - Schwellung.
Abtasten - Schwellung (eine leichte Schwellung kann manchmal für das Auge nicht sichtbar sein), Ort der Schwellung (in oder um sie herum?), Hitze, Schmerz, Änderung in der Spannkraft und Beschaffenheit des Gewebes. Betasten Sie, wenn möglich, auch die Seiten, an denen die Sehnen und Bänder am Knochen befestigt sind.
Manipulation - Schmerz, Instabilität des dazugehörigen Gelenkes.
Muskeln
Beobachtung - Schwellungen oder Atrophie (Verkümmerung von Muskelmasse).
Abtasten - Schmerz, Änderung in der Spannkraft und Beschaffenheit des Gewebes, knirschende oder knackende Geräusche, Hitze oder Kälte.
Manipulation - Schmerz, eingeschränkter Bewegungsumfang in den zugehörigen Gelenken.
Nacken und Rücken
Der Nacken und der Rücken bestehen aus einer komplexen Anordnung von Knochen, Gelenken, Bändern und Muskeln.
Beobachtung - Symmetrie, Körperhaltung, Kontur.
Abtasten - Art von Schwellungen, Schmerz, Änderung in der Muskelspannkraft und Beschaffenheit des Gewebes.
Manipulation - Schmerz, Widerwillen gegen Beugung oder Streckung, eingeschränkter Bewegungsumfang.
Andere mögliche Ursachen von Lahmheit.
Beachten Sie auch die folgenden möglichen Ursachen von Lahmheit:
die Haut
das Nervensystem (Gehirn, Rückenmark, Nerven)
Zaumzeug und insbesondere der Sattel
der Reiter (Zaumzeug)
Interpretation Ihrer Feststellungen.
1. Die Schmerzempfindung muss wiederholbar sein, um Gültigkeit zu besitzen:
- wenn Sie die betreffende Stelle wiederholt überprüfen, sollten Sie jedes Mal die gleiche oder stärkere Reaktion bei Abtasten oder Manipulation erhalten.
- die Schmerzreaktion kann gering sein, z.B. Anspannung, Kopfbewegung, um Sie anzuschauen, sich von Ihrer Hand fortbewegen, - aber wenn sie wiederholbar ist, ist sie wahrscheinlich von Bedeutung.
2. Vorausgesetzt, das andere Bein ist normal, benutzen Sie es als Vergleich, wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Feststellungen von Bedeutung sind.
3. Die meisten Lahmheiten finden sich in oder am Knie oder Sprunggelenk.
4. Eine spezifische Diagnose ist oft nicht möglich ohne tierärztliche Untersuchung und Röntgenaufnahmen.
Tierärztliche Untersuchung.
Veterinäre benutzen die folgenden Methoden, um Lahmheit und ihre Ursache festzustellen:
Physische Untersuchung (Beobachtung, Abtasten, Manipulation)
Bewertung der Gangart
Elastizitätstest des Gelenkes
Diagnostische Anästhesie
- örtliche Nerven- und Gelenkblockaden
Diagnostische Bilddarstellung
- die gewählte Methode hängt von der Vermutung des Veterinärs ab
- Röntgenaufnahmen - Knochen und Gelenke
- Ultrasonographie - Weichteilprobleme, wie Sehnen- und Bänderverletzungen sowie Gelenkoberflächen
- Thermographie - Körperoberflächentemperatur bildlich dargestellt, um Entzündungen (erhöhte Temperatur) oder reduzierte Blutbewegung (niedrigere Temperatur) zu erkennen
- nukleare Szintigraphie (Ultraschallaufnahme des Knochens) - Erkennen von Weichteilentzündungen und von Knochen oder Gelenkproblemen
- Computer-Tomographie (CT) - jedes Gewebe, jedoch meistens für Knochenprobleme genutzt
- Magnetische Resonanz Tomographie (MRT) - meist Weichteilgewebe und Gelenkoberflächen
Therapeutische Tests - vermutete Diagnose aufgrund der Reaktion auf die Behandlung
31. Mauke
Mauke ist eine lästige Hauterkrankung des Pferdes, die medizinisch als Fesselekzem bezeichnet wird. Obwohl Mauke sehr weit verbreitet ist, stellt sich die Therapie oft als mühselig und langwierig dar und es hat sich bislang keine allgemeingültige Behandlungsmethode durchsetzen können. Es gibt wohl kaum eine Erkrankung beim Pferd, die so viele Therapieansätze und Meinungen hervor gebracht hat, wie die klassische Mauke. Das mag zum einen an dem extrem variierenden klinischen Erscheinungsbild mit verschiedenen wechselnden Erregern liegen zum anderen an den vielen überlieferten Hausrezepten. Berücksichtigt man aber ein paar Regeln, ist Mauke durchaus gut behandelbar.
Ursachen der Mauke:
Ungünstige zu feuchte Haltunsbedingungen
Mangelnde Hygiene
Genetisch bedingte ungünstige Bedingungen in der Fesselbeuge
In vielen Fällen spielen mehrere Ursachen gleichzeitig eine Rolle.
Unter ungünstigen Haltungsbedingungen ist eine andauernde zu hohe Feuchtigkeit des Bodens zu verstehen. Dies kann die feuchte Einstreu sein aber vor allem auch der Matschpaddock. Wird es dann witterungsbedingt auch noch feuchtkalt, verringert sich die Hautelastizität und Risse in der Haut werden begünstigt.
Bei mangelhafter Hygiene ist die Anzahl der Erreger im Boden oder der Einstreu wesentlich erhöht. Je mehr Erreger darauf lauern anzugreifen, desto größer ist die Chance, dass es auch wirklich zur Infektion bzw. Mauke kommt.
Pferde, die Rassebedingt einen langen dichten Behang in der Fesselbeuge haben, neigen auf Grund des gestörten Feuchtigkeitshaushaltes und einer gestörten Hautbildung ausnahmslos zu Maukebildung
Im Ursprungsgebiet der Pferde, in trockenen keimarmen Steppengebieten, wo natürliche Pferderassen einen normalen Haarwuchs in der Fesselbeuge haben, wird man keine Mauke finden.
Erscheinungsform der Mauke:
Die klassische Mauke tritt in erster Linie in der Fesselbeuge auf. Besonders betroffen sind Füße deren Haut unpigmentiert ist ( weiße Abzeichen ). Pferde mit starkem Fesselbehang sind häufiger betroffen, insbesondere Friesen, Tinker und Kaltblüter. Diese Rassen besitzen häufig eine unnatürlich verdickte Haut ( Rasse bzw. genetisch bedingt ) im Bereich der Fessel. Aufgrund der zu starken Hornschichtbildung und dem gestörten Feuchtigkeitshaushalt durch den langen und dichten Behang entstehen Risse und Schäden in der Haut, die ein Einnisten von Erregern begünstigen. Prinzipiell kann es aber jede Pferderasse betreffen.
Von der Ursache, aber insbesondere auch von der Dauer der Erkrankung ist die Erscheinungsform abhängig.
Es beginnt mit kleine Verletzungen oder einer Reizung der Haut. Da die oberste Schicht der Haut (Epidermis) geschädigt wird haben Krankheitserreger die Möglichkeit sich anzuheften, in die Schadstellen einzudringen und zu vermehren. In frühen Stadien der Erkrankung sind nur die obersten Schichten der Haut betroffen. Die Haut ist gerötet, schmerzhaft, und mit zum Teil verkrustetem eitrigem Sekret bedeckt.
Mit zunehmendem Krankheitsverlauf werden die tieferen Schichten der Haut befallen. Die Krusten werden größer und flächiger. Sie enthalten neben den Entzündungssekreten abgestorbenen Epithelzellen, Haare, Schmutz und Bakterien. Die Wundflächen reißen bei Belastung immer wieder blutig auf. Es entstehen Falten und tiefe Risse in der Haut. Eine spontane Heilungstendenz dieser Risse und Falten ist nur selten zu erkennen – die Mauke wird chronisch. Die Haut ist nun nicht mehr in der Lage die Erreger selbst ausreichend zu bekämpfen. Oft wird die Haut dann flächig wund, erscheint rosarot mit feuchten entzündlichen Ausschwitzungen und nur noch vereinzelten Haarstummeln.
Besteht die Mauke über einen sehr langen Zeitraum, werden die obersten Hautschichten vollständig zerstört. Durch den chronischen Entzündungsreiz wird stark wucherndes Granulationsgewebe („wildes Fleich“) gebildet. Diese Erscheinungsform bezeichnet man als papilomatöse Mauke. Die Haut ist verdickt, die Oberfläche ist uneben, warzenartig und mit zum Teil sehr tiefen Furchen durchzogen ( Warzen- oder Schwielenmauke ).
Verfasser des Artikels ist Jos Richter, Pferdeklinik Großostheim
Mauke ist eine lästige Hauterkrankung des Pferdes, die medizinisch als Fesselekzem bezeichnet wird. Obwohl Mauke sehr weit verbreitet ist, stellt sich die Therapie oft als mühselig und langwierig dar und es hat sich bislang keine allgemeingültige Behandlungsmethode durchsetzen können. Es gibt wohl kaum eine Erkrankung beim Pferd, die so viele Therapieansätze und Meinungen hervor gebracht hat, wie die klassische Mauke. Das mag zum einen an dem extrem variierenden klinischen Erscheinungsbild mit verschiedenen wechselnden Erregern liegen zum anderen an den vielen überlieferten Hausrezepten. Berücksichtigt man aber ein paar Regeln, ist Mauke durchaus gut behandelbar.
Pathologie der Mauke:
Zunächst muss man die Mauke als eine bakterielle Infektion der Haut (bakterielle Dermatitis) verstehen. Über eine Eintrittspforte, meist kleine Schäden in der Haut, gelangen Keime in den Organismus. Wenn die Bedingungen (Feuchtigkeit, Wärme, gute Haftungsbedingungen ) für den Erreger optimal sind, kann er sich vermehren, und sein zerstörerisches Werk beginnt. Hautschicht um Hautschicht wird angegriffen, und langsam durch Eiweiß auflösende (proteolytische) Enzyme geschädigt. Diese Enzyme sind in der Lage Zellen anzugreifen und Proteine innerhalb und außerhalb der Zellen aufzulösen. Durch den Auflösungsprozess wird die Haut weich und noch leichter angreifbar. Der Erreger kann sich immer weiter ausbreiten, und bereitet den Nährboden für weitere bakterielle Keime oder Hautparasiten wie zum Beispiel Milben. Meist lassen sich bei einer Tupferprobe gleich mehrerer Bakterienarten differenzieren. Im weiteren Verlauf können sich auch noch Hautpilze auf der vorgeschädigten Haut verankern und vermehren. Man spricht jetzt von einer Mischinfektion.
Das Immunsystem des Körpers reagiert mit einer Entzündungsreaktion. Die betroffenen Hautpartien werden stärker durchblutet, Zellen der Immunabwehr werden in die Region entsandt, das gesamte Gewebe schwillt an. Je nach Stärke der Reaktion tritt wässriges (seröses) Entzündungssekret aus, was mit Bakterien, Blut, Schmutzpartikeln und Haaren eine Kruste bildet. Unter dieser Kruste fühlt sich der Bakteriencoktail, die Pilze und die Hautparasiten besonders wohl und kann sich ungestört vermehren.
Sobald die Wachstumsschicht der Haut (Papillarkörper) betroffen ist, kommt es zu ungerichteten Wachstum des Wundgewebes. Der Organismus versucht den entstandenen Defekt durch neues Gewebe zu reparieren. Allerdings wird durch die fortschreitende Entzündung der Prozess erheblich gestört. Es beginnt eine überschießende, ungerichtete Gewebsproduktion, wildes Fleisch entsteht und man spricht jetzt von Warzen- oder Schwielenmauke.
Therapie der Mauke:
Mauke ist eine Erkrankung die neben der individuellen Anfälligkeit besonders mangelnde Sauberkeit und Hygiene sowie feuchte Bodenbedingungen als Ursache hat.
So muss man bei der Therapie nicht nur die akute Entzündung behandeln, sondern auch etwas an der Umgebung bzw. den Haltungsbedingungen des Pferdes ändern. Ist man dazu nicht bereit, ist jede Therapie vergeblich.
Der Fesselbehang sollte nach Möglichkeit nicht geschoren werden. Ein langer Behang kann zwar gekürzt werden, werden die Haare aber zu kurz abgeschnitten, kommt es nur zu weiteren Reizungen, weil die Haarwurzeln irritiert werden.
Man sollte die Fesselbeuge zu Beginn der Behandlung einmalig mit milden Seifenprodukten ( Jod-, Schmier- oder Kernseife ) gründlich auswaschen. Dabei sind die Krusten aufzuweichen und gründlich zu entfernen. Alles Krustenmaterial muss vollständig entfernt werden. Auch die Furchen und Falten müssen krustenfrei sein.
Zu häufiges waschen ist kontraproduktiv, da durch die Seifen der pH-Wert der Haut und der Fettgehalt empfindlich gestört wird. Bei sehr starken Verkrustungen empfiehlt es sich zunächst mit nassen Verbänden (z.b. Rivanol) über Nacht die Krusten aufzuweichen und zu desinfizieren. Nach dieser ersten Säuberung sollte kein Wasser mehr ans Bein, da die Haut sonst aufquillt, was schädlich ist. Weitere Reinigungen nur noch trocken durchführen.
Man kann sich das vorstellen wie bei einem Schwammtuch, das man frisch gekauft hat. Solange es in seiner original Plastikpackung eingeschlossen ist, ist es weder zu trocken noch zu feucht – die Verpackung verhindert austrocknen oder aufquellen und es ist wunderbar elastisch – die Feuchtigkeitsbarriere funktioniert. Genauso verhält es sich mit der Haut. Solange die Feuchtigkeitsbarriere der Haut gesund und funktionsfähig ist, trocknet sie weder aus noch quillt sie bei Feuchtigkeit zu sehr auf und sie bleibt elastisch. Ist diese Barriere nicht mehr funktionsfähig, wie dies bei der Mauke der Fall ist, muss man die Haut entsprechend schützen.
Nach dem Waschen sollten antibiotische und cortisonhaltige Präparate aufgetragen werden. Diese sorgen für eine Rückfettung der Haut, sollen eine überschießende Entzündungsreaktion eindämmen und die Keime abtöten. Cortisonhaltige Präparate sollten nicht über einen längeren Zeitraum eingesetzt werden, da sie die hauteigene Regenerationsfähigkeit auf Dauer empfindlich stören. Beim Einsatz der richtigen Präparate genügen 3 Tage um die Haut zu beruhigen und die Erreger abzutöten. Am ersten Tag der Behandlung ist oft auch ein zusätzliches Präparat, das gegen Parasiten wirkt, sinnvoll.
Besonders geeignet sind Lotionen, da sie eine erneute Verklebung mit Staub und Bakterien verhindern. Sehr fettige Salben (Melkfett) dringen nicht in die Haut ein, sie bleiben an der Oberfläche haften und bilden einen nahezu luftdichten Verschluss. Weiterer Schmutz und Keime bleiben leicht an der fettigen Schicht haften und die Mauke kann weiter blühen.
Optimal wäre es, wenn die ersten 3 Tage Verbände angelegt werden können, da in dieser Zeit der Feuchtigkeitshaushalt von der Haut noch nicht geregelt werden kann und man somit die Haut schützt. Die Haut kann sich unter dem Verband weder mit Feuchtigkeit voll saugen noch austrocknen, was beides schädlich ist.
Nach der Anfangsbehandlung muss die Haut bis zur Abheilung mit geeigneten Zinkpasten geschützt werden, um somit eine externe Feuchtigkeitsbarriere zu schaffen und die Haut geschmeidig zu halten ohne sie aufzuweichen.
Bei der glücklicher weise seltenen Warzenmauke bleibt häufig nur die chirurgische Alternative. Die Warzen werden chirurgisch abgetragen. Eventuell müssen kleine Hautinseln als Keimzentren transplantiert werden. Postoperativ wird mit speziellen Salben und Verbänden ein erneutes Überschießen des Granulationsgewebes verhindert. Eine derartige Behandlung ist extrem aufwendig und kann sich über Wochen und Monate hinziehen. Die Prognose für eine derartige Therapie ist sehr vorsichtig zu stellen. Eine Heilung im Sinne der vollständigen Wiederherstellung einer gesunden Haut ist bei diesen Extremfällen in der Regel nicht zu erreichen.
Vorbeugende Maßnahmen:
Regelung der Bodenfeuchtigkeit von Auslauf und Einstreu
Hygiene
Schutz der Haut
In den letzten Jahren hat sich sehr viel in der Pferdehaltung verändert. Die Ställe sind größer geworden, immer mehr Pferde werden in Offenställen gehalten, viele Boxen sind mit angrenzendem Paddock ausgestattet. In den meisten Gebieten steht aber dennoch nicht so viel Raum pro Pferd zur Verfügung, dass nicht typische Überlastungserscheinungen der genutzten Flächen auftreten würden. Der „klassische Matschpaddock“ ist die ideale Grundlage für Mauke.
So spielt die Hygiene und Feutigkeitsregulation der stark beanspruchten Flächen eine entscheidende Rolle in der Prophylaxe der Mauke. Wichtig ist, die Flächen entsprechend ihrer Belastung zu präparieren. An besonders neuralgischen Punkten, wie Futterständen oder Wasserstellen muss über eine Befestigung des Untergrunds nachgedacht werden. Auch bei Winterausläufen oder Paddocks, die über keine entsprechenden Drainagen verfügen, sollte eine dauerhafte Trockenlegung der Tretschicht in Erwägung gezogen werden. Holzschnitzel und Schottersandgemische als Paddockbelag haben sich auf Dauer nicht bewährt, da sie erhebliche Nachteile mit sich bringen. Besonders bei Holzhäcksel ist die Keimbelastung durch den natürlichen Fäulnisprozess sowie Harn und Kot über die Jahre stetig zunehmend. Eine übermäßige Population an Pilzen und Bakterien im Paddockbelag machen eine sinnvolle Hygiene unmöglich.
Bewährt haben sich hier vor allem Platten aus Recyclingkunststoff. Sie sind gut zu reinigen und bieten eine dauerhafte und stabile Trennung zwischen Untergrund und Tretschicht. Die höheren Anschaffungskosten machen sich durch leichte Verlegung und einfacher Pflege im täglichen Gebrauch schnell bezahlt. Im Außenbereich können sie durch Ihre offene Fläche bedingt leicht begrünt werden, selbst mit schwerem Gerät sind sie problemlos befahrbar.
Die auf dem Markt angebotenen Systeme sind sehr unterschiedlich in der Qualität (bes. beim verw. Kunststoff ), in der Funktionalität und der Verlegung. In der Praxis hat sich zum Beispiel das Bodensystem der Firma DWS ( www.dry-way-system.de ) aufgrund der hohen Stabilität und der in der Regel nicht erforderlichen Vorbereitung des Untergrundes ( Unterbau ) besonders gut bewährt.
Die Paddockplatten werden direkt auf dem Untergrund verlegt und als Tretschicht mit Sand verfüllt. Man erhält mit diesem System eine dauerhafte und zufrieden stellende Trockenlegung der stark beanspruchten Flächen im Außenbereich.
Bei der Stallhaltung ist die immer noch anzutreffende Matratzen Einstreu ein nicht mehr zeitgemäßes Unding. Der feuchte mit Harn und Kot durchsetzte Mist ist ein wunderbarer Nährboden für Bakterien. Die aggressive Flüssigkeit greift zudem die Haut an, schädigt sie und öffnet so die Pforten für Bakterien und somit für die Mauke.
Je nach Schädigung der Haut wird das Pferd auch nach Abheilung weiterhin anfällig für erneute Mauke bleiben. Werden die Beine nach dem Reiten abgespritzt, sollten die Fesselbeugen abgetrocknet werden.
Bei manchen Pferden ist es sinnvoll die Haut dauerhaft mit geeigneten Zinkpasten zu schützen.
32. Metabolisches Syndrom
Das metabolische Syndrom ist eine Erkrankung die ursprünglich in der Humanmedizin beschrieben wurde. Das metabolische Syndrom ist die Erkrankung des Menschen, die für einen Großteil der Herzinfarkte mitverantwortlich ist.
Beim Pferd hat sich in den letzen Jahren herausgestellt, dass es eine sehr ähnliche Krankheit gibt. Das metabolische Syndrom des Pferdes führt jedoch nicht zum Herzinfarkt, sondern zur Hufrehe oder zumindest zur Anfälligkeit für Hufrehe.
Die Pferde sind zumeist übergewichtig und haben ungewöhnliche Fettpolster an bestimmten Körperbereichen. Im speziellen am Hals, an der Schulter, auf der Kruppe und auch im Schlauchbereich bei männlichen Tieren.
Die Stuten hingegen fallen durch schlechte Fruchtbarkeit und abnormale Rossezyklen auf.
Diese Pferde werden dem Tierarzt oft mit unerklärlicher Lahmheit, in der Symptomatik durchaus der Hufrehe gleichend, vorgestellt. Zunächst scheint die Ursache der Hufrehe rätselhaft, in vielen Fällen jedoch ging eine Futterumstellung mit abrupter Änderung des Proteingehaltes, zum Beispiel schon durch Fütterung einer neuen Heuballens, oder eine Arbeitspause des Pferdes über einige Tage, dem Hufreheschub voraus. Häufig weisen die Hufe der Tiere die typischen sichtbaren Veränderungen am Huf auf, wie etwa die sogenannten Futterrillen, divergierende Ringe, eine verbreiterte weiße Linie oder auch eine nach außen gewölbte Sohle.
Das Blutbild zeigt eine leichte bis erhebliche Erhöhung des Glukosewertes und eine erhöhte Tryglyceride-Konzentration. Besonders auffällig ist der erhöhte Insulinwert, der durch ein spezielles Verfahren durch den Tierarzt bzw. Labor festgestellt werden kann.
Veterinäforscher erkennen viel eher und häufiger die verschiedenen Stadien der Insulinresistenz beim Pferd.
Möglicherweise geschieht dies, weil die Pferde heute länger leben und die Veterinärmedizin sich weiterentwickelt.
Das frühe Stadium, welches zum Diabetis-Typ II führt, wird Insulinresistenz genannt, die Körperzellen werden weniger und weniger empfindlich dem natürlichen Insulin gegenüber.
Insulin wird in Erwartung des Glukoseniveaus freigesetzt, es regt die Körperzellen an es aufzunehmen.
In den Zellen wird Glukose für Energie genutzt oder als Glycogen oder Fett gespeichert.
Bei Pferden mit Diabetis bricht dieses System zusammen.
Die Körperzellen werden immer weniger für Insulin empfänglich, der Körper produziert mehr Insulin.
Für eine Weile kann der Blutzuckergehalt so noch reguliert werden,auf Dauer führt dies zum Ausfall der insulinproduzierenden Zellen.
Das eingelagerte Fett an Mähne; Kruppe usw. resultieren aus der Unfähigkeit des Körpers Glukose zu verarbeiten, also wird sie unpassend als Fett gespeichert.
Einige Forscher glauben, dass dies bei einigen Rassen evolutionär angelegt ist.
Betroffene Pferde haben einen geringeren Energiebedarf und bedürfen Arbeit um das Gewicht zu regulieren.
Beim Menschen treten Durchblutungsstörungen in den Füßen auf.
Dr. C.C. Pollitt von der Veterinärschule an der Universität von Queensland in Australien
hat Forschungen bzg. Hufrehe getätigt und dabei vermutet, dass diese Krankheit mit dem Glukosemetabolismus verbunden ist, die, die Zellen der empfindlichen Huflederhaut schädigt und somit zur Hufrehe führt.
Viele Pferde zeigen klinische Symptome, die dem ECS ähnlich sind.
Die erste Behandlung eines Diabetikers ist immer Diät und regelmäßiger Sport.
Dies ist auch beim Pferd wichtig.
Diese einfachen Schritte verbessern die Glukoseaufnahme und verlangsamen eine Entwicklung der Insulinresistenz.
Ist das Pferd aber erst an dem Metabolischem Syndrom erkrankt, sollte peinlichst genau darauf geachtet werden, daß dieses Pferd kohlenhydratarm ernährt wird. Das bedeutet den Abschied von Getreide in jeder Form, keine Möhren, keine Äpfel, überhaupt alles, was nicht Heu oder unmelassierte Rübenschnitzel ist, fällt dieser strikten Diät zum Opfer.
In einigen Fällen ist es auch nötig, die Kohlenhydrate aus dem Heu auszuwaschen, dies erreicht man durch das Eintauchen des Heus in Wasser für etwa eine Stunde. Das Wasser darf danach nicht mehr für das Pferd verwendet werden.
Lediglich ein geeignetes Mineral- und Vitaminpräparat sollte zugefüttert werden.
Bedenken muß man bei dieser Form der Fütterung nicht haben, sie entspricht genau dem, was die Natur dem Pferd zugedacht hat: Viel faserreiche Kost!
Ganz wichtig ist das regelmäßige und tägliche Training dieser Pferde, gerade die Bewegung ist ein hervorragender Therapeut für diese Pferde, denn auch durch Muskelarbeit wird der Blutglukosewert niedrig gehalten.
Sollte ein solches Pferd gerade einen akuten Hufreheschub erleiden, muß das Training warten, bis die Hufrehe komplett abgeklungen ist.
Pferde mit Diabetis bleiben reitbar und leistungsfähig, lediglich die Fütterung ist konsequent kohlenhydratarm vorzunehmen.
3) Laborwerte:
sollten nach einer zwölfstündigen Fastenperiode erhoben werden.
(Normwerte sind z.T. laborabhängig, bitte dort erfragen)
- Insulin (Norm = 70 - 140 pmol/l) ist erhöht: kann bei MS über 300 pmol/l ansteigen
- Glukose (Norm = 55 - 95 mg/dl) ist zumeist leicht erhöht: liegt bei MS zumeist bei 110 - 140 mg/dl
- Triglyzeride (Norm = unter 50 mg/dl) sind ebenfalls meist leicht erhöht: steigen auf über 50 mg/dl. Bedenklich wird es etwa ab 200 mg/dl (Hyperlipidämie)
- Cortisol (Norm = 3 - 6,7 µg/dl) und ACTH (Norm = 20 - 50 pg/ml) sollten normal sein, können jedoch bei schmerzbedingten Streßsituationen (akute Hufrehe!) leicht ansteigen und daher falsch positiv sein.
- Dexamethasontest (Blutabnahme, 40 µg Dexamethason/kg Körpermasse intramuskulär, neuerliche Blutkontrollen nach 15 und 19 Stunden) dient dem Ausschluß des ECS: beim gesunden Pferd erfolgt Absinken des Cortisolwertes unter 1 µg/dl
- Schilddrüsenwerte T 3 (Norm = 0.3 - 0.9 µg/l) und T 4 (Norm = 1.3 - 4.1 µg/dl) können fälschlicherweise zu niedrig sein ("euthyroid sick syndrome" ) , die Schilddrüse lässt sich jedoch mit einem TRH - Stimulationstest normal stimulieren.
- intravenöser Glukosetoleranztest: 0,5 g Glukose/kg Körpermasse wird in 50%iger Lösung rasch intravenös infundiert und der Zuckerspiegel in kurzen Abständen kontrolliert. Beim gesunden Pferd erfolgt eíne Rückkehr in den Normbereich nach etwa ein bis zwei Stunden. Beim MS bleibt der Spiegel auch nach drei Stunden noch erhöht (Insulinresistenz)
33. Parasiten (Würmer)
Die häufigste Ursache für Entwicklungs- und Wachstumsstörungen ist ein starker Parasitenbefall. Aber auch einem erwachsenen Pferd kann dies arg zusetzen. Ein Parasitenbefall ist oftmals schon auf den ersten blick zu erkennen.: Der Friese magert ab, juckt sich den Schweif und das gesamte Haarkleid wird struppig. Es kommt zu einer Leistungsminderung, zu einer Verdauungsstörung und Kolikerscheinungen. Außerdem können innere Organe sowie die motorischen Fähigkeiten stark in Mitleidenschaft gezogen werden. In seltenen fällen tritt der Tod des befallenen Friesen ein, wenn beispielsweise zusätzliche Krankheiten das Immunsystem des Friesen schwächen oder Trächtigkeit vorliegt. Regelmäßige Wurmkuren erhalten die Gesundheit Ihres Friesen !
Bandwürmer: Diese Parasiten tauchen bei Friesen nur selten auf, können aber dann schwere Koliken verursachen. Haben es sich die bis zu 80 cm langen Bandwürmer erst einmal im Organismus gemütlich gemacht, kommt es zu Abmagerungen und Leistungsminderung. Neben Durchfall wurden auch schon Verstopfungen beobachtet, die einen Darmriss zur Folge hatten. Mit einer normalen Kotprobe sind diese Parasiten nicht immer nachweisbar. Nur in manchen Fällen können Sie einzelne Bandwurmglieder im frischen Kot entdecken. Sie werden ausgeschieden, von der Moosmilbe wieder aufgenommen und nach etwa16 Wochen erneut vom Friesen gefressen. Aus diesen Zysten wachsen dann im Darm neue Parasiten. Vorbeugen können Sie durch eine gründliche Stallhygiene. Der Mist sollte möglichst täglich aus der Box entfernt werden und bei verseuchten Ställen empfiehlt sich darüber hinaus die Desinfektion mit einem Dampfstrahlgerät.
Blut- oder Palisadenwürmer: Fast jeder Friese beherbergt Blut- oder Palisadenwürmer. Sie erreichen eine Länge von bis zu 5 cm und nisten sich im Dickdarm ein. Werden sie geschlechtsreif, saugen sie sich an der Darmschleimhaut fest und entziehen dem Darm das Blut. Ihre Eier werden mit den Pferdeäpfeln ausgeschieden und daraus entwickeln sich dann je nach Witterung in nur wenigen Tagen ansteckungsfähige Larven. Besonders wohl fühlen sie sich in nassem Einstreu und auf feuchten Weiden. Häufige Symptome sind Koliken, Gefäßerweiterungen sowie sporadisch auftretendes Lahmen.
Spulwürmer: Ebenso häufig tauchen Spulwürmer auf. Diese bis zu 40 cm langen Parasiten richten besonders bei jungen Friesen großen Schaden an und führen zu einem erheblichen Leistungsabfall. Unter Umständen wird die Lunge schwer in Mitleidenschaft gezogen und die Motorik beeinträchtigt. Außerdem besteht die Gefahr eines Darmrisses. Spulwürmer schmarotzen im Dünndarm und ihre Eier werden über den Kot ausgeschieden. Von einem einzigen weiblichen wurm gelangen bis zu 100.000 Eier mit den Pferdeäpfeln an die Außenwelt und in einer guten Woche entwickeln sich darin dann Embryonen, die vom Friesen über das Futter wieder aufgenommen werden. Ein verhängnisvoller Kreislauf. Denn vom Darm wandern die gefressenen Larven über Leber und Herz zur Lunge und nisten sich in den Lungenbläschen ein. Dann steigen die Schmarotzer die Luftröhre aufwärts bis zum Kehlkopf. Einmal geschluckt reifen sie im Darm zu Würmern heran. Einzige Hilfe: regelmäßige Wurmkuren sowie saubere, trockene und regelmäßig desinfizierte Ställe.
Zwergfadenwürmer: Diese Parasiten befallen meistens Fohlen. Die Larven bohren sich durch ihre Haut oder gelangen über die Muttermilch in ihren Körper. Von dort wandern sie über Blut- und Lymphwege in die Lunge. Von diesem Organ geht es durch den Schlundkopf und weiter über den Magen in den Dünndarm. Zwergfadenwürmer schädigen vor allem die Lunge und bei einem sehr starken Befall gehört eine Lungenentzündung zu den möglichen Folgen. Typische Symptome einer Erstinfektion sind Durchfall, Abgeschlagenheit, wechselnder Appetit und Entwicklungsstörungen. Erfolgt zusätzlich eine Infektion, kann es zu ernsten Komplikationen kommen, die nicht selten zum Tod führen. Für eine exakte Diagnose ist eine Kotprobe erforderlich. Vorbeugend empfiehlt sich eine Behandlung der Mutterstute sowie ausreichender Stallhygiene.
Pfriemschwänze: Ihre Namen haben diese Parasiten ihrem pfriemartigen, spitzen Schwanzende zu verdanken. Die weiblichen Würmer legen um den Pferdeafter schnurförmige gelbe Eipakete. Sie sind schon mit dem bloßen Auge zu erkennen und bringen den Friesen dazu, seine Schweifrübe blutig zu scheuern. Dadurch entstehen ekzematöse Hautentzündungen. Bei jedem Scheuern fallen Eier in das Futter und werden vom Pferd beim Fressen aufgenommen. Im Magen schlüpfen dann die Larven, die es sich im Dickdarm so richtig schön gemütlich machen. Besonders Würmer vor der Geschlechtsreife verursachen Koliken. Reinigen sie den After des betroffenen Pferdes gründlich. Aber bitte nicht in der Box, um das Abfallen der Eischnüre in das zu verhindern.
Magenbremsen: Die Larven dieser Fliege werden beim Weidegang aufgenommen. Besonders groß ist die Gefahr, wenn Friesen, Rinder und Schafe gleichzeitig oder nacheinander auf dieselbe Weide getrieben werden. Denn die Larven können bis zu einem Jahr außerhalb eines Friesen leben. Achten Sie im Sommer darauf, ob die lästigen Magenbremsen ihre gelben Eier an Fesseln und Röhren Ihres Friesen ablegen. Einfach mit einer Rasierklinge entfernen ! Bewährt haben sich aber auch Waschungen mit verdünntem Weinessig. Eine regelmäßige Wurmkur ist ist trotzdem erforderlich. Zwar tauchen Todesfälle durch einen Massenbefall nur selten auf, aber in Verbindung mit anderen Erkrankungen oder einer Trächtigkeit streiken die Abwehrkräfte komplett. Dann geht nichts mehr. Befallene Friesen neigen zu hartnäckigen Verdauungsstörungen, leichten Krampfkoliken sowie Mattigkeit und sie magern stark ab. Eine besondere Art des Magenwurmbefalls ist die sogenannte Habronemose. Sie tritt als Magen-, Lungen-, Haut- oder Augenhabronemose auf und wird durch den Erreger ausgelöst, die besonders hartnäckig sind. Die durch den Kot ausgeschiedene Larven werden- je nach Art- entweder von der normalen Stubenfliege oder vom Wadenstecher aufgenommen. Dort häuten sich die Larven zweimal und wandern anschließend in den Rüssel der Tiere. Landet dann die Fliege dann auf einem Friesen, machen sich die Larven erneut auf Wanderschaft. Während manche von Ihnen übers Maul ihren Wirt erobern, legen sich wieder andere ohne Hemmungen ins Pferdeauge. Es kommt zu einer Bindehautentzündung. Larven, die in offenen Verletzungen abgelegt werden, verursachen die berüchtigten Sommerwunden. Der Verlauf ist meist chronisch, beschränkt sich jedoch auf die warme Jahreszeit.
34. Patellarluxation
Patellarluxation ist eine Kniegelenksverletzung, bei der die Kniescheibe (Patella) aus ihrer Führung springt ( Luxation). Meist bewegt sich die Kniescheibe spontan in ihre Ursprungsstellung zurück (Reprosition). Selten verbleibt sie in ihrer Verrenkungsstellung außen am Kniegelenk (lateral).
Die Patellaluxation ist eine der häufigeren Knieverletzungen, die auch bei Tieren vertreten ist.
Ursachen:
Häufigste Ursache einer Patellaluxation ist die angeborene Fehlstellung (Genu valgum, „X-Beine) des Kniegelenkes. Dadurch, dass die Kniescheibe tendenziell zu weit außen sitzt, kann es zu der Verrenkung kommen. Eine Abflachung der Patella lateral (so genannte Jägerhutpatella) fördert die Gefahr einer Luxation zusätzlich. Das passiert schon bei leichten Drehbewegungen beim Auftreten. Selbst bei normalem Gehen kann die Kniescheibe luxieren (habituelle Patellaluxation). Andere Ursachen bestehen hauptsächlich bei Krafteinwirkungen von außen, wie z. B. bei einem Unfall.
Wirkung:
Bei der Patellaluxation werden in der Regel Blutgefäße verletzt, wobei es zu einem Bluterguss kommt. Häufig wird nach der Luxation auch eine Gewebeflüssigkeitsansammlung (Einblutung) im Kniegelenk festgestellt (Hämarthros). Das Kniegelenk muss dann eventuell durch den Arzt punktiert werden. Durch jede Luxation wird das innere (mediale) Kniescheibenband gedehnt, was zur Folge hat, dass es wiederholt und noch schneller zu einer weiteren Luxation kommen kann. Durch die Dehnung des Bandes hat die Kniescheibe keinen festen Sitz mehr in ihrer Position.
Behandlung:
In jedem Fall muss sofern dies nicht spontan geschehen ist die Kniescheibe wieder eingerenkt werden. Wichtig ist eine zügige Reposition, um Schädigungen des Gelenkknorpels zu reduzieren. Die Reposition erfolgt unter gleichzeitigem Strecken des Knies und Druck der Kniescheibe nach innen (medial). Dabei spürt man ein deutlichen Einschnappen. Der Patient bemerkt danach augenblicklich eine deutliche Schmerzlinderung. In der Regel werden Röntgenaufnahmen des Kniegelenkes und der Kniescheibe angefertigt, um knöcherne Verletzungen (Frakturen) auszuschließen. Zur weiteren Behandlung gibt es verschiedene Alternativen, deren Anwendung unter anderem von der Anzahl der Luxationen, den anatomischen Gegebenheiten der Patella, sowie dem Alter und Aktivitätsniveau des Patienten abhängen.
35. Periodische Augenentzündung
Einleitung
Die ERU (früher auch „Periodische Augenentzündung“ als Hauptmangel im alten Pferdekaufrecht) ist eine häufige und folgenschwere Krankheit beim Pferd. Sie führt in den meisten Fällen mittel- bis langfristig zur Erblindung des betroffenen Auges. In verschiedenen Publikationen wird eine durchschnittliche Erkrankungsrate in der Pferdepopulation von 6 bis 9 % angegeben.
Auslöser der Erkrankung ist nach neueren Erkenntnissen eine Infektion des inneren Auges mit einer Bakterienart (Leptospiren) und einer daraus resultierenden immunologischen Reaktion gegen körpereigene Strukturen des inneren Auges.
Bei ca. einem Drittel der betroffenen Pferde erkranken beide Augen. Die auslösenden Leptospiren kommen überall vor und werden meist über Mäuse etc. weiterverbreitet. Die Aufnahme erfolgt über Futter und/oder Wasser. Antikörperuntersuchungen im Blut zeigen, dass nahezu jedes Pferd im Laufe seines Lebens mit diesen Bakterien in Kontakt kommt. Warum bei einigen Pferden eine Auswanderung der Leptospiren aus dem Blutgefäßsystem in den Glaskörper des Auges erfolgt, ist bisher nicht geklärt. Die Inkubationszeit von Aufnahme der Bakterien bis hin zum Ausbruch eines akuten Schubes kann Jahre betragen, so dass bei einer akuten Augenentzündung keine Bakterien in der Blutbahn mehr zu erwarten sind.
Klinische Symptomatik
Bei einer akuten inneren Augenentzündung (Uveitis) ist das betroffene Auge meist geschwollen, wird zugekniffen, es tränt stark und ist lichtempfindlich. Häufig ist das Auge getrübt. Die Schübe sind in der Regel sehr schmerzhaft. Ein weiteres Symptom ist die in allen Fällen stark verengte Pupille (Miosis). Die Ausprägung der klinischen Symptomatik eines akuten Schubes kann sich von Pferd zu Pferd allerdings sehr unterscheiden. Während bei vielen Pferden die starke Schmerzhaftigkeit nicht zu übersehen ist, gibt es auch Fälle mit abgeschwächter Symptomatik, so dass dem Besitzer häufig nur eine kleine Tränenspur oder vermehrtes Blinzeln auffällt. In diesen Fällen besteht die Gefahr, dass die Erkrankung als „fliegenbedingte Bindehautentzündung“ in Eigenregie behandelt wird, um Tierarztkosten zu sparen, und somit die eigentliche Erkrankung unnötig lange unerkannt bleibt.
Typische Befunde nach abgelaufener Entzündung sind Folgeschäden wie Verklebungen der Iris, Linsentrübungen, Glaskörpertrübungen, -verflüssigung und -einlagerungen. Häufig ist eine Verkleinerung des Augapfels zu erkennen. In einigen Fällen kommt es zu einer sekundären Augeninnendruckerhöhung (Glaukom). Auch eine Netzhautablösung und daraus resultierende Erblindung tritt oft als Spätfolge ein, in Einzelfällen auch schon nach wenigen Schüben.
Behandlung
Ein akuter Entzündungsschub muss unverzüglich behandelt werden. Hierbei muss zunächst versucht werden, den Pupillarkrampf zu lösen und die Pupille weitzustellen. Dies kann zum einen Verklebungen der Pupille verhindern und wirkt zum anderen durch Entspannung der Pupillarmuskeln schmerzlindernd. Dies geschieht mit Atropin Augentropfen oder –salben. In hartnäckigen Fällen ist auch eine Injektion direkt unter die Bindehaut des Augapfels („Sprengspritze“) angezeigt. Zusätzlich erfolgt eine antientzündliche Augensalbenbehandlung mit einer cortisonhaltigen Augensalbe. Wichtig ist die häufige Applikation in der akuten Phase (optimal 6 – 8x täglich). Begleitend kann das Pferd systemisch (übers Maul oder durch Spritzen) mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Medikamenten behandelt werden.
Vitrektomie
Ist die Diagnose einer ERU gesichert, so kann man zur Vorbeugung von weiteren Entzündungsschüben eine Operation des inneren Auges durchführen, in der das Glaskörpermaterial des betroffenen Auges ausgetauscht wird (Vitrektomie). Hierzu werden zwei Zugänge über die weiße Augenhaut (Sklera) in den Glaskörper gemacht. Während über den einen Zugang mit dem Vitrektom das Glaskörpermaterial sowie die sich darin befindlichen entzündlichen Einlagerungen, immunologischen Produkte und Leptospiren abgesaugt werden, wird über den zweiten Zugang mittels einer Spülkanüle eine Ersatzflüssigkeit in gleichem Volumenverhältnis zugeführt.
Die Erfolgsrate bezüglich anschließender Entzündungsfreiheit liegt bei ca. 95 %. Bereits entstandene Schäden können nicht rückgängig gemacht werden. Bei starker Vorschädigung des zu operierenden Auges ist auch bei anschließender Entzündungsfreiheit eine Erblindung durch fortschreitende Linsentrübung oder Netzhautablösung möglich. In diesen Fällen ist eine dauerhafte Rezidiv- und somit Schmerzfreiheit trotzdem als Erfolg und als primäres Operationsziel zu bewerten.
Bei Augen mit zu starken Vorschäden (starke Trübungen, vollständige Verklebungen der Pupille, Netzhautablösungen) kann die Operation nicht oder nur eingeschränkt durchgeführt werden. Dies wird in einer Voruntersuchung festgestellt. Bei erblindeten Augen, die dauerhaft schmerzhaft sind, ist aus medizinischen und tierschutzrechtlichen Aspekten eine Entfernung des Auges trotz der kosmetischen Mängel angezeigt.
36. Pferdepiroplasmose
Piroplasmose ist eine, auch als Babesiose bezeichnete Parasitenerkrankung, die durch Zecken auf Pferde übertragen wird. Sie ist in warmen Klimazonen verbreitet, vor allem in Südeuropa, Afrika, im Mittleren und Nahen Osten, in der Mongolei sowie in Mittel und Südamerika. Die Erreger Theileria equi sowie Babesia caballi durchleben mehrere Entwicklungsstadien in den Körpern der Zecken, werden dann durch deren Speichel auf Pferde übertragen, wo sie in den Blutzellen ihren Entwicklungszyklus fortsetzen. Es kann vorkommen, dass Pferde bis zu vier Jahren Entwicklungsträger sind, ohne Symptome zu zeigen (latente Infektion). Während dieser Zeit können sie Ausgangspunkt für eine weitere Verbreitung der Krankheit sein. Bricht die Krankheit aus, kann man ein bis zwei Wochen nach der Infektion die Parasiten im Blut nachweisen. Für den Pferdehalter erkennbare Symptome sind Fieber, erhöhter Puls und erhöhte Atmung, verminderter Appetit, geschwollene Bindehäute, eventuell Kolikerscheinungen und blutig gefärbter Harn. Sechs bis zwölf Tage kann man zudem Schweißausbrüche und geschwollene Fesseln beobachten, der Kot der Pferde ist oft sehr trocken und dunkel verfärbt. Die schwere Verlaufsform kann innerhalb von zwei Tagen durch Schocksymptomatik und Lungenödeme zum Tode führen. In chronischen Fällen magern die Pferde allmählich ab. Die Pferdepiroplasmose kann durch verschiedene Medikamentenwirkstoffe behandelt werden.
Piroplasmose
Das Verbreitungsgebiet der Piroplasmose liegt vornehmlich in Südeuropa, Mittel- und Südamerika, Afrika und dem nahen Osten. Aber auch Deutschland sollte grundsätzlich nicht als piroplasmosefrei betrachtet werden, da auch hier schon Fälle bekannt wurden.
37. Piephacke
Vergrößerung und Schwelllung einer flüssigkeitsgefüllten Tasche ( siehe "Schleimbeutelentzündung") am Fersenhöcker des Pferdes. Dadurch entsteht eine wenig schön anzusehende, golfballgroße, verschiebbare Kappe über dem Fersenhöcker, die oft selbst dann bestehenbleibt, wenn das zugrunde liegende Problem gelöst ist. Bei der Piephacke kommt es selten zu Lahmheiten. Die Piephacke tritt auf, wenn das Pferd in beengter Umgebung mit dem Sprunggelenk anstößt (Pferdeanhänger, kleine Boxen), kann aber auch durch äußere Einwirkung (Tritt) entstehen.
38. Pleuritis
Eine Pleuritis ist eine Rippenfellentzündung. Rippenfellentzündungen betreffen die Pleura, das heißt die Zellschicht, die die Lunge überzieht und die den Brustraum von innen auskleidet. Rippenfellentzündungen machen sich typischerweise durch atemabhängige Schmerzen meist auf einer Seite des Brustkorbes bemerkbar. In der Regel sind Rippenfellentzündungen nicht so schwerwiegend, können aber Zeichen schwerer zugrunde liegender Erkrankungen sein und beeinträchtigen das Allgemeinbefinden wegen ihrer Schmerzhaftigkeit erheblich. Die früher häufige tuberkulöse Pleuritis ist in Westeuropa sehr selten geworden. Die Ursache der infektiösen Pleuritis bleibt meist ungeklärt, da sich eine genauere Diagnostik bei gutartigem Verlauf nicht lohnt.
Wie üblich in der Medizin kann man eine Rippenfellentzündung anhand des Schwergrades in verschiedene Formen (leichtgradig bis schwergradig) oder anhand des zeitlichen Verlaufes in eine akute (plötzlich aufgetretene) oder chronisch (länger) verlaufende Form einteilen. Von den möglichen Ursachen ausgehend kann man versuchen eine Unterscheidung zwischen einer infektiösen und nichtinfektiösen Form zu treffen. Wobei man dann diese Formen wieder weiter untergliedern kann:
infektiös
bakteriell
viral
mykotisch (Pilze), selten
nichtinfektiös
im Rahmen einer Pankreatitis
im Rahmen einer Lungenembolie
im Rahmen einer Pneumonie
im Rahmen einer Pleuracarcinose (Tumorbefall des Rippenfells)
rheumatisch
posttraumatisch
nach Herzoperation
chemisch nach Instillation von pleurareizenden Medikamenten
Anhand des begleitenden Pleuraergusses kann man eine trockene von einer feuchten Pleuritis unterscheiden. Bei den meisten trockenen Pleuritiden erkennt man im Ultraschall trotzdem einen minimalen Erguss, so dass die Einteilung trocken - feucht nicht mehr so gebräuchlich ist.
Symptome:
Entscheidendes Symptom der Pleuritis ist der atemabhängige Schmerz im Brustkorb. Dieser kann rechts, links, beidseits, vorne oder hinten im Brustkorb auftreten. Allerdings kann eine Pleuritis auch ohne Schmerzen vorhanden sein, insbesondere dann wenn durch einen begleitenden Erguss kein Reiben der Schleimhäute auftritt. Weitere unspezifische Symptome der Pleuritis können Fieber, Atemnot und Hustenreiz sein.
Diagnostik
Die Diagnostik der Pleuritis ist zunächst relativ einfach, da die Beschwerden ziemlich typisch und der Nachweis eines Pleurareibens mittels Stethoskop bzw. eines Pleuraergusses mittels Ultraschalles keine größeren Probleme aufwirft. Die weitere ätiologische (ursächliche) Abklärung kann erhebliche Schwierigkeiten bieten, da eine Vielzahl infektiöser oder nichtinfektiöser Erkrankungen zu Grunde liegen können.
Basisdiagnostik (Liegt eine Pleuritis vor oder nicht?)
charakteristische Beschwerden mit schmerzhafter Ein- und Ausatmung
Pleurareiben beim Abhören
Im Ultraschall oft kleiner Pleuraerguss und unregelmäßige Lungenkontur
Fiebermessung, Laborwerte CRP, Blutbild um den Entzündungsgrad zu erkennen
Weitere Ursachenabklärung
Beinvenenultraschall zum Ausschluss einer Thrombose
Röntgen Thorax zum Ausschluss einer Lungenentzündung
manchmal Zytologie und Bakteriologie aus dem Pleurapunktat
Blutkultur bei hohem Fieber
eventuell Tuberkulosediagnostik
Rheumadiagnostik
Therapie
Die Behandlung der einfachen unkomplizierten Pleuritis zielt auf eine Reduzierung oder Beseitigung der Schmerzen. Lässt sich eine Ursache erkennen, ist eine Behandlung der Grunderkrankung sinnvoll.
Symptomatische Schmerzbehandlung:
Acetylsalizylsäure
Paracetamol
Tramadol (schmerz- und hustenstillend)
Metamizol
Diclofenac
Ibuprofen
Husten stillende Maßnahmen Antitussivum
Ursächliche Therapie
Antibiotikum bei bakterieller Pleuropneumonie oder eitriger Pleuritis
Cortison bei rheumatischer Pleuritis
Instillation eines Zytostatikums bei Pleuracarcinose
Manchmal muss ein größerer Pleuraerguss, der ihm Rahmen der Entzündung entstanden ist, abpunktiert werden. Bei einer eitrigen Pleuritis ist eine Spülung und Drainage des Pleuraraumes zusammen mit einer systemischen Antibiose sinnvoll. Bei starker Atemnot kann man Sauerstoff verabreichen.
Unwirksam oder nicht nachgewiesen wirksam
Der Patient mit Pleuritis muss keine Bettruhe einhalten. Solange die Beschwerden anhalten, sollte der Körper jedoch soweit wie möglich geschont werden. Daher sollten in dieser Zeit anstrengende Tätigkeiten und Sport vermieden werden. Die Lagerung beim Schlafen kann man dem Erkrankten selbst überlassen. Bei starken einseitigen Schmerzen wird er meist auf der betroffenen Seite liegen, da er so die gesunde Lunge freier bewegen und belüften kann. Bei zu starker Schonatmung hilft eine ausreichende Schmerzbehandlung. Schleimlöser sind unwirksam bei Pleuritis. Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Entzündungen. Cortison hilft nur bei nichtinfektiösen rheumatischen Entzündungen. Äußere Einreibungen bzw. Wärme- oder Kälteanwendung am Brustkorb sind wahrscheinlich unwirksam, da die Entzündung zu tief liegt, um davon beeinflusst zu werden.
Verlauf:
Die Mehrzahl der Pleuritiden heilt folgenlos aus. Manche Pleuritiden führen zu narbigen Verklebungen. Eine eitrige oder tuberkulöse Pleuritis kann unbehandelt aber auch zum Tode führen. Bei Pferden herrscht meist ein akuter Krankheitsverlauf vor, wobei die Symptome abhängig sind von der Art der Pleuritis und dem Alter der Tiere.
39. Rotz
Die Krankheit ist in vielen Teilen der Welt mittlerweile ausgemerzt,doch in Ländern,in denen die Hygienebedingungen und Bekämpfungsmaßnahmen nicht optimal sind, taucht sie immer wieder auf.Der Mensch ist empfänglich für die Infektion,sie kann tödlich verlaufen. Symptome: Man unterscheidet eine Nasen-,Lungen- und Hautform der Krankheit, wobei die Übergänge fließend sind.Die Pferde haben Nasenausfluß,husten,bekommen Lungenentzündung.In der Nasenhöhle und auf der Haut bilden sich Geschwürknoten von bis zu 2 cm Durchmesser,die auch aufbrechen.An den Hinterbeinen kann es zu Umfangsvermehrungen bis zum Sprunggelenk und zur Geschwürbildung kommen.Die Pferde magern ab und verenden häufig. Ursache: Rotz ist eine Infektion mit dem Bakterium Pseudomonas mallei.Der Erreger hält sich in Wasser bis zu vier Wochen,so daß Ansteckungen meist an der gemeinsamen Tränke stattfinden. Die Infektion ist auch durch Einatmen des Bakteriums oder durch sein Eindringen über Hautwunden möglich.Durch Hitze, Sonnenlicht und bestimmte Desinfektionsmittel wird der Erreger zuverlässig abgetötet.. Behandlung: Die Erkrankung ist in Deutschland anzeigepflichtig,das heißt,bei Auftreten oder Verdacht ist die zuständige Behörde (Veterinäramt) zu benachrichtigen. Das erkrankte Pferd muß isoliert werden, ein Therapie ist zu unterlassen.Im Umgang mit dem Pferd sollte man besonders vorsichtig sein,da die Erkrankung auf den Menschen Übertragbar
40. Räudemilben
Die beim Pferd vorkommenden Räudemilben lassen sich in drei verschiedene Arten unterteilen. Psoroptes equi, Sarcoptes equi und Chorioptes equi, die sich hinsichtlich ihrer Lebensbedingungen unterscheiden und dementsprechend unterschiedliche Krankheitsbilder beim befallenen Pferd hervorrufen.
Räude, die durch die Parasiten Psoroptes equi und Sarcoptes equi hervorgerufen wird, ist eine durch den Veterinär anzeigepflichtige Erkrankung!
Die Milben leben entweder auf dem Pferd oder in den äußeren Schichten der Haut und ernähren sich dort von Zellen und
Körpersäften wie Gewebsflüssigkeiten, die sie sich durch verbeißen in die Hautoberfläche zugänglich machen. Dies führt zu einem starken Juckreiz, woraufhin sich die Pferde vermehrt scheuern und es somit zur Bildung von Krusten kommt. Außerdem führt der Milbenbefall selbst bereits zur Entstehung von Borken, Krusten und z.T. nässenden Ekzemen aufgrund von Abwehrreaktionen des Pferdekörpers.
Psoroptes ruft die sogenannte Steißräude hervor, wenn die Schweifrübe befallen ist. Die Milbenart ist außerdem an geschützten Bereichen wie unter der Mähne oder an den Oberschenkelinnenseiten zu finden. Sarcoptes besiedelt zunächst Kopf und Halsregion, kann sich aber von dort auf angrenzende Bereiche des Rückens ausbreiten. Chorioptes verursacht die sog. Fußräude, was insbesondere bei Pferden mit langem Kötenbehang vorkommen kann.
Neben abgescheuerten oder verschorften und nässenden, streng riechenden Stellen macht sich ein Räudemilbenbefall beim Pferd durch dessen Unruhe bemerkbar. Die Pferde scheuern sich oft und stampfen besonders bei der Fußräude häufig mit den Beinen.
Räude kann innerhalb einer Pferdeherde auf andere Mitglieder übertragen werden und betrifft aber häufiger Pferde mit einer nicht so guten Konstitution, wie z.B. kranke oder magere Tiere.
41. Schale
Schale ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen von Knochenzubildungen, welche an Fessel-, Kron- und Hufbein sowie an den verbindenden Gelenken bevorzugt an den Vorderbeinen vorkommen können. Die sog. hohe Schale tritt vom unteren Ende des Fesselbeins bis ungefähr zur Mitte des Kronbeins auf, die sog. tiefe Schale von der Mitte des Kronbeins abwärts bis zum oberen Ende des Hufbeins. Betrifft die Knochenzubildung nur die glatten Flächen der Knochen, ohne in den Gelenkspalt einzuwachsen, spricht man von gelenksnaher Schale, sind auch die Gelenksflächen von der Knochenzubildung betroffen, spricht man von Gelenkschale. Die Gelenkschale ist die gefährlichere Form, weil sie schwere Gelenksentzündungen und die im Teil 1 beschriebenen arthrotischen Zerstörungen im Gelenk auslösen kann, und insoweit über eine deutlich schlechtere Wiederherstellungsprognose verfügt. Gelenknahe Schalen bleiben häufig unerkannt und führen auch zu keinerlei Beeinträchtigungen, wenn sie nicht an kritischen Stellen liegen.
Schale entsteht durch Reizungen der Knochenhaut, welche zu einer vermehrten und unkontrollierten Bildung von Knochensubstanz führt. Mögliche Auslöser sind:
Schläge und Stöße auf die Knochen
Überlastungen durch zu starken Zug auf Bänder und Gelenkkapseln, infolge dessen sich die Knochenhaut an deren Ansatzstellen am Knochen mit Entzündungen und Knochenzubildungen reagieren kann
Verletzungen, die bis auf den Knochen reichen
Die Überlastung kann als der häufigste Auslöser angesehen werde. Sie ist die Folge einer Überbeanspruchung des Pferdes (Pferd nicht warm geritten, Pferd auf der Vorhand geritten, Pferd übermüdet geritten, starke Drehbewegungen auf der Stelle, schnelle Richtungswechsel im Galopp) häufig begünstigt durch schlechte anatomische Voraussetzungen wie eine steile Fesselung verbunden mit hohe Trachten und kurzen Zehen oder Stellungsfehler (bodenweit, bodeneng, zeheneng). Negativ wirken auch zu lange Beschlagsintervalle mit erkennbarer deutlicher Brechung der seitlichen Zehenachse.
Gelenkschalen weisen zu Beginn oftmals nur eine geringgradige Lahmheit auf, welche sich vergleichbar bei Spat wieder einlaufen kann. Die Lahmheit verschwindet bei längerer Schonung des Pferdes, tritt aber bei Wiederinarbeitnahme bald und meistens verstärkt wieder auf. Gelegentlich kann eine vermehrte Trachtenhufung beobachtet werden. Klarheit schafft nur die röntgenologische Untersuchung, welche die Knochenzubildungen offenbart.
Die Therapie erfolgt mit entzündungshemmenden und die Knochenzubildungen abbauenden Medikamenten bei gleichzeitiger Ruhigstellung des Pferdes. Auch knorpelregenerierende Injektionen und entsprechende Ergänzungsfuttermittel werden eingesetzt. Insbesondere bei der Krongelenkschale tritt nach einer vollständigung Verfüllung des Gelenkspaltes eine natürliche Versteifung des Gelenkes ein, der zu einer Reduktion von Entzündung und Schmerz führt. Dieser Vorgang läßt sich auch chirugisch beschleunigen. Eine in der Regel nicht erwähnte Behandlungsmethode besteht in der Röntgenbestrahlung des erkrankten Bereichs. Eine totale Wiederherstellung des Pferdes ist nur in den allergünstigen Fällen denkbar. Pferde mit Schale können deshalb nach einer Behandlung nur noch mit Einschränkungen gearbeitet werden.
42. Sehnenentzündung
Tendinitis bezeichnet eine Entzündung des Sehnengewebes; diese Entzündung wird durch Zugbelastung, sprich durch Zerrung ausgelöst. Die Schwere der Zerrung kann dabei von geringgradig bis hin zur Ruptur der Sehne reichen. Entsprechend variieren auch die Symptome.
Erste Anzeichen bei einer leichten Zerrung sind vermehrte Wärme und eine geringgradige Schwellung; beide verschwinden in der Regel von alleine, wenn dem Pferd etwas Ruhe und physiotherapeutische Behandlung wie Kneipp´sche Güsse, Magnetfeldtherapie, Softlaser und Massagen mit heparinhaltigen Einreibungen ( z.B. Tensolvet) gegönnt werden.
Werden diese ersten Anzeichen übersehen oder nicht ernst genommen, setzt sich die Zerrung fort und die Entzündung verschlimmert sich. Es tritt dann neben deutlicher Schwellung und Wärme auch Lahmheit auf.
Spätestens jetzt sollte der Tierarzt zu Rate gezogen werden.
Die genaue Diagnose wird am besten durch eine Ultraschalluntersuchung der Sehne gestellt; hier läßt sich auch das Ausmaß und die Schwere der Sehnenschädigung erkennen.
Die Tendinitis sollte vom Tierarzt behandelt werden, wobei er je nach Schwere der Erkrankung verschiedene Medikamente anwenden kann. Zum einen werden bei starken Schmerzen Antiphlogistika verabreicht, die die Entzündung zurückdrängen und die Schmerzen lindern; um die Heilung der Sehne zu beschleunigen und Verklebungen im Gewebe vorzubeugen, kann die betroffene Sehne mit Hyaluronsäure umspritzt werden.
Entscheidend für die Heilung ist das Management des Patienten nach der Verletzung in der Rehabilitationsphase.
Zunächst hat der Patient Boxenruhe, bekommt Angußverbände und sollte, wenn irgend möglich, bereits erste Behandlungen mit dem Softlaser erhalten. Durch die Lasertherapie wird die Entzündung reduziert, die Schmerzen gelindert und der Heilungsprozess angeregt.
Nach drei oder vier Tagen sollte das Bewegungsprogramm beginnen, um Verklebungen zu vermeiden und den neugebildeten Sehnenfasern die Belastungsrichtung vorzugeben, in welcher sie sich ausrichten müssen, damit die Sehne später die volle Belastbarkeit zurückerhält.
Mit dem richtigen Bewegungsprogramm steht und fällt die Heilung einer Tendinitis! Das Pferd darf nur im Schritt, möglichst zweimal täglich auf ebenem Boden bewegt werden, wobei man mit zweimal 5 Minuten beginnt und die Dauer allmählich steigert, bis man zweimal täglich 30 Minuten erreicht hat.
Unterstützen und beschleunigen kann man die Heilung durch physiotherapeutische Maßnahmen:
- Eispackungen nach der Bewegung
- Massage des betroffenen Gewebes
- Wärmebehandlungen
- Lasertherapie
- Magnetfeldtherapie
Man muß je nach Schwere der Tendinitis mit einer Heilungsdauer von 3 bis 5 Monaten rechnen. Entscheidend ist es auch, das Training gezielt und kontrolliert wieder zu steigern, damit es nicht zu Rückfällen kommt, die meist schlimmer als die Ersterkrankung sind. In dieser langen und schwierigen Phase der Rehabilitation sollte der Pferdebesitzer kompetent durch einen Tierarzt beraten und unterstützt werden.
43. Seneziose
Die "gelbe Gefahr" lauert am Staßenrand
Jakobskreuzkraut Die gelben Blüten des Jakobskreuzkrautes leuchten derzeit von vielen Grabenrändern, extensiv genutzten Grünlandflächen und weniger gepflegten Weiden. Was so schön aussieht, ist jedoch hochgiftig und läßt sich nur schwer bekämpfen. Vor allem für Pferde und Rinder aber auch für Schafe und Ziegen stellt das Jakobskreuzkraut eine große Gefahr dar, erläutert Dr. Petra Wolf vom Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover.
Welche Gefahren gehen vom Jakobskreuzkraut aus?
In Deutschland gibt es etwa 25 verschiedene Arten von Kreuzkraut, von denen das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobea) das giftigste ist. Zu den Hauptwirkstoffen im Jakobskreuzkraut zählen Pyrrolizidinalkaloide, die akut zu Nekrosen in der Leber führen. Weitaus häufiger treten jedoch chronische Formen auf, die zu fortschreitenden Leberveränderungen führen. Auch kleine Mengen können regelmäßig konsumiert zu klinischen Symptomen führen, die dann mitunter erst nach Wochen oder Monaten auftreten.
Die Seneziose oder Schweinsberger Krankheit tritt bei Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Schwein und Geflügel auf, wobei Pferd und Rind die empfindlichsten Tierarten sind.
Giftig ist die gesamte Pflanze, wobei der Alkaloidgehalt durchschnittlich 0,2 % in der Trockenmasse enthält. Der LD50-Wert (das heißt, dass 50 % der beobachteten Population an dieser Dosis sterben) wird in der Giftpflanzen-Datenbank der Universität Zürich für das Pferd mit 0,05-0,20 kg getrocknete Senecio jacobaea/kg KG angegeben. Dies entspricht der Aufnahme von 25–100 kg getrockneter Pflanze/500 kg schweres Pferd über einen Zeitraum von Tagen
bis Monaten.
Aufgrund des bitteren Geschmacks wird das Jakobskreuzkraut bei ausreichendem Weideaufwuchs allgemein gemieden. Probleme der Aufnahme treten häufig erst dann auf, wenn das Futter auf der Weide knapp ist.
Wird allerdings Heu bzw. Silage von belasteten Flächen gewonnen, sind die Tiere nicht mehr in der Lage, in diesen Futtermitteln zu selektieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die toxischen Inhaltsstoffe auch im getrockneten bzw. silierten Material wirksam sind.
Wie äußert sich eine solche Vergiftung und was sollte man tun, wenn ein Tier diese Vergiftungserscheinungen zeigt?
Im Verlauf von Tagen (akute Vergiftung) bis Monaten (chronische Form) nach Pflanzenaufnahme zeigen die Tiere Gewichtsverlust und eine reduzierte Futteraufnahme. Mitunter kann es zu einer Photosensibilität kommen, d.h. es treten trotz mäßiger Sonneneinstrahlung klinische Symptome eines Sonnenbrandes auf. Hinweise für das Auftreten von zentralnervösen Störungen aufgrund der eingeschränkten Leberfunktion sind das längere Stehen bleiben auf der Weide mit stumpfem Gesichtausdruck und Bewusstseinstrübung. Bei Pferden wird mitunter auch ein häufiges Gähnen beschrieben.
Im weiteren Verlauf zeigen die Tiere unkoordinierte Bewegungen und ein zielloses Wandern („Walking disease“) sowie kolikartige Beschwerden bis hin zum hepatischen Koma.
Symptome bei Rindern sind zudem eine reduzierte Milchleistung, ein abnorm gefüllter Pansen aufgrund einer fehlenden Pansenmotorik, ein wässeriger oder blutiger Durchfall sowie Lethargie oder plötzliche Aufregungszustände.
Die Therapie besteht zunächst in einem sofortigen Absetzen des Pyrrolizidinalkaloid-haltigen Futters. Zudem kann eine symptomatische Leberbehandlung durchgeführt werden. Zumeist ist eine Behandlung der Vergiftung aber aussichtslos.
Wie kann die Pflanze bekämpft werden?
Die Pflanze kommt vor allem an Straßen- und Wegrändern sowie als Ackerwildkraut und auf Wiesen und Weiden vor.
Die Ursache für die in den vergangenen Jahren massive Ausbreitung der Pflanze besteht darin, dass Grünbrachen bisher in der Zeit vom 1. April bis zum 15. Juli wegen der Brut- und Setzzeit nicht geschnitten werden durften. Die Blüte des Jakobskreuzkrauts setzt allerdings bereits ab Mitte Juni ein, sodass es bereits vor dem Schnitt zu einem Aussamen der Pflanze kommt.
Zur Bekämpfung ist Pflanze somit möglichst früh herauszuziehen oder zu mähen. Das Mähgut muss von den Weiden entfernt werden. Nicht blühendes Jacobskreuzkraut kann auf dem Mist bzw. Kompost entsorgt werden. Da die Samen über viele Jahre keimfähig sind, muss blühendes oder gar bereits samenbildendes Kraut verbrannt bzw. über den Restmüll (thermische Behandlung) entsorgt werden.
Eine chemische Behandlung ist nur bedingt erfolgsversprechend. Teilwirkung haben Kombinationen der Wirkstoffe MCPA + 2,4 D (z.B. 2,0 l/ha U 46 M Fluid, 2,0 l/ha U 46 D Fluid), wobei aber eine Wartezeit von 28 Tagen unbedingt einzuhalten ist. Diese sind aber nicht selektiv wirksam, sondern führen zu einer vollständigen Vernichtung des gesamten Grünland-Bewuchses. Ein lückiger Pflanzenbestand forciert aber die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes. Eine rechtzeitige Nachsaat sowie die Vermeidung einer Überbeweidung sichern hingegen eine dichte Grasnarbe und verhindern so das Einsamen des Jakobskreuzkrautes.
44. Schlundverstopfung
Kennen Sie das Gefühl? Es sitzt einem etwas im Hals und geht weder hoch noch runter. Man bekommt in Sekundenbruchteilen Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Angstzustände. Selbst wenn der verursachende Brotbissen o.ä. endlich ausgehustet oder abgeschluckt ist, bleibt für geraume Zeit dieses wackelige Gefühl in den Knien verbunden mit dem Gedanken "Ist ja nochmal gutgegangen".
Nicht viel anders kann man sich eine Schlundverstopfung beim Pferd vorstellen. Teile der Nahrung (meistens sind das ungenügend zerkleinerte feste Futterteile, wie zu trockene Rübenschnitzel, Apfelstücke oder Pellets) bleiben auf ihrem Weg zum Magen unterwegs irgendwo in der Speiseröhre hängen. Es kommt zu einem schmerzhaften Schlundkrampf.
Bevorzugt geschieht dies an Schlundkopf, Brusteingang und Zwerchfellschlitz, die jeweils einen natürlichen Engpass bilden. Die Symptome können je nach Grad und Sitz der Verstopfung unterschiedlich sein, wie z.B.: Abrupter Stop des Fressvorgangs, ängstlicher Blick, würgendes Husten, aber auch gesteigerte Unruhe, Kopfschlagen und kolikähnliches Verhalten. Das eindeutigste Zeichen für eine Schlundverstopfung ist starker Ausfluss von Speichel (z.Teil mit Futter vermischt) aus Maul und / oder Nüstern. Denn die Verstopfung bewirkt eine vermehrte Produktion von Speichel, der nicht abgeschluckt werden kann. Ältere Pferde, die schon öfter Schlundverstopfungen hatten reagieren teils ruhiger und versuchen durch tiefgehaltenen Kopf und ausgestrecktem Hals den Speichel samt der Futterteile abfließen zu lassen und unterstützen dies nur durch sporadisches würgendes Husten.
Obwohl es gelegentlich zu Spontanlösungen der Verstopfungen kommt, sollte man auf jeden Fall einen Tierarzt rufen, denn im Regelfall tritt eine stetige Zustandsverschlechterung ein. Ausserdem besteht die dringende Gefahr das Teile des Futterbreies über die Luftröhre in die Lunge eingeatmet werden, was eine komplizierte Lungenentzündung hervorruft. Darüberhinaus kann eine länger anhaltende Schlundverstopfung durch den Druck, der auf die Schlundwand ausgeübt wird, zum absterben von Gewebe und späterer Narbenbildung führen. Narben im Schlund begünstigen natürlich auch ein wiederauftreten von Schlundverstopfungen.
Im schlechtesten Fall kann ein Schlund der immer wieder verstopft durch starke Vernarbungen derart porös werden, daß eine Perforation der Schlundwand eintritt, die nicht mehr therapierbar ist. Grundsätzlich kann die Schlundverstopfung jedes Pferd ereilen, aber einige Pferde sind anfälliger dafür als andere. Das können zum einen gierige Fresser sein. Tiere die dentale Fehlstellungen haben (defekte Mahlzähne oder starke Zahnhaken). Pferde bei denen eine krankhafte Veränderung in der Wand der Speiseröhre vorliegt. Z.B. durch Narben aus früheren Schlundverstopfungen. Pferde die unter einer Schwächung der Schlundmuskulatur leiden.
Als vorbeugende Maßnahmen kann man einige Faustgroße Kieselsteine in den Futtertrog legen. Das bewirkt, daß Gierfresser in der Geschwindigkeit der Futteraufnahme gebremst werden. Regelmäßige und gut über den Tag verteilte Futtergaben verhindern ein Überhungern und damit verbundenes schnellfressen. Futterneider sollten separat gefüttert werden, damit sie ungestört sind. Rübenschnitzel sollten nur in gutgeweichtem Zustand verfüttert werden. Keine Äpfel oder Cobs verfüttern die so klein sind, das sie unzerkaut abgeschluckt werden können. Bei sehr anfälligen Pferden sollte man auf eine Futtermischung umstellen, die keine Pellets enthältt. Regelmäßige Gebißkontrolle durch den Tierarzt verhindert die übermäßige Bildung von Zahnhaken
45. Sommerekzem
Pferde, die unter Sommerekzem leiden, sind zu bedauern. Der Juckreiz ist unerträglich. Die Vierbeiner scheuern sich an Bäumen, an Kanten ihrer Box oder sogar an ihren Artgenossen, um sich Erleichterung zu verschaffen. Die Folge: kahle Mähnen und Schweife, aber auch blutige, eitrige Wunden. Diese Hauterkrankung ist nicht heilbar. Als häufigster Auslöser gelten Kriebelmücken und Gnitzen (Culicoides). Die winzigen Insekten fliegen von April bis September vor allem in den frühen Morgen- und Abendstunden. Durch den Stich befruchteter Mückenweibchen gelangt Speichel in das Blut der Pferde und löst die allergische Reaktion aus. Aber auch Stoffwechselstörungen, Stress und Überempfindlichkeit gelten unter Fachleuten als Auslöser dieser Krankheit.
Vor 40 Jahren war das Sommerekzem noch unbekannt. Damals wurden Isländer nach Deutschland importiert, die auf einmal Hautbeulen bekamen. Die Tierärzte standen vor einem Rätsel. In Island gibt es bis heute keine Pferde, die am Sommerekzem leiden. Zwar sind dort auch Mücken verbreitet, aber keine Culicoides-Mücken. Ansonsten tritt diese Krankheit auf der ganzen Welt und bei den unterschiedlichsten Pferderassen auf.
Krankheitsverlauf:
Alles beginnt harmlos mit Mückenstichen. Unter der Haut bilden sich als Folge der allergischen Reaktion kleine Knoten, sogenannte Pappeln. Die stecknadelgroßen Knötchen sprießen vor allem am Widerrist, am Mähnenkamm und auf der Schweifrübe. Diese Pappeln jucken extrem und die Pferde scheuern sich fast ständig. Schweif- und Mähnenhaare fallen schließlich aus, und es entstehen nässende Wunden, die schlecht heilen. Pferde, die unter Sommerekzem leiden, haben oft kaum noch eine Mähne und eine kahle Schweifrübe. Typisch sind auch Einkerbungen entlang des Mähnenkammes, die entstehen, wenn die Wunden über den Winter heilen. Daran erkennt man übrigens auch in der kalten Jahreszeit, ob ein Vierbeiner an dieser Hautkrankheit leidet.
Behandlung:
Ein Heilmittel gegen das Sommerekzem gibt es bisher nicht; nur die Symptome können gelindert und behandelt werden. Mittlerweile werden im Handel verschiedene Mittel angeboten, zum Beispiel Kombi-Präparate, die aus Mittel für die äußere und innere Anwendung bestehen, Sprays, Gele und Salben. Sehr hilfreich sind auch Ekzemerdecken, die alle Mücken fernhalten. Hier ein kleiner Überblick:
Lotionen, Gele und Salben, die den Juckreiz lindern und Insekten abhalten
Homöopathische Mittel:
Wer seinem Pferd homöopathisch helfen will, sollte sich an einen erfahrenen Homöopathen wenden, da jeder Vierbeiner individuell behandelt werden muss. Dem Pferd werden kleine Kügelchen (Globuli) oder Tropfen einer bestimmten Substanz verabreicht, die unterschiedlich verdünnt (potenziert) sind. Je mehr eine Substanz verdünnt ist, desto wirksamer soll sie sein. Folgende Substanzen haben sich bewährt: Ledum (Heidekrautgewächs), Staphysagria (Stephanskraut), Sulfur (Schwefel), Echinacea (Quelle: Sommerekzem von Anke Rüsbüldt, Cadmos Verlag).
Ekzemerdecken hüllen das gesamte Pferd ein, sodass die Mücken keine Chance haben zuzustechen. Für Vierbeiner, deren Krankheitsbild nicht ganz so schlimm ist, kann auch ein Hals- und Schweifschutz ausreichen. Fast alle Deckenhersteller haben mittlerweile solche Decken im Programm. Die Decke sollte aus atmungsaktiven Material und rutschfest sein. Außerdem sollte sich das Pferd in seinem Schutzanzug auch gut bewegen können.
Impfung - Der Hautpilzimpfstoff Insol-Dermatophyton soll positive Auswirkungen auf das Sommerekzem haben. Bei etwa der Hälfte der behandelten Tiere konnten die Symptome deutlich gemindert werden. Die genaue Wirkungsweise ist allerdings noch nicht bekannt.
Vorbeugung:
Das A und O beim Sommerekzem ist die Vorbeugung. Das Sommerekzem befällt nur Pferde auf der Weide. Meistens gelangen die Mücken nicht in den Stall. Wer seinem Vierbeiner den Weidegang trotzdem gönnen will, sollte ihn in der kritsichen Zeit (früher Morgen und früher Abend, wenn besonders viele Mücken kreisen) in den Stall holen. Eine gut sitzende Ekzemerdecke (s.o.) hält ebenfalls Mücken fern.
Ganz wichtig ist auch eine optimale Ernährung. Das Futter sollte nicht so weißreich sein; der Handel bietet auch Spezialfutter für Ekzempferde an, dem z.B. bestimmte Kräuter zugesetzt werden. Das Pferd nie der direkten Sonnenstrahlung aussetzen. Einige Fachleute sind der Auffassung, dass die UV-Strahlung das Sommerekzem verschlimmern kann.
Jeder Pferdebesitzer sollte seinen Vierbeiner ganz genau beobachten. Kein Pferd ist wie das andere. Was dem einen hilft, zeigt bei dem anderen überhaupt gar keine Wirkung.
Therapiemöglichkeiten:
Weder der alleinige Einsatz von Kräutern und Ergänzungsfuttermitteln, noch die alleinige lokale Behandlung der betroffenen Hautbezirke und schon gar nicht die in der Praxis immer noch viel zu oft praktizierte und als erstes Mittel der Wahl eingesetzte Kortikoidtherapie (Unterdrückung bzw. Verlagerung des Symptomenkomplexes, teilweise verheerende Nebenwirkungen, wie z. B. Hufrehe) können als wirksame Therapie angesehen werden. Bezüglich der Therapie mit Cortison sollte diese immer dem Notfall vorbehalten bleiben; denn gerade Pferde, die an Sommerekzem erkrankt sind, dies gilt übrigens auch für sämtliche anderen allergischen Haut- und Atemwegserkrankungen, scheinen disponiert für Hufrehe zu sein.
Wir machen zunehmend die Erfahrung, dass Hufrehe und Sommerekzem bzw. Hufrehe und Atemwegserkrankung innerhalb weniger Monate bei einem Pferd auftreten. Die Zusammenhänge sind zwar noch ungeklärt, doch die Erfahrung sollte uns lehren, dass Zusammenhänge zumindest bestehen könnten. Da Cortison als Hufreheauslöser bekannt ist, sollte Wirkung und mögliche Nebenwirkung äußerst gut abgewägt werden, denn: eine Hufrehe ist lebensbedrohlich und endet oft tödlich, das Sommerekzem gehört nicht zu den lebensbedrohlichen Erkrankungen und lässt sich durch wenige Maßnahmen für das betroffene Pferd im erträglichen Rahmen halten. Man sollte es erst gar nicht so weit kommen lassen, dass über den Einsatz von Cortison nachgedacht werden muss, sondern bei den ersten Symptomen (= Juckreiz) sofort und umgehend handeln.
So kommt man erst gar nicht in die verzwickte Situation, abwägen zu müssen in Form von Pro & Contra!
Weder in der Schulmedizin noch in der alternativen Tierheilkunde existiert eine nachweislich bei allen erkrankten Pferden erfolgreiche Behandlung durch ein einzusetzendes Mittel, da diese eine Standardmedikation nach dem „Schema F" darstellen müsste, welche es ganz bestimmt bei Sommerekzem ebenso wenig geben wird, wie bei anderen Erkrankungen!
Dieses eine Mittel als Mittel der Wahl gibt es meiner Ansicht nach nicht!
Meiner Erfahrung nach lässt sich das Sommerekzem nur unter Einbeziehung der Ganzheitlichkeit wirksam therapieren.
Nach ausführlicher Anamnese sollte bei Bedarf einerseits eine individuelle Therapie eingeleitet werden, welche sämtliche Prädispositionen berücksichtigt und nicht auf Unterdrückung der Symptome abzielt, andererseits unter dem Aspekt der Ganzheitlichkeit Haltung, Fütterung, Bewegung, Sozialfaktoren und Pflegemaßnahmen überprüft und auf die Erkrankung abgestimmt optimiert werden. Wir arbeiten überregional mit der Biofeld-Haaranalyse, im erreichbaren Umkreis durch eine ausführliche Untersuchung und Anamnese.
In diesem Zusammenhang kann der Einsatz von Kräutern und Ergänzungsfuttermitteln, wenn man diese einzusetzen versteht, wertvolle Dienste leisten und erfolgreich zur Therapie beitragen. Jedoch ist es falsch anzunehmen, nach dem Motto, viel hilft viel vorzugehen bzw. wahllos Kräuter, Ergänzungsfuttermittel und Homöopathika womöglich in Verbindung mit Kortison einzusetzen, da gravierende Fehler und Verschlechterungen der Symptomatik somit vorprogrammiert sind. Auch sollte man sich hüten, Mittel zur Stimulation des Immunystems (z. B. Echinacea) bei Sommerekzem einzusetzen, da eine Allergie immer eine Überreaktion des Immunsystems ausdrückt, im Umkehrschluss also keine noch so geartete Stimulation des Immunsystems stattfinden darf, da hierdurch eine Verschlechterung der Symptomatik zwangsläufig eintreten muss. Auch die allgemeine Erfahrung, dass mit vom Fohlenalter an zunehmenden Lebensjahren das Sommerekzem jährlich stärker in Erscheinung tritt, bevor im Alter das Immunsystem durch allgemeine Alterungsprozesse schwächer wird und so auch der Symptomkomplex des Sommerekzemers schwächer wird, lässt den Schluss zu, dass eine Stärkung des Immunsystems kontraproduktiv wirkt. Immer wieder liest man zwar, dass eine positive Wirkung auf das Immunsystem von Echinacea nicht nachweisbar sein soll; aus eigener Erfahrung kann ich beisteuern, dass sich anhand meiner ehemaligen „Therapieversuche" an meiner Haflingerstute Sina (1998, ich war noch in der Ausbildung) das Sommerekzem massiv verschlechterte nach einigen Kügelchen bzw. Globulis Echinacea. Da ich nicht so sehr an Zufälle glaube und die Verschlechterung mit eigenen Augen in wenigen Stunden extrem wahrnahm, denke ich, dass zumindest bei Sina eine immunstimulierende Reaktion stattgefunden haben muss; es sei denn, es hat eine weitere allergische Reaktion stattgefunden, so könnte man natürlich auch mutmaßen. Wie auch immer: von Echinacea würde ich nach meinem persönlichen Erlebnis generell strikt abraten!
Unserer Erfahrung nach verläuft die erfolgreiche Therapie des Sommerekzems so unterschiedlich, wie das jeweilige Pferd individuell ist. Bei manchen Pferden setzen wir ausschließlich das von mir entwickelte Ergänzungsfuttermittel (Allergosan-Kräutermischung) und ggf. zusätzlich eine lokale Behandlung mit Allergosan-Öl bzw. Allergosan-Insekt-Öl oder Produkte anderer Firmen ein, und die Pferde sind symptomfrei bzw. fast symptomfrei. Aber selbst hier sind die Erfahrungen völlig unterschiedlich; wir empfehlen grundsätzlich, die Allergosan-Kräutermischung ganzjährig zu füttern; viele Pferdehalter setzen sie allerdings nur während der Ekzemzeit ein und haben damit sehr gute Erfolge. Andere Pferde erzielen nur positiven Nutzen, wenn die Allergosan-Kräutermischung ganzjährig gefüttert wird bzw. zumindest einige Zeit vor der Ekzemsaison mit der Fütterung begonnen wird. Bei weiteren betroffenen Pferden muss zusätzlich homöopathisch therapiert werden, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Aber auch hier sind die Erfahrungen so unterschiedlich, dass man keine allgemein gültigen Erkenntnisse daraus erzielen kann: manche Pferde sind nach Tagen bzw. Wochen symptomfrei, andere benötigen Monate um annähernd symptomfrei zu sein.
Allerdings lässt sich zusammenfassend ganz klar sagen:
Helfen kann man jedem Sommerekzemer; nur die Zeit und die einzusetzenden Mittel sind sehr verschieden; jedoch war es bisher grundsätzlich möglich unter Mitarbeit des Pferdehalters ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis, meist sogar eine völlige Symptomfreiheit zu erzielen!
Hierfür steht auch Sina, meine Haflingerstute, auf der die Entwicklung beruht: sie zeigt klar und deutlich, dass auch eine massivste Sommerekzemerin mit ein wenig Geduld und Zeit symptomfrei leben kann und dies seit vielen Jahren nur noch mit Hilfe einer ganz einfach umzusetzenden pferdegerechten Fütterung und Haltung!
46. Spat
Symptome:
Spat erkennt man meist zuerst daran, dass sich die Rückenmuskulatur des Pferdes Verspannt. Dann tritt meist die typische Spatlahmheit auf. In der Anfangszeit tritt die Lahmheit nur von der Ruhe in die Bewegung auf. Nach ein paar Schritten verschwindet die Lahmheit meistens. Aber um so weiter sich die Krankheit vorbildet, desto öfter tritt die Lahmheit auf und hält oft auch an. Bei Spat muss das Pferd aber nicht immer Lahmen, sein Krankheitsbild kann sich auch anders verändern, in dem sein Gang anders wird. Weil er z.B. das erkrankte Hinterbein nicht mehr richtig anwinkelt, verkürzen sich die Schritte. Manche Pferde versuchen das Erkrankte Bein zu entlasten, indem sie mit den Hinterbeinen nach außen Schlingern. Erkrankte Tiere geben nur recht ungern den Huf und schonen auch im stehen das erkrankte Bein. Es kann aber auch sein das keins der genannten dinge auftreten. Einige Pferde, die trotz fortgeschrittenen Spat geritten werden, lahmen nie. Deshalb wird die Krankheit manchmal sehr spät erkannt. Oft kann eine Spatprobe Klarheit verschaffen. Bei der Spatprobe wird das Hinterbein ca. 2 Minuten lang nach vorne angewinkelt und das Sprunggelenk dabei so stark wie möglich gebeugt. Anschließend muss das Pferd traben. Lahmt es während der ersten paar schritte deutlich mehr als sonst, so gilt das als Hinweis auf Spat. Neben der Lahmheit sind Knochenzubildungen an der Innenseite des Sprunggelenks die wichtigsten Spatsymptome. Diese so genannten Exostosen sind harte, meist mit bloßem Auge erkennbare Verdickungen. Sie bilden sich im fortgeschrittenen Stadium und sitze im unteren Drittel der Gelenk-Innenseite. Dieses wird auch öfter Rehbein genannt. Spaterkrankung ohne diese Knochenzubildung wird unsichtbarer Spat genannt.
Ursachen:
Das Sprunggelenk des Pferdes setzt sich aus mehreren verschiedenen Gelenken zusammen. Oben ist ein Größerer darunter befinden sich mehrere kleine. Beim Spat entzünden sich die unteren kleinen, wesentlich weniger beweglichen Gelenke. Bereits eine einfache Verletzung, so wie z.B. ein tritt gegen das Sprunggelenk, kann eine solch Entzündung auslösen. Meist führen aber erst Wiederholte Verdrehungen, Verstauchungen, Quetschungen oder Zerrungen der stärker belasteten Innenseite des Sprunggelenks zu Spat. Aber auch wer wer von seinem Pferd zu schnell eine zu stake Versammlung fordert und es Übertrieben auf die Hinterhand setzt, gefährdet die Sprunggelenke.
Aber nicht nur Fehler des Reiters, sondern auch Versäumnisse des Züchters können Pferde Spat bescheren. Werden die Tiere in den ersten zwei Jahren nicht mit genügend Mineralstoffen versorgt, kann es oft zu einer Stoffwechselstörung kommen. Das Knochengerüst wird dann zwar noch aufgebaut, aber die Knochen werden dann nicht mehr mit genügend Substanz gefüllt. Solch mangelhafte Knochen und Gelenke sind anfällig für viele Erkrankungen. Manchmal ist eine schlechte Knochenqualität allerdings auch genetisch veranlagt und auch Knochenzysten können Spat verursachen.
Krankheitsverlauf:
Ein Arzt sagt Osteoarthritis und Periostitis des Sprunggelenks, was so viel heißt wie: Gelenk, Knochen und vielleicht auch die Knochenhaut entzünden sich. Die Entzündung kann auch auf Weichteile in der nähe des Gelenks übergreifen. Auch die Sehnen und die Schleimbeutel können erkranken. Der akute Spat kann auch zu einer chronischen Spatentzündung werden, oder in einer Arthrose enden. Durch eine chronische Entzündung werden die Gelenkoberflächen nach und nah zerstört. Um den Verlust auszugleichen, bilden sich neue Knochensubstanzen. Dieses wird sichtbar an der Innenseite des Sprunggelenkes. Die Knochenzubildung verengt die Spalten solange bis sie sich ganz geschlossen haben, dann ist das Gelenk versteift und das Pferd empfindet in der Regel keine Schmerzen mehr. Sollte sich jedoch die Knochenhaut und die umliegenden Weichteile auch dabei Entzündet haben, geht das Pferd meist weiterhin Lahm.
Behandlung:
Veränderungen in den Gelenken und der Knochenstruktur, lassen sich nicht rückgängig machen, darum ist Spat unheilbar. Alle Therapien zielen deshalb auf eine Beseitigung der Lahmheit ab. Der Tierarzt versucht die Verknöcherung und Versteifung zu beschleunigen um damit, dem Pferd die Schmerzen zu nehmen. Zum Anfang einer Behandlung wird meist Schmerz- und Entzündungshemmende Medikamente in das Sprunggelenk gespritzt. Einreiben des Gelenkes mit Durchblutungsfördernenmitteln beschleunigen den Stoffwechsel und damit die Versteifung des Gelenkes.
Man kann auch die Spatsehne operativ durchtrennen. Oder durch anbohren des Gelenkes dem Pferd die Schmerzen nehmen.
Parallel zu den Behandlungen des Arztes kann der Hufschmied mitwirken. Durch speziälen Hufbeschlag kann er das Sprunggelenk entlasten.
Der Tierarzt und der Hufschmied sollten eng zusammen arbeiten um die beste Behandlungsmethode für das Pferd zu finden.
Vorbeugung:
Das Futter eines Fohlens und generell in der Wachstumsphase sollten genügend Mineralstoffe enthalten. So hat das Pferd gute Chancen, später vom Spat verschont zu bleiben. Wenn es allerdings mit Knochenaufbauenden Substanzen bombardiert wird, gerät sein Stoffwechsel leicht außer Kontrolle. Einseitige zufuhr kann schwere folgen haben. Der Organismus versucht z.B. den erhöhten Kalzium-Pegel im Blut wieder abzubauen. Er Baut es aber nicht nur im Blut, sondern auch in den Knochen ab. Somit werden die Knochen nicht auf, sondern abgebaut. Deshalb brauchen Pferde eine Ausgewogene Ernährung. Tierärzte und Futterberater können einem da gut zur Seite stehen.
Beim Pferdekauf sollte man eine Ankaufsuntersuchung mit Röntgenbildern vornehmen lassen. Auf den Bildern kann man nicht nur eine Spaterkrankung erkennen, sondern auch schlecht mineralisierte Knochen. So kann er gleich Tipps zur Nutzung und Fütterung des Tieres geben.
Zu guter letzt ist ein Gesundheitsbewusstes Reiten hilfreich ein Pferd vor Spat zu verschonen. Man sollte gezielt auf der Hinterhand reiten um die Muskulatur aufzubauen, was das Sprunggelenk damit entlastet.
47. Strahlfäule
Symptome:
Beim Auskratzen der Hufe tritt ein Fäulnisgeruch auf. Es bilden sich im Strahl Hohlräume, sogenannte Taschen oder Ritzen, die mit einer schmierigen, grauen oder schwarzen Masse gefüllt sind. Das Strahlhorn wird insgesamt weicher. Im fortgeschrittenen Stadium, wenn das Horn schneller zerfällt, als es nachwächst, kann es zur Auf- oder Ablösung des Strahls kommen.
Ursachen:
Die Strahlfäule wird durch spindelförmige Bakterien namens Fusobakterii necrophori verursacht und stellt eine häufig auftretende Huferkrankung dar. Die Bakterien sind eigentlich nützlich bei der Verdauung. Am Huf treten sie erst in Erscheinung, nachdem sie ausgeschieden werden und das Pferd in den Kot tritt. Dort greifen sie das weiche Strahlhorn an.Die Bakterien sorgen für eine Zersetzung des Strahlhorns durch Bildung von Aushöhlungen und Fäulnisspalten. Die betroffenen Stellen zeigen sich als dunkelgraue, schmierige Masse, die einen schweren, fauligen Geruch verströmt. Sollte der Fäulnisprozess schneller fortschreiten, als das Strahlhorn nachwächst, kann es zur völligen Zersetzung des Strahlhorns kommen.
Damit es zu einer Strahlfäule kommen kann, müssen die auslösenden Bakterien für sie optimale Umgebungsbedingungen vorfinden. Sie benötigen ein feuchtwarmes Milieu und können sich nur unter Ausschluß von Sauerstoff vermehren.
Der Ausgangspunkt einer Strahlfäule liegt meistens in der mittleren Strahlfurche. Von dort greifen die Erreger auf die seitlichen Strahlfurchen über. Im fortgeschrittenen Stadium kann es durch Strahlfäule zu Lahmheit durch Huflederhautentzündung kommen. Anfangs kann sie nur durch die oben beschriebenen äußeren Symptome erkannt werden.
Die Ursache der Strahlfäule liegt meistens in mangelnder Hufpflege. Zur Hufpflege gehört das regelmäßige Reinigen des Hufes mit dem Hufkratzer (mindestens einmal täglich), wie auch das korrekte Ausschneiden des Hufes durch einen Hufschmied oder anderen Hufexperten. Dadurch wird vermieden, dass sich in Taschen oder Ritzen im Huf (oder schlicht unter dem am Huf haftenden Dreck) Zonen bilden können, die von der Luftzufuhr abgeschlossen sind und damit anaeroben Fäulnisbaktieren einen Nährboden bieten.
Eine weitere häufige Ursache sind verschmutzte Boxen und Paddocks, in denen eine Kot und Urin-Mischung den Erregern einen feuchten, warmen und damit idealen Nährboden bieten.
Mangelnde Bewegung bzw. Bewegung nur auf weichem Boden kann die Entstehung von Strahlfäule fördern. Bei Bewegung auf hartem Boden berührt - zumindest beim unbeschlagenen Pferd - der Strahl den Boden und drückt gegen die Huflederhaut. Dadurch wird der Blutkreislauf der Huflederhaut angeregt und die Bildung neuen Horns gefördert.
Schließlich können anatomische Eigenarten des Hufes selbst die Bildung von Strahlfäule begünstigen: Enge Hufstellungen und tiefe Strahlfurchen lassen sie leichter entstehen.
Krankheitsverlauf und mögliche Folgen
In der Regel beginnt die Strahlfäule bei der mittleren Strahlfurche. Von dort breitet sie sich zu den seitlichen Strahlfurchen aus und es bilden sich im gesamten Strahl Fäulnisherde. Im weiteren Verlauf kann sie auch den Hornballen befallen, so dass sich dort und auf den Strahlschenkeln das Horn in Fetzen ablöst, bis die Huflederhaut freiliegt. Tritt Fäule an der weißen Linie auf, spricht man von Hornfäule.
Lahmheiten können auftreten, wenn die freiliegende oder nur noch durch dünnes Horn geschützte Huflederhaut durch Steine oder Sand gereizt wird und sich entzündet.
Vorbeugung:
Die Fäulnisbaktieren (Fusobakterii Necrophori) sind nur unter Luftabschluss aktiv, d.h. die regelmäßige Reinigung der Hufe durch Auskratzen und ggf. auch mit der Wurzelbürste ist die beste Prävention gegen die Strahlfäule. Durch das regelmäßige fachmännische Ausschneiden des Strahl wird die Bildung von Taschen und Ritzen verhindert - bzw. bestehende werden entfernt. Weiterhin sind Boxen und Paddocks regelmäßig zu reinigen.
Behandlung:
Ist eine Strahlfäule vorhanden, müssen zunächst die verfaulten Hornteile entfernt werden. Können diese nicht vollständig weggeschnitten werden, da sich die Fäule beispielsweise schon tief in die mittlere Strahlfurche hineingefressen hat, so werden die Fäulnisstellen mit einem Desinfektionsmittel behandelt. Üblich aber auch umstritten ist der Einsatz von Jodoformäther (vier- bis zehnprozentig). Um eine weitgehende Desinfizierung der Fäulnisspalten zu erreichen und eine erneute Verschmutzung des angegriffenen Horns zu verhindern, werden diese häufig mit Tamponagen aus Watte oder Mull verschlossen, wobei darauf zu achten ist, dass die Tamponagen mindestens einmal täglich gewechselt werden.
Vorsicht, die richtige Strahlfäule wird oft mit einem nur etwas fransigen, sich erneuernden Strahl verwechselt. Wenn der Strahl nicht wirklich nach faulen Eiern riecht, und eine schwarze, schmierige Substanz absondert, muss er normalerweise nur glattgeschnitten und nicht behandelt werden.
48. Weben
Symptome:
Beim Weben pendelt das Pferd mit der Kopf-Hals-Partie hin und her, wobei zusätzlich das Gewicht ständig von einem Vorderbein auf das andere verlagert wird. Bei sehr starkem Weben kann es sein, dass die Hinterhand in die Gegenrichtung pendelt. Durch die dauerhafte Belastung kann es zu Schäden im Bereich der Vorhandgelenke (Knochen und Sehnen) kommen. Dieser stereotype Bewegungsablauf ist auch bei anderen Tieren in Gefangenschaft wie zum Beispiel Elefanten, Kamele und Bären bekannt.
Das Weben tritt seltener auf als das bekanntere Symptom „Koppen“, etwa im Verhältnis 1:3. Meist sind Pferde mit höherem Vollblut-Anteil eher vom Weben betroffen.
Ähnliche Verhaltensstörungen bei Pferden
Unter der „Manegebewegung“ versteht man eine permanente Kreisbewegung des Pferdes in seiner Box. Das bereits genannte Koppen ist ebenso eine stereotype Verhaltensstörung wobei man hier noch zwischen Aufsetzkoppern und Freikoppern unterscheidet.
Bekämpfung der Störung:
Eine Bekämpfung des Webens ist meistens schwierig und langwierig. Einerseits muss Ursachenforschung betrieben werden um die mögliche Ursache für die psyschische Belastung des Pferdes wie z.B. Überbelastung in Trainingssituationen, Isolation zu Artgenossen oder auch einfache Langeweile usw. herauszufinden. Andererseits ist eine begleitende Optimierung der artspezifischen Haltungsbedingungen des Pferdes, vor allem hinsichtlich der Futteraufnahme, der artgerechten Bewegung und des Sozialverhaltens, anzustreben. Primäre Maßnahmen sind hier vor allem die Offenstallhaltung bzw. regelmäßiger Koppelgang.
Einer noch laufenden Studie der Lincolnshire School of Agriculture in England zufolge kann ein Spiegel an der Boxentür das Pferd vom Weben abhalten.
Da das Weben eines Pferdes von anderen Pferden nachgeahmt werden kann, wird teilweise die Trennung eines webenden Pferdes von nicht webenden Pferden empfohlen.
49.Wobber Syndrom
Als Wobbler-Syndrom (Syn. Zervikale Malformation, Zervikale Spondylopathie, Zervikale Spondylomyelopathie, Spinale Ataxie) wird in der Tiermedizin ein Symptomkomplex bezeichnet, der durch Nervenschädigungen im Bereich des Rückenmarks bzw. der Rückenmarksnerven im Bereich der Halswirbelsäule hervorgerufen wird (spinale Ataxie). Der Begriff leitet sich vom unsicheren (ataktischen) Bewegungsablauf des erkrankten Tieres ab: „Wobbler“ kommt vom altdeutschen Wort „wobbeln“ („wackeln“, engl. to wobble). Das Wobbler-Syndrom tritt vor allem bei Pferden und Hunden auf, als Ursache kommt eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen in Frage. Der Heilungserfolg hängt von der eigentlichen Ursache ab, einige Krankheiten haben eine gute, andere eine schlechte Prognose.
Die Symptome werden durch eine Schädigung des Halsmarks erzeugt, im Regelfall durch eine Kompression, bei Pferden selten auch durch eine Infektion. Das Krankheitsbild entspricht damit der zervikalen Spinalkanalstenose des Menschen (siehe auch Spinale Stenose). Die Kompression kann durch eine statische Verengung des Wirbelkanals zustande kommen (statischer Wobbler). Ein dynamischer Wobbler liegt vor, wenn das Rückenmark erst infolge einer Bewegung komprimiert wird.
50. Wundstarrkrampf
Erreger:
Das Bakterium Clostridium tetani bildet ebenso wie alle anderen Clostridien-Arten
als Dauerform Sporen, wodurch sie in der Umwelt (Erdboden) jahrelang überleben können.
Wenn Clostridium tetani günstige Lebensbedingungen vorfindet, kommt es zur Vermehrung
und Toxinbildung (d.h. giftige Stoffwechselprodukte entstehen). Der Wundstarrkrampf ist
eine klassische Wundinfektion. Bei dem von Clostridium tetani gebildeten Gift handelt es
sich um ein sehr starkes Nervengift, es werden zentralnervale Symptome ausgelöst.
Empfängliche Tierarten: Alle Säugetiere können an Tetanus erkranken, Schafe, Ziegen und
Pferde (sowie auch der Mensch) sind gegenüber dieser Erkrankung besonders empfindlich.
Eine häufige Ursache von Wundstarrkrampf bei Jungtieren ist eine Infektion über den Nabel.
Krankheitsanzeichen: Nach einer Inkubationszeit (= Zeit zwischen Eindringen des Erregers
und Ausbruch der Erkrankung) von mehreren Tagen bis Wochen! kommt es zu unkontrollierbaren
Muskelkrämpfen. Zu Beginn der Erkrankung nehmen diese Tiere die für Wundstarrkrampf
typische starre, sägebockartige Stellung ein. Im weiteren Krankheitsverlauf kann das
Kiefer nicht mehr geöffnet werden (Kiefersperre), es kommt zum Festliegen und der Kopf
wird nach oben und rückwärts gebogen (Opisthotonus). Das dritte Augenlid fällt vor und die
Ohren stehen steif vom Kopf ab.
Bei festliegenden Tieren werden auch die Gliedmaßen starr
vom Körper weggestreckt und können nicht mehr gebeugt werden (auch nicht vom Untersucher).
Die Skelettmuskulatur fühlt sich bretthart an. Weitere Symptome sind Schweratmigkeit
und Pansenblähung. Der Tod tritt nach wenigen Tagen aufgrund Lähmung der Atemmuskulatur
durch Ersticken ein. Äußere Reize wie plötzlicher Lärm, Licht oder auch Berührung führen
zu verstärkten Krampfanfällen. Bei Wiederkäuern kommt es aufgrund des Sistierens der
Magen-Darmperistaltik sowie infolge der Inappetenz zur Pansenblähung und zum Kippen des
Vormagenmilieus (Pansenazidose), weshalb die Prognose bei diesen Tierarten besonders
schlcht zu beurteilen ist.
Übertragung:
Der Wundstarrkrampf wird nicht von einem erkrankten Tier auf andere Tiere
übertragen, da die Erreger nicht ausgeschieden werden. Tetanus tritt deshalb zumeist nur in
Form einer Einzeltiererkrankung auf.
Ansteckung:
Da es sich beim Tetanus um eine Wundinfektion handelt, ist der Vorbericht
(Verletzungen, Enthornung, Kastration, Schurwunden, Kupieren, ...) besonders wichtig. Die
Erreger des Tetanus vermehren sich besonders in verschmutzten, unversorgten und tieferen
Wunden (Luftabschluss), welche auch leicht übersehen werden können. Es sind auch Fälle
von Tetanus bekannt, wo keine äußeren Verletzungen nachweisbar waren. Man spricht dann
vom sog. kryptogenen Tetanus (das heißt, man weiß nicht konkret, woher die Infektion
stammt, die Ursache könnte möglicherweise auf eine Infektion über den Darm oder auf einen
Zahnwechsel zurückzuführen sein).
Diagnose:
Aufgrund der klinischen Symptome, der klinischen Untersuchung sowie aufgrund
des Vorberichtes (offene Verletzung, ..) kann die Diagnose Tetanus vom Tierarzt gestellt
werden. Bei bereits verendeten Tieren ist es jedoch schwieriger und aufwendig, die endgültige
Diagnose Tetanus zu stellen. Dazu muss entweder der ganze Tierkörper oder verändertes Gewebe
von der vermuteten Eintrittstelle an eine veterinärmedizinische Untersuchungsanstalt
eingesandt werden. Aus wirtschaftlichen Gründen wird dann jedoch zumeist auf weiterführende
Untersuchungen und damit auf eine exakte Diagnose verzichtet.
Erkrankungen mit einem ähnlichen Krankheitsbild sind Schädel-Hirntraumata, Gehirn- und
Hirnhautentzündungen infektiösen Ursprunges (Tollwut, Listeriose, Meningokokken), verschiedene
Vergiftungen sowie akuter Vitamin B-Mangel.
Behandlung:
Die Behandlung von an Wundstarrkrampf erkrankten Rindern, Schafen oder
Ziegen ist praktisch aussichtslos. Bei gesicherter Diagnose (Tierarzt) und fortgeschrittenem
Krankheitsstadium sind an Tetanus erkrankte Tiere tierschutzgerecht zu töten.
Eine Heilung von an Tetanus erkrankten Pferden ist unter intensivmedizinischen Maßnahmen
möglich.
Vorbeugende Maßnahmen:
Operationen und blutige Eingriffe dürfen nur unter sauberen
und sterilen Bedingungen vorgenommen werden, Wunden und Verletzungen sind entsprechend
zu versorgen. Eine fachgerechte Wundreinigung, Desinfektionsmaßnahmen und eine
vorbeugende antibiotische Versorgung können helfen, etwaige Wundinfektionen zu verhindern.
Gegen Tetanus kann wirksam vorbeugend geimpft werden (passive Immunisierung
durch Verabreichung eines Hyperimmunserums). Diese Impfung ist insbesondere nach blutigen
Operationen und Verletzungen angezeigt. Zusätzlich wird eine Behandlung mit Antibiotika
durchgeführt.
Bei Neugeborenen muss sofort im Anschluss an die Geburt eine fachgerechte Nabeltoilette
durchgeführt werden, die am nächsten Tag wiederholt werden sollte.
51. Zwanghuf
Symtome:
Erkennbar ist ein Zwanghuf sofort an der Unterseite. Die Strahlfurchen bilden bei einem gesunden Huf ein V. Beim Zwanghuf oder Trachtenzwang sind sie nicht gerade, sondern verengen sich im Bereich der Eckstreben. Die Hufmechanik funktioniert nicht mehr, sondern kehrt sich um. Statt dass der hinter Bereich des Hufes beim Auffußen weiter wird, wird er beim Zwanghuf enger. Das verursacht dem Pferd Schmerzen.
Ursachen:
Neben einigen unbekannten Ursachen sind im Wesentlichen zwei anzugeben. Die erste ist Vernachlässigung der Hufe. Wenn der Huf zu lang wird, bei Pferden die auf Untergrund gehalten werden, der für zu wenig Hornabrieb sorgt, dann neigt die hohe Hornwand dazu instabil zu werden. In einigen Fällen biegt sie sich nach Außen, beim Zwanghuf biegt sie sich nach Innen. Eine steile Hufstellung begünstigt die Bildung von Zwanghufen, eine flache hingegen die Bildung von untergeschobenen Trachten. Die zweite Ursache ist ein dauerhaft aufgebrachter Hufbeschlag über einen mehrjährigen Zeitraum. Die Fixierung des Tragrandes mit Nägeln auf einem Hufeisen verhindert, dass sich der Huf beim Auffußen weiten kann. Außerdem kann er sich beim Wachsen nicht trichterförmig ausweiten, so dass die Hufwand im Laufe der Zeit immer steiler wird. Eine gesunde Hufwand hat die geometrische Form eines schief abgeschnittenen schiefen Kegels.
Krankheitsverlauf und mögliche Folgen:
Entwickelt sich ein Zwanghuf ungehindert weiter, dann führt das im Wesentlichen zu zwei Folgen. 1. Ein Zwanghuf verursacht Schmerzen, dem Pferd tut das Laufen weh, ein Zwanghuf kann zur Lahmheit führen und dafür sorgen, dass das Pferd nicht mehr arbeiten kann bzw. unreitbar wird. 2. Die meistens früher einsetzende Folge ist Strahlfäule. Durch den Zwanghuf wird die mittlere Strahlfurche so gequetscht, dass sich eine Tasche bildet, in der Fäulnisbakterien ungehindert ihr Zerstörungswerk verrichten können. Wird das weiche Strahlhorn zersetzt bis auf die Huflederhaut, dann versucht die Lederhaut schneller Horn zu produzieren, als dass es von der Fäulnis zerfressen wird. Aber dieses schnell produzierte Horn ist von schlechter Qualität, und wird schneller zerfressen, weil es empfindlicher für Fäulnis ist. Letztlich beginnt das Horn unkontrolliert zu wuchern und die Lederhaut entzündet sich. Das von der entzündeten Lederhaut produzierte weiche weißliche Horn ist Strahlkrebs. Breitet sich die Entzündung auch auf die Bereiche der Lederhaut, die hartes Horn produzieren aus, dann wird aus dem Strahlkrebs Hufkrebs.
Behandlung:
Optimierung der Haltungsbedingungen. Der Huf darf nicht zu lang werden und muss genügend Abrieb erfahren. Die richtige Bearbeitung des Hufes ist wichtig. Ein aufgenagelter Hufbeschlag ist hier kontraproduktiv, der Huf muss sich uneingeschränkt weiten können ohne in der vorderen Hälfte durch Nägel fixiert zu sein.


